Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 87)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 87 — zufangen sei? Allsdann aber haben sie uns einen noch grösseren Dienst erwiesen, die Chowewe-Zion, indem sie de facto die Keimbildung eines national-culturellen Zentrums besorgt und dasselbe sogar bis zum Embryo ausgebrütet haben, der schon mit unbewaffnetem Auge in der Gestalt von einigen tausend Weinbauern und Ackerbautreibenden wahrzunehmen ist. Das hat nun den allergrössten Wert für uns, den wir nie unterschätzen werden. Was wir aber an dem edlen Werk vermissen, das war und ist der nationale Gedanke, der ihrer Thätigkeit zu Grunde liegen sollte. Die Chowewe-Zion des Westens vermieden und vermeiden es geflissentlich bis nun, diesen Hauptgedanken hervorzukehren, geben vielmehr ihrer gesammten Thätigkeit den Anstrich eines philanthropischen Werkes; die Chowewe-Zion des Ostens, die seit Pinsker diesen nationalen Gedanken wohl auf ihre Fahne geschrieben, haben ihn in den letzten Jahren bis zur Unkenntlichkeit verflacht. Und das rächt sich dadurch, dass, trotz 16jähriger Arbeit, sie das Volk kühl und kalt gelassen haben „bis ans Herz hinan". Wenn auch einzelne Menschen sich gerne durch reiche Leute bemuttern lassen, ein Volk kann und darf man nicht mit Almosen füttern, und nur in der Selbsthilfe liegt der Sporn zur Hebung des nationalen Bewusstseins und zu fruchtbringender That. Es ist ja möglich, dass die Chowewe-Zion des Westens erst in letzter Zeit sich zum nationalen Gedanken emporgerungen und denselben in seiner ganzen Bedeutung erfasst haben und nur in der Art und Weise, im Tempo des Fortschreitens von den Zionisten abweichen. Ja, dann sollen sie es offen aussprechen. Aber wie dem auch sei, wir machen ihnen keinen Vorwurf daraus; es wäre ja unbillig zu verlangen, dass Männer, die Gutes thun, noch besseres thun sollen. Uns Zionisten stört ihre Thätigkeit, selbst in der Form, wie sie bis jetzt geübt wurde, durchaus nicht; wir betrachten die Chowewe-Zion als kleineren Theil eines grösseren Ganzen und dass wir es loyal und ehrlich mit ihnen meinen, beweisen wir dadurch, dass wir Zionisten, die wir aus einstigen Chowewe-Zion Zionisten geworden, nicht aufgehört haben, regelmässig unsere Beiträge für die Colonisation Palästinas zu zahlen. Alle sammt und sonders. — Diese Loyalität verlangen wir auch von den Chowewe-Zion und sprechen den Wunsch aus, dass sie auch uns nicht im Ziehen unserer Kreise stören mögen, dass sie uns nicht insofern discreditieren mögen, als sie, in der ewigen Furcht, wir plaudern zuviel aus der Schule, den Leuten einreden, wir schaden der Sache, wir zerstören das von ihnen mit solcher Um- und Vorsicht begonnene Werk. Das ganze Gegentheil ist nämlich richtig und seitdem der Zionismus ins Volk gedrungen, sind, in Paissland wenigstens, die Beiträge für die Colonisation bedeutend gewachsen und das ist auch sehr natürlich: der Volksinstinkt hat es viel besser als die Chowewe-Zion begriffen, dass zwischen der Thätig-