Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 62)
- Language
- German, English, Hebrew
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- 62 — leiten. Freilich soll sicli das Actionscomite' dabei auf die Landsmannschaften stützen, aber diesen sollen stets Anregungen vom Comite zukommen. Und vor allem muss ich bedauern, dass wir alle, äie wir. ich möchte sagen, gewöhnliche Soldaten sind und keine Aemter haben, die auch gar nicht nach höheren Stellen streben, sondern nur ehrliche Soldaten zu sein uns bestreben, gar nichts wissen, wie es mit der Agitation steht und was im Actionscomite vorgeht. Es wäre das beste, wenn das Actionscomite einen Bericht alle Monate oder alle sechs Wochen an die Landsmannschaften oder an Vertrauensmänner verschicken würde, damit diese in den Versammlungen mittheilen: Das und das ist geschehen. (Dr. Herzl: Das geschieht ohnehin.) Ich, verehrter Herr Präsident, weiss nichts davon und ich sitze in einer Centrale in Köln am Rhein. (Dr. Herzl: Bitte sich an die anderen Herren in Köln zu wenden.) Ich weiss aber, dass keine Berichte verschickt wurden, die für die Oeffentlichkeit bestimmt waren. .Ich verlange nicht, zu viel, ich verlange nicht zu wissen, über welche diplomatische Dinge verhandelt worden ist, sondern ich möchte Mittheilungen über die einfachen Schlüte des Actionscomites. Wenn man das erfahren würde, würde das die Position des Comites bedeutend stärken und die Kritik wäre eine viel kürzere. Dr. Schnirer brauchte nicht so viel und so lange sprechen und die Sache wäre viel gedeihlicher. Dass die Agitation nothwendig ist, beweist schon das eine: Wann hätte man das je geglaubt, dass das jüdische Volk es erleben muss, dass die eigenen Rabbiner sich gegen das eigene Volksgefühl wenden? Schmach und Schande ist es, dass wir das erleben mussten, und warum erleben wir das Die Rabbiner handeln zum grössten Theil nicht nach ihrer Ueber- "zeugung. Ich-spreche nur von den Protestrabbinern, die sich zur gemeinen Lüge hergegeben, dass der Zionismus im Gegensatze zur jüdischen Religion stehe. Das wäre nicht möglich, wenn wir heute Schriften hätten, welche das Volk aufklären würden über den Zionismus. Der Zionismus verlangt: nichts, als was das jüdische Volk stets verlangt hat. Das ist das Princip, an dem Sie einsetze müssen. Arbeiten Sie dahin, dass wir unsere Heimat in Palästina''haben. Aber so lange wir das nicht haben, wollen wir die Rückkehr ins Ju denthum.' Ab er. vor der Rückkehl" ins Judenland wollen wir die Rückkehr ins Judenthum v und. diese Rückkehr ist nur durch Agitation möglich. (Lebhafter Beifall.) Es ist ferner kritisiert worden über die Wohlthätigkeit. Sie ist ein Uebel für den Geber sowohl als für den Nehmer. Die Wohlthätigkeit. die dahin zugestutzt ist, dass schöne Damen decoltiert im Ballsaaie tanzen, entspricht nicht dem Geiste der Judenheit. Das verachte ich. Wir Zionisten sind alle Brüder und Schwestern, und diese speist mau nicht in der Küche ab, sondern man ladet sie zu Tische, man theilt mit ihnen. Das ist keine Wohlthätigkeit. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Der Hebräer hat -überhaupt für Wohlthat keinen Ausdruck, und er hat nur den Ausdruck Zedoko: Gerechtigkeit, und dieser deckt sich mit dem Ausdruck Wohlthätigkeit. Diese Gerechtigkeit ist die Rückkehr in unsere Geschichte, in unser Heimatland. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Vors. Vicepräsident Dr. Gaster: Ich muss ein paar Worte auf die Rede des Herrn Schach erwidern. Ein Flugblatt für meine Collegen ist nicht nothwendig. Es existiert dafür etwas besseres, und das ist die Bibel. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Es, ist Schluss der Debatte beantragt worden. Ich muss aber noch dem Herrn Dr. Kokesch und Dr. Herzl das Wort geben. Ich bitte nun diejenigen, welche Schluss der Debatte wünschen, die Hand zu erheben. (Geschieht.) Bitte um die Gegenprobe. (Nach einer Pause):