Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 21 — allen Ländern Europas, in unseren Tagen die überall gehetzten und geächteten Anarchisten gastlich aufgenommen hat, dieses heilige Asyl der Menschheit versehliesst sich mit einemmale vor einer Gruppe Menschen: vor Juden. Man sucht diese allen englischen Ueberlieferungen hohnsprechende Grausamkeit mit Gründen zu beschönigen. Die fremden Juden sollen der englischen Armenpflege zur Last fallen. Sie sollen englischen Arbeitern ihr Brot nehmen. Diese beiden Gründe widersprechen einander und schliessen einander aus. Sind die Juden Bettler, so nehmen sie englischen Arbeitern nicht ihr Brot. Arbeiten sie dagegen so erfolgreich, dass sie englischen Arbeitern ihr Brot nehmen, so sind sie keine Bettler und können der Armenpflege nicht zur Last fallen. (Lebhafter andauernder Beifall und Händeklatschen.) Es ist übrigens nachgewiesen worden, dass beide Gründe blosse Vonvände sind. Die fremden Juden, die in England landen, sind keine Bettler, sondern fleissige, strebsame Arbeiter, die sich selbst erhalten und häufig in verhältnismässig gute Verhältnisse aufsteigen. Diejenigen unter ihnen, die zeitweilig der Unterstützung bedürfen, empfangen •diese von ihren Stammgenossen und werden den christlichen Engländern nicht über das Mass hinaus lästig, wozu ihr Antheii an der Armensteuer sie berechtigt. Sie nehmen auch den englischen Arbeitern nicht ihr Brot, sondern schaffen neue Gewerbe, die früher in England nicht heimisch waren, und vermehren den Wohlstand des Landes. Das Gesetz gegen die mittellosen Ausländer ist also auch wieder nichts anderes als ein Symptom von larviertem Antisemitismus. Selbst die Vereinigten Staaten sind von dieser Krankheit nicht frei geblieben. Das Gesetz, das öffentliche Leben, kennen allerdings keinen Judenhass. Wohl aber züchtet ihn die Gesellschaft, und die Zahl der Gasthöfe und Erziehungsanstalten, die ausdrücklich den Juden die Aufnahme verweigern, ist ansehnlich und zeigt eine Neigung zu beständiger Zunahme. Das ist also die Lage. In den Ländern des Ostens, die sich eben erst aus der Barbarei entrungen haben oder entringen, hasst omcl verfolgt man die Juden ohne Beschönigung; in den Ländern des Westens, die an der Spitze der Gesittung einherschreiten, hasst und verfolgt man die Juden unter heuchlerischen Vorwänden, überall aber, im Osten wie im Westen, hasst und verfolgt man die Juden. Damit man uns nicht des Undankes zeihe, wollen wir ausdrücklich die wenigen Länder Europas anführen, wo die Juden nicht zu klagen haben. In Holland, Belgien, Italien, in den skandinavischen Staaten, in der freien Schweiz, (Lebhafter andauernder Beifall und Händeklatschen) deren köstliche Luft uns heute die Brust weitet, deren mannhafte Söhne, wie vorhin schon unser Vorsitzender Dr. Herzl dankbar erwähnte, uns vorgestern Abend hier durch brüderliche Zurufe geehrt haben, die uns bis an den