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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-12-21 · Heft 31 (21.12.1897) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 31 (21.12.1897)
Date
1897-12-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Nr. 31. Seih '6 Gesterreichisch-ung arische Lantoren-Zeitung. Das ' neugeborene Kind wird in die Wiege gelegt, die anwesende Kinderschaar postirt sich um dieselbe, die stärkeren Knaben, bezw. Mädchen fassen sie stramm an, und der berufene Cultusbeämte sagt den Kindern — bei Knaben den ersten Vers von'jedem der 5 Bücher Moses ans hebräisch, sodann hamaTaeh hagoel 2c. vor, (bei Mädchen nur hamal’ach hagoel) worauf die Kinder die Wiege emporheben und schreien, bezw. kreischen: ״Holegrasch! Das Kind soll heißen, Kopel, Friedrich, Emauuel, Seckel, Hanna, Eva oder dgl.!״ Hierauf folgt allgemeine Beglückwünschung der Eltern mit Nasol tow, die Kinder werden mit allerlei Obst, Nüssen, Mandeln und Backwerk abgefertigt, und die anwesenden Erwachsenen (namentlich' der vorsagende Cultusbeämte) setzen sich an den beladenen Tisch, man bechert, genießt Torte u. dgl. und ist einige Stunden fröhlich und guter Dinge. Hiermit ist die ״Holegrasch" zu Ende. Diese ganze Handlung hat hauptsächlich den Zweck, dem neugeborenen Sprößling einen Sehern ham’chunoh, resp. den Rufna m e n zu geben. Den Sehern hakodesch erhält der Knabe, wie erwähnt, schon bei dem Brilh niiloh, das Mädchen erst durch den Misclieberaeh in der Synagoge. Um nun den Gegensatz zu dem Dis)(שם) zu bilden und zu bekunden, hat man שם) חול) angenommen (haroawdil ben kodeseh le’ehol) und weil bei der Ceremonie jene die Wiege erhebenden Kinder schreien, oder kreischen -׳ (im Mauscheljargon: kraasche 11), so entstand das Wort: חול״ — Kraafch" (oder Geraasch — Geräusch). Die heute eingewurzelte Benennung ״Holegrasch" hat sich einestheils dadurch gebildet, weil kleine Kinder das ח (Cheth) nicht gut aussprechen können, wie auch andertheils im Hebräischen vielfach das ״Cheth" ח mit dem ״He" N vertauscht wird. (S. Schluss aus Sefer kirjas Chaimoli). Uebrigeus wurde durch die Unwissenheit im h e b r. Schriftthume Seitens des größeren Theiles unseres Volkes, wie so manches Andere, auch der Ursprung des חול״ — Kraasch" vergessen. Jin Seien kirjas Oharnioh ist Seite 30 Folgendes zu lesen: הבה השם הזה לא מצאנו בשום ספר שמות ושום מצוי במדינות זו לכן ב׳ל שהו נגזר מז השם חוה ויש קודאין אותה הרה כמו אשכנזי רבים קודאין לחית כמו הא במו לשם חיים־היים ולחנה־הנה חולררייש־הולקדייש והוא נשמך מקריא׳ החית שהוא כבד ומי שלא למדו מנעריו אינו יוכל לזכרו כמו האומות וכר. Ferner ist eine Abhandlung über חולקרייש in Jaussef Äiimez Seite 212 zu finden, wie noch in anderen Sforim. ״W aats vor der Nacht״ ist furchtbar corrumpirt und entstellt. Ein Jeder kennt zwar die ״Waatsnacht" (Manche sagen sogar ״W eiznach t") und weiß, dass es bei der Wöchnerin dieNacht vor dem B r i t h m i 1 o h ist, aber die Bedeutung und den Sinn weiß selten einer. Diese merkwürdige Nacht scheint auf Aberglauben begründet zu sein. Man war nämlich, und ist ja theilweise unter den Orthodoxen noch heute, der festen Meinung, dass sich bei einer Wöchnerin alle bösen Geister aufhalten und oftmals den fürchterlichsten Spuk treiben. Aus diesem Grunde werden sogenannte שמות — Blätter i (gedruckte Zettel) mit ihren Tractätchcn, welche die Gespenster und Teufel auszutreiben vermögen, in dem Zimmer der Wöchnerin aufgehängt und auch auf den Wänden ein Kreis gezogen, über welchen die S’ehedim nicht hinwegspazieren können.*) Die schreckliche Nacht jedoch ist jene vor dein Brith milok, in welcher die Gespenster ganz besonders ihr Unwesen zu treiben pflegen. D'rum: ״W a h rt ’ s (das Knäblein) vor der (dieser) *)AH werde hier unwillkürlich an Mephisto erinnert, wenn er sagt:׳ ״Gesteh' ich's nur! dass ich Hinausspazirre, Verbietet mir ein kleines Hindernis 11. s. m." ‘ . - Nacht!" — Wahret das Kind vor der Nacht des Unheils und Verderbens, auf dass es glücklich in den Bund seiner Väter gelange! — Dies der richtige Sinn. Aus diesem ״Wahrt's" ist schließlich ״Waats" entstanden, und hiermit war natürlich der Sinnverloren gegangen. In vielen Gegenden besteht auch deshalb die pietätvolle Sitte, dass am Vorabend des Brith miloh (der Wahrtsnacht) ziemlich spät der Nohel sich vor das Bett der Wöchnerin begibt und andächtig, aber mit erhobener Stimme das krias seherua rezitirt, was immerhin dem traditionellen Brauch einige Weihe verleiht. Hiermit hoffe ich, Ihre Fragen erschöpfend benantwortet zu haben. Ich schließe deshalb und bitte Sie, den Ausdruck der vorzüglichen Hochachtung zu genehmigen, von Ew. Hochwöhlgeboren ganz ergebenstem M. Rose uh a np t. III. Schönefeld b. Leipzig 21. Mai 1897. Sehr 'geehrter Herr! Ich danke Ihnen aufs Herzlichste für Ihren gütig ansjährlichen Brief. In Bezug auf ״II01egra8eh" bin ich jetzt eines Besseren belehrt worden, und Ihre Deutung scheint mir zweifellos richtig. Zn ״Waats vor der Nacht" möchte ich Ihnen die schöne Sitte mittheilen, die bei uns (Provinz Posen) in meiner Jugend noch bestanden hat; es gab damals noch keine öffentliche Schule, sondern mehrere Melamdim haben für verschiedene Stufen Privatschulen (Cheder) gehalten. Am Vorabend des Brith kam nun ein Melamed mit seinem ganzen Cheder (zwei zu zwei, )wie Cadetten) am Hause der Wöchnerin aufgerückt; der Lehrer und die Spitze der Colonne betraten die Wochenstube und begannen das Schema, dann trat er hinaus, und die ganze kleine Gesellschaft betete das bekannte Nachtgebet und wurde dann mit kleinen Kuchen oder Barchus regalirt. Sehr interessant war mir Ihr ganzer Aufsatz über׳ die ״Jüd. Melodien". — insbesondere auch der heute angekommene Schluss desselben. Wenn wir einmal, meine Frau und ich, durch Nürnberg kommen, suchen wir Sie, so Gott, will, bestimmt auf, und Sie müssen dann die Güte haben, uns Einiges durch den Gesang zu demonstriren. Insbesondere den Unterschied des polnischen und deutschen Chasonus. Wie sehr auch meine Frau sich für die Dinge iiitei effirt, werden Sie sich leicht denken, wenn Sie ihre ״Culturstudien über das Juden- 1hum" kennen. Falls Sie es noch nicht kennen, bemerke ich, dass es Erläuterungen über die Gebete und den Gottesdienst der Inden vom ganzen Jahr, vielfach mit historischen Notizen durchflochten, enthält. Der frühere Name meiner Frau, der also auch auf dem Titel der ״Culturstudien" sich befindet, ist: Nahida Remy. Inzwischen begrüßen wir beide Sie mit wiederholtem innigen Dank! Hochachtungsvoll g a , Q r u Z Auf meinen hierauf folgenden, aber belanglosen Brief, welchem der III. Theil meines Werkes ״ Schire Ohel - JacobK beigefügt war, erhielt ich nachstehendes Schreiben: IV. S ch ö n efe l d b. Leipzig, 9. Juni 1897. Sehr geehrter He'rr! יל ־) : Durch Unwohlsein einige Tage verhindert, komme ich erst heute hazu, Ihre gefällige Zuschrift vom 26. v. Monates zu beantworten. Vor:Allem danke ich Ihnen herzlich für t)ie'‘gfttige

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