Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 26)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 26 — That bedeutungslos gewordenen Hoffnungs- und Verheissungsruf: „Im nächsten Jahre zu Jerusalem!" aus dem Gebetbuche. Dort protestieren die Rabbiner gegen den Zionismus als gegen eine von der jüdischen Religion verbotene Neuerung. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ein von mir hochgeschätzter jüdischer Gescliichtschreiber, der im Auftrag eines jüdischen Vereines ein Jahrbuch der jüdischen Geschichte verfasst, bringt es fertig, die Geschichte der Juden im Jahre 1897 zu schreiben und des ersten zionistischen Gongresses zu Basel nicht mit einer Silbe Erwähnung zu thun. Ein anderer Jude hat die Stirne, von uns zu behaupten^ wir hätten im vergangenen Jahre auf unserm Congress gewinselt,, wir wollten feige die Flucht vor unsern Verfolgern ergreifen, während er, der Held, zu den hageldicht auf ihn niederklatschenden Maulschellen tapfer seine Backe hinreicht und den Fusstritten der antisemitischen Regierungen und Völker muthig seine Kehrseite darbietet. (Lebhafte Heiterkeit, Beifall und Händeklatschen.) Diese Erscheinungen sind schmerzlich, aber sie sind natürlich und sie sollen uns nicht anfechten. Wir sind eine so uralte Gesellschaft, dass in unserer vieltausendjährigen Geschichte alles schon dagewesen ist. Neues kann sich bei uns eigentlich gar. nicht mehr zutragen. Als Moses sein Volk aus der ägyptischen Knechtschaft befreien wollte, da waren es zuerst Juden, die sich wider ihn empörten und ihm drohten, sie würden ihn den ägyptischen Behörden anzeigen. (Lebhafte Heiterkeit, Beifall und Händeklatschen.) Als Esra und Nehemia nach Zion heimkehrten, da blieben die reichen, die gebildeten Juden, die Schaletliebhaber und Heineleser jener Zeit, in Babylon (Lebhafte Heiterkeit, Beifall und Händeklatschen) und Hessen die hirnverbrannten Schwärmer, die wieder ein Volk sein wollten mit Hohn und wahrscheinlich mit Herzenserleichterung ziehen. Es wird auch jetzt nicht anders sein. Sei es denn so. Die Schar des Esra und Nehemia war eine kleine Minderheit unter den damaligen Juden, wir alle aber sind die Nachkommen jener Minderheit, (Lebhafter, andauernder Beifall und Händeklatschen) die grosse Mehrheit dagegen hat sich im Völkermeer Vorderasiens spurlos aufgelöst. Auch die Zionisten sind vielleicht noch eine Minderheit unter den heutigen Juden. Aber aus ihnen heraus wird das Judenthum sich verjüngen, durch sie wird es weiterleben und in eine ferne Zukunft hinübergerettet werden. (Lebhafter, andauernder Beifall und Händeklatschen.) Die jüdischen Gegner des Zionismus aber, und wären sie heute noch so zahlreich, sind bestimmt, als Juden zu verschwinden. Wahrscheinlich ist dies ihr geheimer Herzenswunsch. Er wird sicher erfüllt werden. (Lebhafter, andauernder Beifall und Händeklatschen.) Darum ist es unzulässig, dass man von einer zionistischen Partei im Judenthum spricht. (Lebhafter, andauernder Beifall und Händeklatschen.) Wir weisen diese Bezeichnung mit Spott und Verachtung zurück.