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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-12-01 · Heft 29 (1.12.1897) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 29 (1.12.1897)
Date
1897-12-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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feeitc 6 Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Nr. 29. Cantor fungirt, Lewandowski aufgefordert hat, für ihren Gottesdienst Gesäuge zu componiren. Dieses geschah auch zu einer Zeit, wo alle Heroen, wie Sulzer, Naumburg, Deutsch, Weintraub! und Löwenstamm lebten. In dem 1111011 תרדה חמדה Lewandowski finden wir die בל נךרי Melodie für die Nürnberger Gemeinde arrangirt. Gehen wir in diesem Werke weiter, so finden wir die עבירה mit Orgelbegleitung, den הדיש vor 11 מוסף. v. ci. alte traditionelle Melodien bearbeitet. Alle diese Melodien haben auch im קול רבה für eine einzelne Stimme eine korrekte, strenge Bearbeitung gefunden. Beim Niederschreiben dieser Zeilen liegen vor mir alle Werke der Synagogencompouisten, und ich bemühe mich. Vergleiche anzustellen. Ich muß gestehen, dass keiner von den Synagogencompouisten gerade der Tradition so treu blieb wie Lewandowski. Auch bemühte er sich, alle diese Melodien in eine gesangliche Form zu bringen, die dem Sänger Freude machen. Alle unparteiische:: College!! werden mir zugeben müssen, dass gerade in der Bearbeitung der traditionellen Gesänge Lewandowski die Palme gebührt. Was das Lewandowskische Chasonus betrifft, so zeichnet sich dasselbe durch tiefen religiösen Geist aus. Fast jede Piece trägt den Stempel des alten, ehrwürdigen Chasonus. Die Melodien sind mit dem Texte voll und ganz verwachsen und verfehlen nie ihre Wirkung. Auch seine freien Compositionen sind kunstvoll und von edlem religiösen Gemüth. Lewandowski bemühte sich, in den Compositionen, die er für den Cantor schrieb, stets ein Ganzes zu liefern. Daher kein Wunder, wenn Lewandowski der Lieblingscomponift der Cantoren ist, sogar der süddeutschen. Lewandowski genießt überhaupt eine große Popularität. Seine Werke sind überall verbreitet. Jeder strebsame Cantor hält es für seine Pflicht, sich mit den Lewandowski'schen Schöpfungen vertraut zu machen, auch die Gemeinden selbst wünschen Lewandowski zu hören, weil sie sich au seinen Gesängen, die sich stets durch Einfachheit der Tonsprache, durch tiefe Empfindung auszeichueu, erbauen. Wohl weiß ich, dass diese Zeilen noch lauge nicht genügen, um die Bedeutung von Lewandowski, des Heros unter den Synagogencompouisten, wie ihn Herr College Birnbaum in seinem jüngsten Vortrage nennt, zu schildern, aber ich wollte nur versuchen, das abfällige Urtheil über Lewandowski in dem Artikel ״Jüdische Melodien" zu widerlegen und nachzuweisen, dass Lewandowski auch für die Cantoren wahrhaft schöne Compositionen geschaffen hat, die ihm ein dauerndes Andenken sichern. Zur Geschichte der Tslmudversvlgnngen. Von Dr. M. H. Fricdlander. H.") Nachdem Herder nun näher nachgewiesen, dass diese Geschichte, deren Wahrheit, im Allgemeinen noch Niemand angezweiselt hat, zugleich einen vollgültigen Beweis für die Wahrheit der jüdischen heiligen Schriften sei, u. s. w. setzt er hinzu: ״Das sonderbarste Volk hat die sonderbarsten Bücher, ein Volk, dessen Religion und Geschichte ganz von Gott abhängt und dahin weist, hat auch Bücher der Art des Geistes; jene Dinge sind aus diesen, diese aus jenen enstandeu und alles ist im Grunde nur Eins. Ein Gepräge, ein Charakter, eine Beurkundung der Zeiten: ihr Name ist, das Volk Adonais, wie dort der Name von Ezechiels Stadt 11. Temp el Adonai Sehemoli. "(ZurPhilosophie und Geschichte 9. Thl.) In ähnlicher Weise äußert sich Schlözer: ״Die Juden sind ein Hauptvolk der Welt, nicht blos der christlicheu Weltgeschichte, als das Volk Gottes, sondern ein mächtiges Volk, das im Zeitpunkte seiner Größe aus mehr als fünf Millionen Seelen bestand; ein cultivirtes Volk, der Depositor aller Kenntniße, die wir auch aus der ältesten Welt, lange vor *) In bcu in voriger Nummer veröffentlichten cinlritenden Worten dieses Artikels heißt es irrthümlich ״Apostel und Renegaten" statt: ״Apostaten und Renegaten". den jungen Griechen, übrig haben; das einzige Volk dessen Gesetzgebung und Sitten noch nach Jahrtausenden kenntlich sind und, im Wesen unverändert, seinen Staat überlebt haben." In gleichem Sinne drückt sich Oorovs ans: ״Noch ist die jüdische Religion durch ihr Alter, ihre ursprüngliche Erhabenheit und ihre welthistorische Wirksamkeit diejenige, welcher unbedenklich die erste Rolle gebührt. Ihr Pentateuch ist gleichsam der Urpatriarch der monotheistischen Glaubensgenvssenschas.ten, denen von der Providenz die großartigsten Bestimmungen zngctheilt worden. Ihr Gedächtnis reicht hinauf bis in die Wiege des Menschengeschlechtes, ihre Urkunden sind bis jetzt noch die erweislich ältesten; ihre Ueberlieferungen liegen den zwei Religionen zu Grunde, die sich am weitesten über den ganzen Erdball verbreitet, die am meisten zur Humanisirnng der alten und neuen Welt beigetragen haben. Mögen auch die Juden späterhin, wie unglückliche Chamiten in die Dienstbarkeit der andern Abkömmlinge des Erzvaters Noah, so in die Abhängigkeit von den Christen und Jslamiten gerathen sein, doch haben sie — einzig in der Geschichte — bis auf den heutigen Tag, ihre Eigenthümlichkeit. ihre Religion sich erhalten, und hierdurch die wunderbare Lebenskraft derselben bewährt. So ist das Jndenthum unstreitig die altehrwürdigste Erscheinung in der Geschichte der Menschheit." (Ersch und Gruber Encykl. 27). Wenn aber trotz alledem der Talmud zu allen Zeiten angefeindet und verlästert wurde, so geschah es einzig und allein aus dem Gründe, weil man hierdurch gleichsam den unversöhnlichen Judenhass, der haarsträubende, entsetzenerregende Gränelscenen zur Folge hatte, rechtfertigen und beschönigen zu können glaubte. Wir wollen daher mit diesen Zeilen nicht anderes bezwecken, als nachzuweisen, dass es zumeist und zuvörderst ehrlose, verlogene Renegaten waren, die den Talmud verdächtigt und verleumdet, die niedrigsten Leidenschaften des Pöbels anfgestachelt! und ihren früheren Glaubensgenossen so viele Kränkungen verursacht haben. Das Studium des Talmuds war im Mittelalter der einzige Lebensanker, der das Judenthum vor völligen Untergange gerettet hatte. Während draußen der wüthende, racheschnaubende, vom Neide und unversöhnlichem Hasse erfüllte Feind alle erdenklichen Torturen und Folterqualen ersonnen,, um das schwache wehrlose Israel vernichten und entwurzeln zu können, herrschte im Innern der jüdischen Lehrhünser ein reges, bewegtes Leben. Mit einem Feuereifer sondergleichen durchsegelten die Talmndbeflissenen das unermesslich große und tiefe Meer des Talmuds und fühlten sich überglücklich, wenn sie hier ungestört sich der Durchforschung talmudischer Materien hingeben konnten, obgleich ihnen draußen der Kampf um's Dasein so schwer als möglich gemacht wurde. Das Wort der heil. Schrift: ״Du sollst dich mit dem Studium der Gotteslehre Tag und Nacht beschäftigen", stand mit feurigen Zügen vor ihrer Seele; sie benutzten daher ihr Talent ausschließlich zu gottesfürchtigen Zwecken. Allein die erbitterten Feinde gönnten ihnen gar oft auch diese innere Ruhe nicht und suchten ihnen auch diese einzige Freude, diesen wahren Seelengennss, zu verbittern und zu vergällen. Die erste Talmndverfolgung fand im dreizehnten Jahrhundert in Frankreich unter der Regierung des schwachköpfigen, von Geistlichen beherrschten und beeinflussten Ludwig IX., ungefähr drei Decenuien nach dem Tode Maimonides, statt. Im Jahre 1236 trat ein talmudknndiger Jude Namens Nikolaus Donin,-.der. seiner skeptischen Ansichten wegen von den Rabbinern

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