Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 7 — kein Culturland ist so westlich gelegen, dass es diese alte Hetze nicht beherbergte; keine Halbcivilisation ist so zurückgeblieben, class sie die neuesten Formen und Schlagworte nicht kennte; (Sehr richtig!) Pöbel rast plötzlich durch die Gassen, und beim Feuerschein wird die jüdische Habe, zuweilen auch deren Inhaber, zerstört. Aber das ist nicht das Aergste. Nicht das Blutvergiessen, nicht die Verwüstungen, nicht die Beschimpfungen sind das Aergste* Diese Unruhen richten einen schweren Schaden an in der misshandelten Seele unseres Volkes. (Lebhaft er Beifall.) Sie untergraben immer wieder das Rechts- und Ehrgefühl, sie machen die Betroffenen zu Feinden einer stiefmütterlichen Gesellschaft, in der solches geschehen kann. Wundern wir uns nicht, wenn die Proletarier unter den Proletariern, von allen Menschen die Verzweifeltsten, bei allen äussersten Umsturzparteien zu finden sind. Wundern wir uns nicht; bemühen wir uns vielmehr eine Besserungherb eizuführen. (Lebhafter Beifall.) Von weiterblickenden Staatsmännern darf vielleicht erwartet werden, dass sie die ganze Gesellschaftsgefahr erkennen, die in der ungelösten Judenfrage liegt. Die Juden seien ein zersetzendes Element, sagt man gewöhnlich. Hüben und drüben taumelt man von Unrecht zu Unrecht. Da wir aber ein aufbauendes Element aus den Juden machen wollen, so müssten uns in guter Logik alle diejenigen unterstützen, die nicht wünschen, dass die Juden alles zersetzen. (Lebhafter Beifall.) Wir sind bereit, die Bauzeit des Judenthums herbeizuführen — alles haben wir dazu in Hülle und Fülle; die Menschen, das Material, die Pläne. Wir brauchen nur noch — den Bauplatz. (Lebhafter Beifall.) Freilich ist der, welcher für uns taugt, ein Bauplatz von besonderer Art. Kein Fleck der Erde ist so begehrt worden wie dieser, und so sehr haben ihn viele Völker gewünscht, dass er unter all dem heissen Verlangen verdorrt ist/ Wir aber glauben, dass dieser verödete Winkel des Morgenlandes nicht nur eine Vergangenheit, sondern auch eine Zukunft hat, gleich uns selbst (Lebhafter, andauernder Beifall und Händeklatschen.) Auf diesem Boden, auf dem jetzt so wenig wächst, sind Ideen für die ganze Menschheit gewachsen. Und gerade darum wird niemand leugnen können, dass eine unverjährbare Beziehung zwischen unserem Volk und diesem Lande besteht. (Lebhafter Beifall.) Wenn es überhaupt legitime Ansprüche auf ein Stück der Erdoberfläche gibt so müssen alle Völker, die an die Bibel glauben, das Recht der Juden anerkennen. (Lebhafter, andauernder Beifall und Händeklatschen.) Sie können es aber auch neidlos und ohne Sorge anerkennen, denn die Juden sind keine politische Macht und werden nie mehr eine politische Macht sein.