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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1898-01-01 · 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898 · p. Seite 20

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
Date
1898-01-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 20 — Dreyfus zu einem entsetzlich genauen Masse des Grades geworden, den unsere Schwäche, Zaghaftigkeit, Stumpfheit und gegenseitige Entfremdung erreicht haben. Nach dem, was ich auseinandergesetzt habe, wird hoffentlich niemand mehr die Lüge wiederholen, in Frankreich sei der Antisemitismus ausgebrochen, weil die Juden für Dreyfus eingetreten sind. Die Wahrheit ist, dass die Juden eben nicht für Dreyfus eingetreten sind, sondern dass Christen dies gethan haben; dass die Juden, zwei oder drei tapfere Männer ausgenommen, keinen Finger zur Nothwehr rührten, obschon der Fall als Mordwaffe gegen ihre Ehre verwendet wurde. Der französische Antisemitismus ist nicht die Folge des Falles Dreyfus, sondern dessen Ursache. Wäre der Antisemitismus nicht das Vorbestehende gewesen, so hätte höchst wahrscheinlich der Verdacht des Landesverrathes niemals Dreyfus getroffen und jedenfalls wäre weder die ihm zur Last gelegte Schuld zu einer constitutionellen Schuld aller Juden verallgemeinert worden, noch hätte das Bestreben, eine Wiederaufnahme des Verfahrens herbeizuführen, so wüthende Volksleidenschaften erregt. Der Fall Dreyfus hat einen Schleier weggezogen und verheimlicht gewesene Gesinnungen enthüllt. Er richtet sich als eine Mahnung und Lehre an diejenigen Juden auf, die durchaus noch immer an ihre endgiltige, vorbehaltlose Aufnahme in die Volksgemeinschaft wenigstens der vorgeschrittensten Staaten des Westens glauben wollen. Das gibt ihm Bedeutung in der Geschichte des Judenthums und sogar den ernsten erziehlichen Wert einer Warnung, Aufklärung und Strafe, einen Wert, der es uns möglich macht, mit unserem unausrottbaren jüdischen Optimismus sogar angesichts des Falles Dreyfus auszurufen: „Garn su letoba! Auch das ist zum Guten!" (Lebhafter andauernder Beifall und Händeklatschen.) Frankreich ist nicht das einzige Land der Freiheit und Aufklärung, wo das alte Gespenst des Judenhasses im vollen Tageslichte der vorgeschrittensten Gesittung umgeht. In England, das ich noch im vergangenen Jahre begeistert pries, hat die Regierung bereits die Zustimmung des Hauses der Lords zu einem Gesetzentwurf erlangt, der den mittellosen Ausländern den Einlass in das Land versagt. „Mittellose Ausländer" ist das ehrbare Feigenblatt auf das Wort „Jude", (Lebhafter andauernder Beifall und Händeklatschen) das die englischen Staatsmänner in ihrer Schamhaftigkeit gebildeter Söhne des neunzehnten Jahrhunderts zu nackt fanden. Das England, das immer seinen Stolz darein gesetzt hat? die Zufluchtsstätte aller Verfolgten, die natürliche Heimat aller Heimatlosen zu sein, das in früheren Jahrhunderten Vlamen und Hugenotten, unter Gromwell die von Manasse ben Israel geführten Sephardim, unter Georg III. die französischen Emigranten, zur Zeit der heiligen Allianz Mazzini, nach 1848 die Flüchtlinge aus

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