Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 9 — .Die Frage ist nun, wie das weiter zu bewerkstelligen sei. Wir haben schon auf dem ersten Congresse die Nothwenüigkeit erkannt, ein finanzielles Instrument für die Zwecke unserer Bewegung zu schaffen. Das soll die jüdische Colonialbank sein. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Es ist ungemein charakteristisch, dass unsere jüdischen Gegner uns durchaus nicht die Fähigkeit zutrauen wollten, ein solches Werk zu Stande zu bringen. Aber in unseren Keinen stehen ja nicht nur Künstler und Philosophen, Gelehrte und Zeitungsschreiber, Advokaten, Aerzte und Techniker, sondern auch eine stattliche Anzahl von Banquiers und Kaufleuten aus aller Herren Länder. Zum erstenmale wurde da bezweifelt, dass Juden eine Bank machen können (Lebhatte Heiterkeit) — und auch diesmal haben sich die Zweifler geirrt. Die jüdische Colonialbank wird binnen kurzem programmgemäss ins Leben treten. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Nach den Ergebnissen der Bankconferenz dürfen wir annehmen, dass die jüdische Colonialbank noch im Laufe dieses Jahres ihre geschäftliche Thätigkeit beginnen wird. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Im übrigen will ich dem Keferate der beauftragten Fachmänner, das Sie hören werden, nicht vorgreifen. Es sollen Ihnen noch mehrere andere Referate vorgelegt werden. Aus allen werden Sie hoffentlich erkennen, dass dieses Jahr nicht unbenützt verstrichen ist, und dass wir in geduldiger und hoffnungvoller Liebe unserem Ziele zustreben. Auch ausserhalb dieses Saales wird man einsehen, dass wir keine hochfahrenden Träume hegen, nichts Thörichtes oder Ungerechtes wollen, sondern nur eine Existenz der Arbeit für unser armes Volk, weil wir einzig und allein von der gesicherten Arbeit seine sittliche und körperliche Hebung erwarten. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Darum, darum haben wir es zunächst unternommen, unser Volk unter einem Ideal zu versammeln. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Das kann auch den ilngehörigen anderer Nationen nicht missfalle'n. Und in dieser freien Stadt, die uns Gastfreundschaft gewährt, erhielten wir dafür einen ersten Beweis. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Vorgestern, am Sanct Jacobstage, kamen abends die Scharen vom Feste zurück. Man konnte an die schöne Geschichte vom Fähnlein der sieben Aufrechten denken, von Gottfried Keller, dem herrlichen Schweizer Dichter. Lauter Fähnlein aufrechter Leute, die im gesunden Leib einen männlichen Sinn pflegen wollen. An unserem Congresshause zogen sie vorüber. Da schwenkte eine unserer verehrten Damen grüssend ihr Tuch, und das w~ar das Zeichen zu einer Kundgebung, die wir wohl niemals vergessen werden. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Die Fähnlein grüssten im Vorbei- \ gehen unsere Leute, die ihnen zujubelten, und von der Strasse \ herauf brauste ein neuer, unerwarteter Ruf: ,.Hoch die Juden! (Lebhafter, andauernder Beifall und Händeklatschen.) Da ist es