Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 85)
- Language
- German, English, Hebrew
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- .85 — Aehnliches gelingen, die wir intensive Cultur mit eisernem Fleisse und beispielloser Bedürfnislosigkeit verbinden können. Das Land, das wir brauchen, ist unser altes Heimatland, Palästina, an welchem wir seit der Diaspora durch tausend sichtbare und ansichtbare Fäden, durch tägliche Gebete, durch unsere Keligon, die eminent national ist, hängen. Unsere Ansprüche auf dieses Land sind insoferne berechtigt, als Palästina, diese vielumworbene Braut, einLänderstrich ist, der eine fast zehnfach geringere Bevölkerung in sich fasst, als er beherbergen kann, und zwar hauptsächlich eine Bevölkerung die uns stammesverwandt, semitisch ist, mit der wir uns also schon vertragen würden! Unsere Ansprüche sind auch insoferne nicht unbescheiden, als wir nicht den gewöhnlichen, durch Eisen mit Blut gedüngten Weg der Eroberung, der Annectierung gehen wollen; wir wollen eben nicht aus Mangel an Tiefe in die Breite gehen, sondern aus Ueberfluss an Breite — -aus der Zerstreuung in die Tiefe gehen, uns concentrieren, einen kleinen Flecken auf dem weiten Erdenrund finden, wo wir unsere Culturarbeit verrichten und uns als Volk ausleben können, niemanden zum Schaden, uns selber zum Nutzen. Wir wollen ein geistig und körperlich arbeitendes Volk werden, aber auch ein ethisches Volk; wir sind zu dieser Leistung befähigt und imstande sie durchzuführen. Und sollten wir auch in unserer Nachbarschaft eine culturell-ethische Epidemie verbreiten, wir würden uns daraus nicht das geringste Gewissen machen. Nicht nur, class wir bei unserem Streben auf das Wohlwollen und Entgegenkommen der ottomanischen Regierung hoffen, die uns übrigens stets eine bessere Behandlung zutheil werden liess, als so manche europäische Macht, — wir hoffen auch auf die Sympathien der edlen oberen Zehntausend der christlichen Nationen, die mit uns mitfühlen und im Namen der höheren Gerechtigkeit uns helfen müssen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Die Aufgabe, die wir uns gestellt haben, ist eine Riesenaufgabe und wir unterschätzen sie durchaus nicht; wir sind lange nicht so naiv zu glauben, dass unser Ziel von heute auf morgen erreicht sein werde; aber wir haben Geduld und sind den arischen Völkern recht dankbar dafür, dass sie uns Geduld gelehrt haben. Aber ein zähes, zielbewusstes, methodisches Vorgehen kann uns zum Ziele führen und schon das Streben ist der erste Schritt zum Ziele. „Es wächst der Mensch mit seinen höheren Zwecken"; umso mehr wächst ein Volk, welches sich zu höheren Zwecken vorbereitet. (Lebhafter Beifall.) Uns kommt es ja übrigens fürs erste nicht sowohl darauf an, dass wir in grossen Massen nach Palästina emigrieren, dass wir in absehbarer Zeit 7 Millionen Menschen auf den Boden des heiligen Landes verpflanzen, wie uns fälschlich und in böser Absicht zugemuthet wird. Uns kommt es ebensowohl darauf an,