Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 80)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 80 - von sich dasselbe; und wenn man -sich nach den Aussagen dieser glückseligen Assimilationsmenschen richten sollte, so gibt es überhaupt keine Juden mehr auf der ganzen Welt, höchstens sechs bis sieben Millionen Bettler, die zufälligerweise den Sabbath statt des Sonntags feiern, den Sabbath, dessen Abschaffung die Reform- Rabbiner recht gern besorgen würden; Bettler, die zufälligerweise Jargon mauscheln — welche üble Gewohnheit sie doch ablegen sollten — und die zufälligerweise der elementarsten Menschenrechte beraubt sind, was übrigens kein so grosses Unglück ist, da doch die Cultur Riesenfortschritte macht und die sociale Gerechtigkeit, wenn nicht heute, so doch ganz bestimmt morgen auf der ganzen Erdkugel hergestellt werden müsse. (Lebhafter Beifall.) Zum grossen Glück für die Juden des Ostens ist dieses Raisonnement ihrer westlichen Stammesgenossen ein schrecklich einseitiges. Was verschlägt es denn, dass die Juden des Westens und, in widerlicher Nachäffuug, ein Theil der Juden des Ostens, in bi et orbi verkünden, sie seien Deutsche, Franzosen, Polen, Russen mosaischer Confession, wenn ihre arischen Nachbarn ihnen höhnisch zurufen, dass sie solch einen semitisch-arischen — Hermaphroditismus nicht anerkennen wollen? Was verschlägt denn, dass die Juden des Westens statt langer Kaftane und gekräuselter Schläfenlöckchen — schwarze Fräcke tragen und weisse Manchetten und das reinste französische oder deutsche Idiom reden oder gar beim Zechgelage mit tiefer Inbrunst die „Wacht am Rhein" herunterjohlen — wenn das Kainszeichen der Rasse auf ihrem Gesicht eingegraben ist und ihre arischen Nachbarn sie auf Schritt und Tritt fühlen lassen, und zwar auf keine besonders zärtliche Art, durch Rippenstösse und Schädeleinkeilen sie fahlen lassen, dass sie Fremde sind, dass sie Eindringlinge, Schmarotzer am arischen Leibe sind, die entweder eliminiert oder unschädlich gemacht werden müssen? . . . Da hilft nichts! Ob die Juden des Westens wollen oder nicht, sie müssen an einem Strange mit ihren östlichen Stammesbrüdern ziehen; sie müssen es schon aus dem Grunde, weil die Juden des Ostens durch unausgesetzte Immigration ein so grosses Quantum frischen Judenstoffes nach dem Westen hineinfiltrieren, dass eine Auflösung der Juden des Westens in der Staatsflüssigkeit ohne Rest, das heisst durch Taufe — fast zur Unmöglichkeit wird. Die „Peter Schlemihle" des Westens möchten wohl sammt und sonders ihren Schatten vom Osten nicht nur nicht suchen, sondern für immer verlieren, sie können ihn aber nicht loswerden und das Judenvolk lebt und ist da, sowohl im Osten als auch im Westen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Hier muss ich übrigens eine Bemerkung einflechten, welche, meiner Ueberzeugung nach als bedeutendes Entlastungsmoment für viele derjenigen Stammesgenossen gelten kann, welche in der Assimilation die endgiltige Lösung der Judenfrage erblicken. Die