Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 31 (21.12.1897)
- Date
- 1897-12-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Redaetion u. Administration Wien, 2. Novaraga sie 27. K. k. österr. f>ostsxarcaffe Lheck-Lonto Nr. 835,240. Inserate werde» billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retonrnirt. Qesterreichisch-ungarische Central-Organ für die Interessen der Tantoren und Cultusdesmten. Erscheint jeden zehnte» Tag. Begründer: Odercanror ^aeod Bauer. 1 PriinmneratiouS-PreiS.! FürCantvrrun.Luttusbeamr» j tu JPt|{«rui(f|-llln1)Ant j Ä>,».;jiihrig.fl. 5.— [ HaldMrig ..... fl. 2.50; 5ücölrt1«t1>ve1111.öl11lt11t»bean1te i im DualAiiti 1 Giruznihrig.tu Mirk | oder 5 Rubel, j Für private und Snstttut» > Ännzjührig . ... fl. 8.— j Htdvnurmeuts- 11. dusertio»»- | betrüge ft»r» in Wie» ratzlba». Kr. 31. Wien, 21 Depmbrr 1897. 17. Mhrgmig. Reform der Armenpflege in der Wiener Luliusgemeinde. Es darf dem gegenwärtigen Präsidium und dem Vorstände der Wiener Cultusgemeinde die Anerkennung nicht versagt werden, dass in den letzten Jahren auf allen Gebieten des Gemeindewesens eine erhöhte Thätigkeit entfaltet wurde und überall das deutliche Bestreben -zu Tage trät^.den modernen Anforderungen und dem stetigen Wachsthume der Gemeinde Rechnung zu tragen. Von letzteren! Gesichtspunkte aus hat sich auch eine Reform der Armenpflege notwendig erwiesen, welche durch eine am 8. d. M. über Einladung des Vorstandes im Sitzungssaale der Cultusgemeinde stattgehabte Enquete angebahnt werden sollte. Eine illustre Gesellschaft sah mau da vereinigt: Die Damen Baronin Charlotte Königswarter, Baronin Oppenheim, Herrn Maximilian Paul-Schiff, Gemeinderath Donat Zifferer sammt Frau, kais. Rath Dr. Kohn lammt Frau, Frau Dr. Maximilian Steiner, Frau Dr. Grünfeld. Dr. Fialla. kais. Rath Wilhelm und Delegirte der meisten jüdischen Wohlthätigkeitsvereine. An.die Theilnehmer der Versammlung war schon früher ein Fragebogen mit acht Fragen ausgesendet worden, welche in der Enquete zur Diskussion und Beantwortung gelangen sollten. In der ersten Sitzung konnten jedoch nicht alle Frage!! zur Verhandlung gelangen, es kam vielmehr nur zu einem allgemeinen Austausch der Gedanken, wobei von manchen Rednern höchst interessante Gesichtspunkte entwickelt wurden. Eingehende Diskussion fand blos die erste Frage, während die Verhandlung über die übrigen Fragen für die nächsten Sitzungen verschoben wurde. Die Fragen lauteten: 1. Wie sollen die zur vorübergehenden Armenunterstützung erforderlichen Mittel seitens des Cultusvorstandes beschafft werden? 2. Soll ein Zusammenwirken des Cultusvorstandes mit den hiesigen Wohlthätigkeitsvereine!!. unbeschadet ihrer weiteren selbständigen Thätigkeit, angestrebt werden, und in rvelcher Weise? 3. Soll die Armenpflege des Cultusvorstandes durch freiwillige Armenpfleger und Armenpflegerinnen oder durch angestellte Beamte geübt werden? ' 4. Welche ׳Kriterien sind für die Bedürftigkeit und Bethcilungswürdigkeit grundsätzlich sestzusteüen? >-- J Alter; Familienstand, Gesundheit, Erwerbsfähigkeit, Aufenthaltsdaner rc. 5. Wie sollen die seitens des Cultusvorstandes gewährten Unterstützungen erfolgen? »). Bei eingetretener Armuth als Almosen, Handgelder in Bargeld oder zum Theil in Naturalgaben—und zwar in welcherlei? b) Durch präventive Hilfe gegen Verarmung durch Hilsscassen, Arbeitsvermittlung rc.? 6. Soll die Begründung einer ״Altersversorgungs-Caffa" angestrebt werden,, und zwar in welcher Weise? 7. In welcher Weise soll die Obsorge für verlassene Kinder getroffen werden?.. 8. Sollen Armenärzte, Krankenpfleger und Krankenpflegerinnen (außerhalb des Krankenhauses) bestellt werden? Der Präsident der Cultusgemeinde/ Herr kaiserl. Rath Heinrich Kling er, eröffnete die Versammlung, indem er zunächst die Anwesenden begrüßte und namentlich den zahlreich erschienenen Damen besonder!! Dank aussprach. Ihre Theilnahme sei ein neuerlicher Beweis, dass die jüdischen Frauen sich jederzeit durch hervorragenden Wohlthätigkeitssinn ausgezeichnet haben. ״Schon vor acht Jahren" — fuhr hierauf der Redner fort, ״hat der Vorstand es für seine Pflicht erachtet, der wichtigen Frage nahezutreten, ob im Punkte der Armenpflege nicht eine Reform, zum Mindesten behufs Erzielung einer gemeinsamen Richtung, nothwendig erscheine. Zu jener Zeit ist dieses Streben des Vorstandes — ich möchte sagen — an einem Mißverstandniße gescheitert; man hat nämlich vielfach gemeint, dass dem Vorstande vorschwebe, die Thätigkeit unserer Wohlthätigkeirsvereine unterbinden zu wollen. Ich kann jedoch im Gegentheil sagen, dass der Vorstand die Thätigkeit der bestehenden Wohlthätigkeitsvereine in hohem Grade achtet und werthschätzt; ich brauche nicht erst hinzuweisen auf das ersprießliche und segensreiche Wirken unserer Frauenvereine, von denen namentlich der älteste derselben, der durch nahezu 80 Jahre in Wien besteht und dessen verehrungswürdige Präsidentin Baronin von Königswarter wir hier zu begrüßen die Ehre haben (Beifall), gewiss das Muster aller Frauenvereine ist, welche sich nach ihm gebildet haben. Ich spreche von den Frauenvereinen im Allgementen; es würde mich zu weit führen, alle zu nennen. Wir haben den segensreich wirkenden ״Theresien-Kreuzer-Verein", ferner aus neuerer Zeit den ״Verein ״Ferienheim" in Wien, der Ausgezeichnetes leistet, wir haben