Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 78)
- Language
- German, English, Hebrew
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- 78 — haben, während ich die Chowewe-Zion-Vereine, die sogenannten praktischen Zionisten, als unsere Gegner aufzufassen von unserem Standpunkt aus nicht die geringste Veranlassung finden kann. Ich muss die hochverehrte Versammlung um Nachsicht bitten, wenn ich als ein in der Praxis ergrauter Arzt, mithin im engen Gesichtskreise eines Arztes befangen, das Problem, welches ich lösen soll, vom ärztlichen Standpunkte autfasse. Ich betrachte nun das Judenvolk als einen durch und durch kranken Organismus, zu dessen Heilung wir hier in einem so überaus zahlreichen Concilium zusammengetreten sind. Die Pathologie dieses kranken Körpers ist durch die scharfsinnigen, klaren Ausführungen eines anderen Arztes, des Dr. Max Nordau, im vorigen Jahre sowohl als auch in diesem, mit der grössten Präcision dargelegt worden. Es handelt sich offenbar um ein Siechthum, einen chronischen Marasmus, dem das Gros des Judenvolkes verfallen ist, aus Mangel an Licht, frischer Luft, die ihm böswillig vergiftet wird, und an guter Kost. Es scheint hier nicht sowohl ein organisches als vielmehr ein functionelles Leiden vorzuliegen, welches durch eine methodische, energische, zweckbewusste Behandlung vielleicht noch behoben werden könnte. Datür spricht der Umstand, dass das Judenvolk trotz zweitausendjähriger Diaspora nicht zugrunde gegangen ist und noch lebt. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Und so wird es, da ich die Therapie angeben muss, meine Aufgabe sein, erstens nachzuweisen, dass die Heilmethoden, die bis nun angewendet worden, keine rationellen gewesen, vielmehr an die Guren der Empiriker der guten alten Zeit erinnern, die in Ermangelung einer richtigen Diagnose gegen einzelne Symptome und Symptömchen loszusteuern, anstatt das Uebel an der Wurzel zu fassen, pflegten. Ich meine die Guren der Assimilation und Taufe. Und zweitens wird es meine Aufgkbe sein, den Beweis zu erbringen, dass die Heilmethode, die wir Zionisten vorschlagen, das Gute für sich hat, dass sie auf rationeller Basis, auf Experiment und zweitausendjähriger Beobachtung beruht, und daher, wenn energisch und consequent durchgeführt, zur Gesundung unseres Volkes auch führen muss und wird. Der Status praesens, der wahre Sachverhalt ist nun folgender: von den neun bis zehn Millionen Juden, die auf dem weiten Erdenrund zerstreut sind, wohnen circa sieben Millionen in Russland, Rumänien, Oesterreich. Obzwar durch Grenzpfähle von einander getrennt, bilden sie dennoch innerhalb dieses Territoriums eine Bevölkerungsmasse, welche alle Attribute, alle Merkmale einer einzigen Nation an sich trägt. Vor allem haben sie eine gemeinsame Religion, an der die allermeisten mit alter Zähigkeit und Treue hängen; sie sprechen fast alle eine gemeinsame Umgangssprache — den Jargon — eine Art semitischen Yolapüks, eine Mundart, die in epigrammatischer Kürze den Geist