Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 10 — vielleicht manchem von uns lieiss in die Augen gequollen. Man kann in einem solchen Momente die Fassung verlieren, die man unter Bedrückungen aller Art, unter den ungerechtesten Anklagen zu bewahren gelernt hat. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ist in diesem Hufe von Basel schon der Anfang freundlicherer Zeiten? Das können wir nicht wissen. Aber wir können uns vornehmen, solcher Zurufe würdig zu werden. (Lebhafter, andauernder Beifall und Händeklatschen.) Wir waren standhaft in den schlimmsten Tagen, seien wir dankbar und demüthig, wenn einmal bessere Tage kommen sollten. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Und wie müssen wir uns diese besseren Tage vorstellen, die heute noch jenseits unseres Gesichtskreises liegen? Ist ihr Inhalt erschöpft in Landbesitz, vermehrtem Ansehen, ungetrübter Ruhe? Nein! Gerade diejenigen unter uns, die heute ihre ganze Person daranzusetzen bereit sind, würden bedauern, auch nur einen Schritt dafür gemacht zu haben, wenn es nur gelänge, eine neue Gesellschaft einzurichten und nicht auch eine gerechtere. (Lebhafter, andauernder Beifall und Händeklatschen.) Bessere Tage für uns, aber auch für die anderen, als deren opferbereite Pionniere wir wieder einmal hinausziehen möchten auf ungebahnten Wegen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wir brauchen dazu keinen höheren, keinen fabelhafteren Stand -der Cultur, als es schon der jetzige ist. Nur benützt sollen die Culturmittel werden, und zwar für die Menschlichkeit. (Lebhafter, andauernder Beifall und Händeklatschen.) Und wir glauben, dass unser Volk das verstehen wird, weil es durch so viele Schulen gegangen ist, unter so vielen Völkern gewohnt, und bei allen gelitten hat, aber auch die Leiden aller kennt. (Lebhafter, andauernder Beifall und Händeklatschen.) Uns erscheint als ein Bild besserer Tage eine Zusammenkunft von Menschen aller Culturen, wie sie heute dieser Saal darbietet; (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) eine Gemeinbürgschaft, welche nicht in einer einzigen Sprache begrenzt ist; ein beständiger Versuch, dem Elend durch einträchtiges Zusammenwirken beizukommen (Lebhafter Beifall und Händeklatschen) — und aus alledem erwachsend eine höhere Art der Gesittung. (Lebhafter andauernder Beifall und Händeklatschen.) Und unsere Anpassungsversuche, deren Misslingen uns wieder zusammenführte, werden uns dann doch noch zum Segen gereichen. Die Tüchtigkeit der G ermanen, die Beweglichkeit der Eomanen, die grosse Geduld der Slaven sind vielleicht nicht ohne Spur an uns vorübergegangen ♦ ♦ . Sieht man endlich, was wir meinen? Jüdische Künstler, Philosophen und Gelehrte aus allen Ländern auf dem Boden der Arbeit und in einer duldsamen Gesellschaft vereinigt! (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Jawohl, wir streben nach unserem alten Land. Aber in dem alten Lande wünschen wir nur eine neue Blüte für den jüdischen Geist." (Tosender, durch