Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 50)
- Language
- German, English, Hebrew
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- 50 — Vors. Vicepr. Dr. Gaster: Bei aller Hochachtung für den Präsidenten möchte ich ihn darauf aufmerksam machen, dass dies nicht zum Gegenstande gehört. Dr. HerzI: Es ist das ein Bericht, den ich verlesen zu müssen geglaubt habe. Es sind also 5000 Juden, die sich an den Congress wandten mit der Bitte, ihre Lage zu berücksichtigen. Inwiefern das möglich ist, können wir hier nicht beurtheilen; ich möchte nur Act gegeben haben, dass es 5000 Juden in Galizien gibt, welche in ihrer Arbeit behindert worden sind, und als Arbeiter sich in einem grossen Nothstande befinden. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen). Vors. Vicepr. Dr. Gaster: Das Wort hat Herr Wolffsohn. Del. Wolffsohn : Geehrte Gesinnungsgenossen! Wir haben alle mit grossem Interesse den Bericht des Herrn Präsidenten gehört und ebenso den jetzigen Herrn Vorsitzenden, der diesen Bericht unterDrechen wollte. Meine Herren! Wo sollte_das hinführen, wenn jeder_DeLegiei'te.j:lie Zoxes mitttt^ih^ Ich möchte mir erlauben, in ^die^eT'Beziehung einen Antrag zu stellen, von dem ich glaube, dass er reichliche Unterstützung finden wird; dass wir nämlich hier über sociale Fragen, über Socialpolitik überhaupt keine Debatte zulassen. (Widerspruch.) Es würde sonst zu Weitläufigkeiten führen und wir würden von dem Thema abkommen. Ich brauche ja diesbezüglich keinen Antrag zu stellen, ich richte nur eine Bitte an den Herrn Vorsitzenden. Vors. Dr. Gaster: Das Wort hat Herr Dr. Mintz. Dr. Mintz : Ich möchte mich gegen den Antrag Wolffsohn mit allem Nachdruck aussprechen. Es ist absolut unzulässig, von vornherein das Gebiet der Discussion derart zu begrenzen, dass die Socialpolitik principiell ausgeschieden wird. Soweit die sozialpolitischen Fragen mit dem Zionismus zusammenhängen — und es ist dies in ganz intensivem Masse der Fall — ist es recht und billig, dass wir auch auf diese Fragen zu sprechen kommen und dass dieselben in unsere Discussion einbezogen werden. (Lebhafter Beifall.) Wenn bei Erledigung und Besprechung dieser Frage nach gewissen Richtungen hin eine gewisse Rücksicht geübt werden muss — und ich wurde aufmerksam gemacht, dass die sehr verehrten Gesinnungsgenossen eine Rücksichtnahme wünschen — so bleibt es dem Tacte eines jeden überlassen, inwieweit er dies thut. Ich würde daher beantragen, über den Antrag Wolffsohn möge zur Tagesordnung übergegangen werden. (Beifall.) Del. Dr. Schauer: Ich glaube, wir werden uns leicht verständigen. Herr Wolffsohn spricht von Socialpolitik. Das Wort ist vielleicht nicht richtig gewählt, denn Socialpolitik ist ja alles, was wir hier betreiben, aber es sind von gewisser Seite Bedenken geäussert worden, die ich in vollem Masse theile und zu würdigen weiss, dass nämlich bei Besprechung über Socialpolitik vielleicht der Congress nach einer bestimmten Richtung oder Seite hin engagiert werden soll, dass das, was als die Privatäusserung einzelner hier erscheint, der Aussenwelt vielleicht als die Meinung des Kongresses - erscheint und das soll um jeden Preis vermieden werden, weil wir als Congress uns "an bestimmte sociale Richtungen nicht binden können und wollen im Interesse des Zionismus. . DeL Dr. Kohan-Bernstein: Wenn man über diese Frage zur Tagesordnung übergehen soll, und jedem die Freiheit lässt, dass er nach seinem Gutdünken weitersprechen soll . . . wird also über den Antrag Wolffsohn zur Tagesordnung übergegangen oder nicht? Bitte um Beantwortung dieser Frage. (Rufe: Abstimmen lassen!)