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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1898-01-01 · 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898 · p. Seite 23

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
Date
1898-01-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 23 — uns verwirren und den Zaghaften eine fertige Ausrede liefern, sieh vor der nothwendigen Anstrengung zu verkriechen. Das Judenthum würde wissen, wer wirklieh an der Heilung oder mindestens an der Besserung seiner tausendjährigen Leiden arbeitet, dass Ihr aber pflichtvergessene Scheinärzte seid, die sich damit begnügen, einen Schlaftrunk zu reichen, damit die Schmerzensschreie aus der Krankenstube ihre Nachtruhe nicht stören. (Lebhafter Beilall und Händeklatschen.) Diese Behandlungsweise mag ihre Berechtigung bei einem Sterbenden haben, der doch nicht zu retten ist und dem man mindestens die Qualen des Todeskampfes erleichtern will. Wir jedoch geben das Judenthum durchaus nicht auf. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wir glauben an seine Lebenskraft und hoffen es wieder in blühender Gesundheit einherwandeln zu sehen. Bei einem solchen Kranken aber ist eine Therapie der Betäubung, die das Ende beschleunigt, ein Verbrechen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Diese Darstellung der Lage des Judenthums w^äre äusserst einseitig und unvollständig, wenn sie sich darauf beschränken würde, zu zeigen, wie die verschiedenen Völker sich zu unseren in ihrer Mitte wohnenden Brüdern stellen. Ebenso wichtig wie das Verhältnis der Völker zu den Juden, nach meiner Empfindung sogar wichtiger, ist die innere Verfassung des Judenthums, sind die Gedankenströmungen, Gefühlsrichtungen und Strebungen, die innerhalb unseres Stammes zutage treten. Der Anblick ist unerfreulich und könnte Kleinmüthigen allen Glauben an unsere Zukunft rauben. Die erste Wirkung des Zionismus auf das jüdische Volk erweckt in meinem Geiste die Erinnerung an gewisse Anblicke der Natur, die Ihnen allen geläufig sind. Eine Winterlandschaft hat ihre Schönheit. Der Eispanzer der Ströme, die Schneedecke der Gefilde geben ein düsteres Bild von Grabesruhe, von weihevoller Trauerstimmung um den grossen Pan, der todt ist. Die Frühlingslandschaft hat eine andere, fröhlichere Schönheit. Die Wasser murmeln und glitzern, die Felder grünen und blühen, neues Leben waltet und webt überall.. Nun aber der Uebergang von dem einen Bilde zum andern! Die erste Wirkung der Frühlingssonne ist, dass sie die Winterlandschaft zerstört, ohne sie jedoch sofort durch die Frühlingslandschaft ersetzen zu können. Zwischen den beiden liegt ein hässlicher Zwischenraum, der unleidlich wäre, wenn die Gewissheit, dass er zu neuer Schönheit hinüberleitet, seine Hässlichkeit nicht erträglich machen würde. Die blanke Eisdecke der Ströme zerbröckelt in einen grauen, lehmbeschmutzten Eisbrei, das reine, glatte Schneelaken schmilzt und lässt bodenlosen Schlamm zurück, eine Weile scheint die Landschaft eine einzige Kothpfütze, bis sie sich allmählich mit glorreichem Grün überzieht und mit den bunten Farben der Blumen schmückt.

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