Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 84)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 84 — sondergleichen unter den Juden zu züchten, nicht aber eine Lockspeise für Männer, welche sich concrete Ziele stecken, welche helfen wollen und helfen müssen, dank dem kategorischen Imperativ, der sie dazu treibt. (Lebhafter Beifall.) Thatsächlich stehen wir vor einem Nationalitätenkampf, der an Heftigkeit, Eücksichtslosigkeit und Grausamkeit seinesgleichen sucht. Es ist ja möglich, dass dieser Kampf ein nothwendiges Stadium in der Evolution des Menschengeschlechtes ist, der nach Aeonen zum Kosmopolitismus führen wTird; umso eher müssen auch wir uns darnach einrichten. Sollte dieser Kampf nicht in der schnöden Weise geführt werden, wie er jetzt geführt wird, sollte er nicht dem Principe huldigen, „öte toi de lä, que je m'y mette" — sollte die Differenzierung der Nationen in der Weise vor sich gehen, wie sie von unseren alten Weisen aufgefasst und geübt worden — intensive Entwicklung des nationalen Geistes und Selbstbewusstseins bei voller Toleranz gegen andere Nationen — dann allerdings könnte eine solche Differenzierung der Menschheit dasselbe leisten, was die feinere Differenzierung höherer Organe tür einen hochentwickelten Organismus leistet: einer jeden Nation wäre ihre specielle Function und Bestimmung zugewiesen und eine jede würde für die Schatzkammer der Cultur die kostbarsten Beiträge liefern und zur Hebung der Menschenwürde das Ihrige thun. Vorläufig sind wir noch recht weit davon entfernt. Auf alle Fälle aber ist die Hauptbedingung einer selbständigen nationalen Entwickung — eigener Boden, Land, Erdgeruch. Diesen eigenen Boden besitzen nun alle Völker und Völkchen der weiten Erde mit Ausnahme des jüdischen Volkes, welches unstet und flüchtig, einem Gespenste gleich ohne Fleisch und Knochen, unter den lebensfrohen Ariern herumirrt und in seinen heiligen Büchern, in der Bibel und dem Talmud, spärlichen Ersatz findet für das verlorene Heim, gleichsam ein Stück wandelnden Vaterlandes. Wir brauchen Land, wir brauchen eigenen Boden, aus welchem wir, Antäus gleich, Kraft ziehen könnten zum Kampf ums Leben. Und wenn Völkerschaften, wie etwa Montenegriner, Bulgaren, Serben, Rumänen, Croaten und Slowaken Anrechte auf selbständige Entwicklung erheben dürfen und ihre Kechte auch zur Geltung bringen, trotzdem diese undifferenzierten Zellenconglomerate so bitter wenig der Welt gegeben — dürfen es die Juden umsomehr, die eine der hervorragendsten Rollen in der Welt- und Culturgeschichte gespielt und bisnua wie durch ein wahres Wunder als typisch ausgeprägte Nation sich erhalten haben. Und wenn es den Boers, also holländischen Bauern, im Verlaufe von 150 Jahren gelungen ist, trotz der mangelhaften Culturmittel, die ihnen bei Beginn ihrer Niederlassung im Transvaal zu Gebote standen, einen Staat zu gründen, der nun eine Macht ist, mit der man rechnen muss, — so dürfte uns gewiss