Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 49)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3476254-3476258--0599-3476733- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 49 — bracht, aber es ist diesen Leuten, die arbeiten wollen und zwar in einer Form arbeiten wollen, die man den Juden gewöhnlich nicht zutraut, mit Spenden nicht geholfen. Ich glaube, dass es in jeder Beziehung lehrreich und nothwendig ist, den' Schmerzensruf und die Klagen dieser Leute zur Kenntnis einer grösseren Oeffentlicbkeit zu bringen. Sie theilen in einem Briete, von dem ich Ihnen nur einen Auszug geben will, mit, dass durch die neuen Bergpolizeivorschriften die Existenz von 5000 Juden in Boryslav in Galizien mit einem Schlage vernichtet worden ist. Sie haben in Boryslav unseren Gegnern den eclatanten Beweis zu erbringen versucht, dass sie selbst auf dem Gebiete der schwierigsten und gefahrvollsten Arbeit, wie in einem Bergwerke überhaupt und in Boryslav insbesondere, bereit sind, in ehrlichem Wettbewerb keine Mühe zu scheuen. Nun ist es ihnen durch die neue Situation, die geschaffen worden ist, unmöglich geworden, ihre Arbeitslust zu bethätigen. Sie weisen darauf hin, dass sie in einem Dörfchen, welches noch im Jahre 1854 kaum 80 Bauernfamilien bewohnten, heute 10.000 Seelen existieren, dass ein industrieller Flecken geworden ist, in dem eminentesten Sinne des Wortes. Die Juden haben da das Petroleum entdeckt, haben als erste begonnen es zu verwerten, legten Gruben an, bauten Fabriken, entdeckten im Jahre 1862 Erdwachs, giengen nach London, um von den Chemikern die Technik kennen zu lernen und lieferten Naphta und Wachs in grossem Massstabe. Von allen Seiten Galiziens zogen Arbeitslustige nach Boryslav, um Brod zu suchen. Die Juden griffen zur physischen Arbeit und bemühten sich bitter und schwer. Es ergieng ihnen aber, wie es bei Zufallsunternehmungen zu sein pflegt, und das Ergebnis war unsicher. Dennoch arbeiteten sie unermüdlich. Im Jahre 1881 nahm die Lage eine Wendung. Die galizische Greditbank kaufte Complexe an, legte Gruben an, benützte anfangs die Juden, um sie später, nachdem sie stark geworden war, zu verdrängen. Es wurden jetzt nur noch oder zum grössten Theile nichtjüdische Arbeiter verwendet. Bei der Verpachtung werden den Juden die ungünstigsten Bedingungen gemacht. Im Jahre 1891 kam die Compagnie commerceille francaise nach Boryslav und kaufte in einer für die Juden schlimmen Lage um ein Spottgeld den grössten Theil Boryslavs und nun duldet sie keine jüdischen Subunternehmer. So geht es weiter. Die armen Leute erzählen, die Situation, in der sie sich befinden, das Elend, ist fürchterlich. Die kleinen Bergwerke, welche die Juden betrieben haben, werden von Tag zu Tag eingestellt, die Arbeitsnoth nimmt zu und auch viele christliche Arbeiter gehen arbeitslos herum und suchen den Grund der Arbeitslosigkeit bei den Juden und drohen ihnen mit dem Tode. Es kommt auch zu Gonflicten . . . 4