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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-12-21 · Heft 31 (21.12.1897) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 31 (21.12.1897)
Date
1897-12-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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31. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 5. Die Nummern 13, 14, 19 und 22 sind irrthümlich mit E-dur vorgezeichnet, ruhen aber vielmehr ganz unzweideutig auf der Eis- Basis der disobtabaob-Skala Eis, 0-, Ais, H, Cis, D, E, Eis. Die ersten Takte mit den leitereigenen Tönen bewegen sich auch in diesem Ambitus, doch das Vorzeichnungsphautom (vier Kreuze) zwingt den aschkenasischeu Chasen, (ein polnischer Chasen würde das nicht unternehmen) stets an E-dnr zu denken. Nun sehe man sich einmal den gewaltsamen Ruck zwischen der stil- und stimmungsvollen Musikillustration des umaawir jom nmewi lojloli und dem wie bei den Haaren herbeigezogenen, grellen und harten musikalischen!Übergang bei umawdil ben jom rc. an; allein selbst der Gewaltakt durch das weiter auftretende leiterfremde G-is schlägt die Eis-Basis nicht aus dem Felde; denn der Sänger fühlt sich veranlasst, bei adonoj zewoos sch’mo doch wieder zur I'is-Basis zurückzukehren, und erst ein zweiter Gewaltakt bei El drängt, wie mit der Axt zugehauen, nach E-dnr. Doch täuschen wir uns nicht absichtlich, selbst der Phrasenschluss bei hamaarrw arowim und selbst Vas abzuschließen berufene Chor-Amen Eis-E klingt wie ein Halbschluss und drängt wieder zur Eis-Basis. Der polnische Chasen hält sich strenge an der offenkundigen Eis-Basis mit den lenereigenen Tönen Eis, G-, Ais, H, Cis, D, E, Eis und würde es als Stilveruichtung. erachte!!, ewig an der Skala zu rütteln, während der aschkenasische Chasen zwar streng in derdisobtabaob-form auf der Eis- Basis mit den Tönen Eis, G-, Ais, H, Cis, D, E beginnt, jedoch in dem bedauerlichen Moderuisirungswahne stets zu Answeichungen geneigt ist. auf Kosten des Stiles, auf Kosten des Gesetzes. Also beide haben einen Ausgangspunkt, doch wer ist es, der von der vorgeschriebenen Bahn abirrt? Wer von den Beiden hat nun vergessen oder verändert? Wie nun offenkundig nachgewiesen, besitzt das Chasonns ״Aschkenas" und ״Polen" die gleichen musikalischen Bedingungen, d. h. sie sind auf der Basis der Mögen owans, Adonoj moloch und disobtabaob-Steigerskala anfgebant, wir müssen aber, in Anbetracht dessen", dass die beiden erstgenannten Skalen auch bei anderen Nationen des Alterthums (Griechen und Araber) gekannt waren, auf ihre jüdische Ausschließlichkeit verzichten. Die letztgenannte disobtabaob-Skala jedoch mit ihren Halbtönen von der 1. bis 2. und 5. bis 6. Stufe und mit dem übermäßigen Intervall von der 2. bis 3. Stufe ist bei keinem Volke der Welt, nur im Judenthume anzutreffen und muß daher als eine ausschließlich jüdische — und nimmermehr als eine slavische, weinerliche Skala begrüßt werden. Unter der Macht dieses Jntervallenverhältnißes schrieben die be- ,deutendsten modernen Müsikcomponisten, wenn sie jüdische Vorwände vertonen wollten '— vielleicht bewusst, vielleicht auch unbewusst — ihre Noten nieder (siehe ״Makkabäer" und ,.Königin von Saba"): während in den beiden jetzt modernen slavischen Opern ״Verkaufte Braut" und .,Dalibor" auch nicht das geringste Anlehnen, an dieses Jntervallenverhältnis zu bemerken ist. Also, was berechtigt zu der Annahme des slavischen Stiles beim Chasonns? Nein! Nein! Nicht slavisch sondern spezifisch j ü disch ist dieser Stil, der sich wie ein rother Faden durch unser gemeinsames Chasonus durchzieht und demselben den Glorienschein des Ausschließlichen verleiht. Dass die Herren Aschkenasischeu Collegen immerfort an dem Jntervallenverhältniße rüttelten, um das Chasonus modern zu gestalten, ist bebäuerlich. Bei gewissenhafter Pflege stünden wir heute sicherlich nicht mehr am Beginne," sondern innerhalb einer heilsamen und ,ehrenvollen Entwicklungsperiode des synagogalen Gefangsstiles. Doch vertrauen wir alle darauf, dass die Wahrheit zum. Durchbruche gelangen und das Wahngebilde von der ״jüdischen Melodie" und einer möglichst großen Sammlung derselben schwinden und unserem jüdischen Musikstile den Platz räumen wird; denn es gibt keine ״jüdische Melodie", es gibt nur einen ״j ü d i s ch e n Mus ikftil". Altjüdische Gebräuche. In dem vor Kurzent in diesem Blatte reproducirten Aufsatze ״Jüdische Melodien" hat Her Obercantor Rofenhaupt in Nürnberg zweier alter, jüdischer Bräuche ״Holegrasch" und ״Waats vor der Nacht" Erwähnung gethan, die namentlich in Süddeutschland vielfach geübt werden. In Anknüpstmg daran entstand nun zwischen dem Geheimen Regierungsrath Professor Dr. M. Lazarus und Herrn Obercantor Rosenhaupt ein anregender Briefwechsel, der für die Leser dieses Blattes von einigem Interesse sein dürfte und den wir im Nachfolgenden wiedergeben: I. S ch ö n e f e L d bei Leipzig 16. Mai 1897. Verehrter Herr! Darf ich Sie mit der Bitte belästigen, mir gefl. den ganzen Satz oder Spruch, in welchem das Wort ״Holegrasch" vor kommt, die Ceremonie, bei welcher es gesprochen wird, und den Anlass, bei dem diese geübt wird, zu nennen. — Was die hebräischen Buchstaben ״הול״ hier bedeuten sollen, ist mir unerfindlich. Auch etwas über ״Wahrts vor der Nacht" würde ich gerne hören. Mit bestem Dank im Voraus Ihr hochachtungsvoll ergebener Lazarus. II. N ü r n b e r g, 18. Mai 1897. Au Herrn Geheimen Regierungs-Rath Prof. Dr. M. Lazarus in S ch ö n e f e l d bei Leipzig. lieber Ihre gefl. Anfragen beehre ich mich, Ihnen hiermit die gewünschte Auskunft zu geben. Die ״Nolegrasob" oder ״Hölekraaach" besteht als uralter, echt jüdischer Gebrauch in Süddeutschland, Frankreich. Holland re., wie es auch aus mehreren alten Sforim, wovon ich Einiges am Schluffe anführen werde, zu ersehen ist. Bevor ich die Etymologie des Wortes darlege, möchte ich Ew. Hochwohlgeboren den Anlass und den Verlauf der ganzen Ceremonie genau angeben. An jenem Sabbat nämlich, an welchem eine Wöchnerin zum erstenmale nach ihrer Niederkunft den Gottesdienst in der Synagoge wieder besucht (״Ausgang"), der Chasan den שמחים בצאתם singt, der Vater des Kindes zur Torah aufgernfen wird und seiner Frau wie feinem neugebo! eneit Kinde mit dem Lodern kodesch (den ein Knabe bekanntlich schon bei dem Brith Miloh empfängt) einen Miseheberaeh machen lässt, findet. aus diesem Anlass die ״Bolekraasob" zu Hause statt. Nachmittags gegen 2 Uhr — gewöhnlich nach dem Diner — kommt eine Schaar kleiner Kinder aus der Gemeinde bis zum 10. oder 12. Lebensjahre (ist das neugeborene Kind ein Sohn, lauter K n a b e n, isls eine Tochter, lauter Mädchen) in die Wohnung, wo die Ceremonie stattfindet. Alle Kinder strahlen vor Freude, wenn sie die gefüllten Körbe mit Früchten und Backwerk allerlei Art erblicken, die ihnen später verabreicht werden sollen, und erwarten mit Sehnsucht den Lehrer, Cantor oder Rabbiner, welcher der Handlung die Weihe zu geben hat. Letztere geschieht wie folgt:

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