Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 31 (21.12.1897)
- Date
- 1897-12-21
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. MM. den ״Frauenhort^- und verschiedene Frauenvereine in/ben einzelnen. Bezirken, die alle ersprießlich und segensreich wMen. Ich betone nochmals, dass dem Vorstande ganz ferne liegt/ mit'der Action, welche.eingeleitet werden soll, die Thätigkeit der Vereine irgendwie unterbinden zu,wollen. Der Vorstand ist im Gegentheil bereit, die Zwecke der.Vereine fördern zu Helsen. Ein Beweis dafür ist, dass׳ wir in unseren .Gotteshäusern mit Vergnügen. die Spenden entgegennehmen, welche für diese Vereine gegeben werden. Wir besitzen aber nicht nur Frauenvereine, wir haben in unserem Wien auch Mannervereine, wie die altehrwürdige Chewra-Kadischa und unsere Armenanstalt, Institutionen, deren Leitung zu allen Zeiten hervorragende Männer der Gemeinde sich gewidmet haben und noch widmen: wir haben ferner den mnstergiltig wirkenden Waisenverein — es würde die Zeit nicht ausreichen, wenn ich sie alle,׳ die fast unzählbaren Chewras und Vereine .nennen wollte." ...... ..,r, Der. Redner weist rveiters. aus das, Dirken der _ Wolthätigkeitssection der Cultusgemeinde hin, die unter der Leitung' des Herrn " "Ritter" von Goldschmidt steht,. und schließt mit folgendemWorten: ״Ich kann also sagen, dass das, was in Wien in Sache der jüdischen Armenpflege bisher geschah und geschieht, Außerordentliches ist, und trotzdem, verehrte Anwesende, werden Sie mit mir übereinstimmen, und das istder Zweck dieser. Zusammentretung, dass alles das nicht ansreicht, dass alles das nicht dem hohen Maße des Elends begegnen kann, welches sichin Wien-zusammeugefnnden hat:, Wir leiden unter den traurigen.> Zeitverhältnißen, wie nicht minder unter 'dem, außerordentlichen- ' Zuzug' aus - den Provinzen; - selbst das Großwien hat die Lage/ erschwert. Niemand von uns "kann sich der Erkenntnis verschließe^ , dass dre Mittel, welche bisher vorhanden sindals unzulänglichbezeichnet werden-müssen, dass aber auch .in vielen Fällen die Art der Verwendung dieser Mittel.nicht-richtig sein mag . Vereint mit Ihnen, verehrte Anwesende, vereint mit..den bestehenden Vereinen und bewährten Persönlichkeiten,, welche an den Vorstand, wiederholt -in dieser Angelegenheit herangetreten sind, , wollen. wir nun die hochwichtige Angelegenheit berathen und behandeln." . Herr Baurath Ritter von G o l d s ch m i d t übernimmt hieraus den Vorsitz mit einer kurzen Ansprache, in,welcher .er erwähnt, dass der Vorstand die feste Zuversicht hege,, dass die , Armeufrage, also ein Stück der-socialen Frage auf dem Gebiete - des jüdischen Gemeinwesens durch die Enquete, wenn auch nicht gelöst, so doch erheblich gefördert werden wird. Jede Anregung, : auch wenn sie außerhalb des als Leitfaden dienenden Frage- - Logens liegt, werde berücksichtigt und zur Discussion gestellt werden. Als Referent ergreift nun Herr Dr. Maximilian Steiner das Wort, indem er die Thätigkeit der Z. Sectivn (Wohlthätig-; keitssection), die als Armenrath der Cultusgemeinde fnngirt, erörtert. Die Agenden der 3. Section zerfallen in Aushilfen - für. momentane Nothfälle, ferneren Periodische Unterstützungen; und Gnadengaben, in die Verwaltung des Altersversorgungs-׳ Hauses und des Gemeiudespitals, und in den Verkehr mit dem Findelhause, respective den Pflegeparteien, die jüdische Findlinge in Obhut nehmen. Die Section ertheilt ferner aus dem Spital entlassenen Wöchnerinnen Unterstützungen und hat eine ganze Reihe humanitärer Institute eingerichtet, so die Zuweisung ver-. lassener jüdischer Kinder an jüdische Pflegeeltern, die Verbindung' aller jüdischen Wohlchätigkeitsanstalten zum Zwecke der Jnformallou und Cooperation, die demnächst ins Leben tretende Arbeitsvermittlungsstelle als Adnex der Arrnenanstcilt: Als Organ für' diese umfassende Thätigkeit wurde vor '6 - Jahren- - eine Eentralstelle für Armenpflege errichtetmit de^ doPpelteillAüf^abe: 1. informativ zu wirken, 2. Armen mit Rath und That an die Hand zu gehen. Der Redner erwähnt des Leiters der Central- Armenstelle iu der israelitischen Cultusgemeinde, Herrn Groß, .dessen selbstlose und. unermüdliche Arbeit die größte Anerkennung verdient, berührt sodann die acht Fragen, indem er ihre principielle Wichtigkeit erörtert, und schließt mit der Versicherung, dass der Vorstand die Aeußerungen der Experten Hochhalten und die gegebenen Anregungen in reifliche Erwägung ziehen werde. Ueber Wunsch' der Versammlung wird hierauf die Generaldebatte eröffnet. Herr Dr. Hermann Fialla spricht Zunächst dem Vorstände für die Veranstaltung der Enquete Dank aus und führt danu ,.weiters Ms, dass das erste Postulat der angestrebten Reformen,die sogenannte präventive Ä r m enpf l e g e sein müsse." Nicht das ״Geben" sondern das ״Helfen" sei der eigent- 'liehe 'Zweck'üind die'׳ wichtigste Mission-wer Armenpflege. -:. Um jedoch n.gch dieser ,Richtung systematisch und mit Erfolg wirken z'n' könneii, sei׳ ueb st ^er Gfinit) 1mg ,eines--celttrdlewDbeiter-Vermittlüiigsamtes auch -di,e. Heranziehung^ von freiwilligen Armen- Pflegern und Pflegerinnen nothwettdig, denen-vom Vorstande das Versügungsrecht über eine gewisse Summe ertheilt werden sollte. .... -Experte Donat Z if.fe r er bezeichnet als eigentlichen Zweck der Euguete die, Ziffcuvnienchssnngder öffentlichen 1tub dex privaten Armenpflege und plaidirt für die Creirnng 'eines ,,Evidenzbureaps. . ...... , ׳ Erperte/Conlmercialrath Stiaßüy wünscht, dass bei der Steuexvorschreibnug ein namhafter Betrag ins Budget eingestellt werde.für- Urmenzwecke und dass hiezu auch die milden Gaben, ffeiwilligeil Spenden^ Stistnngszinsen u. dgl. herangezogen werden. --1/Exp.exte Meisels hält es für angezeigt, dass der .Vorstand, vorerst bekannt gebe, wie viel Geld für die'/"Unterstützungen notwendig, sei,, ein solch neues' Institut könne auch eine Million/kosten. Es sei für die Experteii schwer, Aüsklärnng zu geben, woher.das Geld kommen soll. / . Expertin Frau Dr. Grün feld bemerkt, dass thatsächlich uie Geld genüg für .Ärmenzwecke. vorhanden, sei. (Zustimmung). Da das. ganze. Jahr vor der Thora Geld gespendet werde, so möge ein gewisser Percentsatz, 5 oder 10 Percent, dem Armenfond. znfließen. Durch derartige Zuflüsse könnte jene Summe herauskommen, die. jährlich für das Armenwesen nothwendig ist. Experte B u ch w a l d ist der Ansicht, das Geld solle so beschafft werden, , dass ein Theil von der Cultüscasse, ein Theil von Spenden und ein Theil durch zwei Sammlungen aufgebracht wird.. . ' ' . . Experte Dr. Lichtenstadt betont, dass die erste Frage .nicht die ist. die Bedeckung zu schaffen^ sondern die Organisation zu schaffen. Die ganze Angelegenheit wurde ans den Kopf gestellt, .indem andie erste Stelle die.Frage nach den Mitteln gesetzt wurde. Der logische Gedankengang wäre, gewesen, sich erst mit den "Armen, ׳ dann mit der Frage, aus welche Weise ihnen ge- Holsen werden soll, und dann mit den Mitteln hiefür zu beschäftigen. Redner beruft sich" auf das Beispiel Londons und Deutschlands, zum Beweise dafür, dass freiwillige Psteger weit besser wären, als bezahlte. Ein solches Beamtenkorps würde mehr kosten als die ganze Armenpflege: Zu einer gründlichen Armenpflege brauche man tüchtige freiwillige Elemente, die würden auch die nötigen Mittel aufbringen.