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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1898-01-01 · 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898 · p. Seite 81

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
Date
1898-01-01
Page
Seite 81 (sequence 81)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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- 81 — Assimilationsbestrebungen sind nicht allein dem einfachen, thierischen Selbsterhaltungstriebe der Juden zuzuschreiben; das gilt bloss tür die gewöhnlichen Durchschnittsmenschen, die im Leben überhaupt keine anderen Fragen als die Magenfrage kennen. Dieses Streben nach Assimilation hat noch einen anderen, einen viel tieferen und auch viel edleren Grund, der im jüdischen Volkscharakter, in dem stark ausgeprägten, intensiven Gemüths- und Gefühlsleben des jüdischen Volkes ruht. Es steckt etwas Kosmopolitisches, etwas Messianisches in diesem Volke, welches die Nächstenliebe, die Verbrüderung aller Menschen untereinander, als etwas Nothwendiges empfindet. Es ist derselbe ethische Zug, der sich bereits beim Propheten Jesaia in dem Satze ausspricht, es müsse eine Zeit kommen, wo Wolf und Schaf friedlich nebeneinander weiden werden. Es ist derselbe Zug, der sich in wunderbarer Weise bei Spinoza ausdrückt, dem grossen Prediger der unendlichen Liebe aller untereinander, w^eil ja Gott und die Welt Eines, sei und Gott sich selber liebe, wenn wir uns untereinander lieben. (Infinitus amor, quo Dens se ipse amat.) Deshalb auch sehen wir seit Ende des vorigen Jahrhunderts, seit Mendelssohn, die edelsten und besten Männer unseres Volkes an dieser Verbrüderungsarbeit thätig. Mit der ihrem Stamme eigenen Leidenschaftlichkeit, mit der ganzen Intensität ihres Gemüthes, mit Einsatz ihrer besten Kraft und ihres Herzblutes entäussern sie sich ihres eigenen Ichs zugunsten der Mitbürger, unter welchen sie leben. Und wenn sich der edle Mensch und warme Jude Gabriel Riesser in den Vierziger-Jahren zu dem bemerkenswerten Ausspruch hinreissen liess, dass, wenn man ihm in der einen Hand die Emanzipation der Juden, in der anderen die Einheit Deutschlands darböte, er nach derjenigen Hand greifen würde, die ihm die Einheit Deutschlands gäbe, so kann man sich kaum eine grössere Selbstverleugnung denken. Diese Selbstentäusserung nun setzen viele Männer noch jetzt fort, wo es doch schon an der Zeit wäre, die kalte Ueberlegung mehr denn das Herz zu Rathe zu ziehen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Denn offenbar legten und legen diese edlen Männer an die Ethik der arischen Völker denselben Massstab an, den sie bloss an die besten der Arier und an sich selbst anlegen dürften, und unterschätzen hundertfach die religiösen Vorurtheile und den nationalen Eigendünkel der arischen Völker im allgemeinen. Diese Männer vergessen offenbar, dass in den breiten Volksschichten noch gar zu viel „Bestie" steckt, die sich durch die Zauberformel „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" nicht austreiben lässt; sie vergessen, dass, wie mein seliger Freund Pinsker ganz richtig bemerkte, die Judophobie eine Psychose sei, dass sie als solche erblich und als eine durch Jahrtausende vererbte Krankheit auch unheilbar sei. Allerdings treten von Zeit zu Zeit lichte 6

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