Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 27)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3476254-3476258--0577-3476711- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 27 — (Lebhafter, andauernder Beifall und Händeklatschen.) Die Zionisten sind keine Partei, sie sind das Judenthum selbst. (Lebhafter, andauernder Beifall und Händeklatsehen.) Ihre Zahl, ihre heutige Zahl, thut nichts zur Sache. Der Same der gewaltigsten Linde ist ein ganz kleines Gebilde, aber er ist die Zusammenfassung der ganzen Lebenskraft des Baumes, das Ziel aller seiner organischen Anstrengungen. Die Linde lebt in ihrem Samen, nicht in ihrer Holz- und Bastmasse weiter. Alles, was im Judenthum lebendig ist, was ein jüdisches Ideal, was Manneswürde, w^as Entwicklungsfreudigkeit hat das ist zionistisch. (Lebhafter, andauernder Beifall und Händeklatschen.) Was sich dagegen in der Sklaverei wohlfühlt, was in der Verachtung sühlt, oder was auf einen nahen natürlichen Tod des Judenthums hofft, das steht gleichgiltig beiseite oder kämpft grimmig gegen uns. (Lebhafter andauernder Beifall und Händeklatschen.) Mit Anknüpfung an einen bekannten Vers des österreichischen Dichters Grillparzer können die Zionisten rufen: „In unserm Lager ist Israel! Ihr andern seid einzelne Trümmer." (Tosender minutenlang währender, wiederholt sich erneuernder Beifall und Händeklatschen seitens der Delegierten und auf der Gallerie. Redner wird von allen Seiten beglückwünscht.) Vors. Dr. Herzl: Es sind mehrere Anträge überreicht worden. Del. Jasinowski (Warschau): Nach den eben vernommenen Worten, die in uns das Gefühl besonderer Freude erweckt haben, sind wir nicht imstande, uns noch mit etwas zu beschäftigen und beantrage ich daher den Schluss der Sitzung. Vors. Präs. Dr. Herzl: Ich glaube, wir können noch vor Schluss der Sitzung die Wahlen vornehmen und können die Mittagspause zum Scrutinium verwenden. Wir werden dann in der Tagesordnung nicht weitergehen, sondern die Stimmzettel den Scrutatoren überweisen. Ich muss vorher noch einige überreichte Anträge dem Congresse vorlegen, und zwar zunächst den Antrag, class die Rede des Herrn Dr. Nordau und auch meine Rede in Druck gelegt und zu Agitationszwecken unentgeltlich verbreitet (Beifall) und in die verschiedenen Sprachen übersetzt werde. (Beifall.) Meine Herren! Ich habe mich schon im Vorjahre aus Anlass eines ähnlichen Antrages dagegen ausgesprochen und erlaube mir, dasselbe auch heuer zu thun im Einverständnisse mit Herrn Dr, Norclau. Es wäre vielleicht eine ungerechte Bevorzugung dieser ersten Reden, wenn sie eine separate Drucklegung erfahren würden. Wir wollen ja möglichst nüchtern und ohne Federbüsche unsere Arbeit thun. Ich würde auch einen Nachtheil für unsere Congressverhandlungen darin sehen, weil ja sehr viel thatsächliches Material kommen wird und da es uns in erster Richtung darum zu thun sein muss, Klarheit zu verbreiten über unsere Bestrebungen, wäre es unnützlich, dass bloss allgemeine Reden veröffentlicht und das Publicum der Verpflichtung enthoben werde, das, was in Ziffern, Daten und Thatsachen vorgebracht wird, zu studieren. Wenn Sie glauben, dass diese Reden eine gewisse Tragkraft haben, dann sollen sie zustatten kommen der thatsächlichen Arbeit, die von so vielen Mitarbeitern mit so grosser Aufopferung geleistet worden ist. Ich haite das für eine grössere That, als wenn man uns an die Mauer anschlagen würde, umsomehr, als dieses Jahr Vorkehrungen ge-