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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-11-21 · Heft 28 (21.11.1897) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 28 (21.11.1897)
Date
1897-11-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 28. Oefteiieichisch-ungaiifche Lantorett-Zeitmig. Werk ist, was durch Gottes Einfluss bewirkt, hervorgebracht, vollführt und geleitet wird. Sie bezeichnet aber auch eine Reihe wunderbarer Dinge, '2) Erscheinungen, Eigenschaften oder auch wichtiger Zeitabschnitte. In diesem Sinne stellt die heilige Urkunde den Schöpfungsakt in sieben Entwicklungsstnfen oder Stadien dar, welche sie Tage nennt; denn die heilige Schrift ist ursprünglich nicht für naturwissenschaftliche Zwecke, sondern für schlichte Erdbewohner geschrieben, zur Anregung religiöser Gefühle, zur Weckung des Glaubens an den unsichtbaren Weltgeist, den Schöpfer des Alls. Es wird deswegen so viel und in solcher Form mitgetheilt, was und wie es für diesen Zweck notwendig erscheint. Dass Gott die Welt nicht auf e i n m a l, sondern allmälich ins Dasein gerufen hat, lässt sich der bibl. Schöpfnngslehre zufolge uickit bestreiten. Sollte dem Wortlaute der Schrift entsprechend Gott die Welt in Wirklichkeit in dem kurzen Zeitraume von sieben Tagen vollendet haben, so wirft sich uns unwillkiirlich die Frage auf: Warum in 7 Tagen? Hätte denn Gott kraft seiner Allmacht dieses sein Werk nicht in eine m Tage, ja in einem Momente auf sein Machtgebot hervorufeu können, wie schon die Mischna fragt (Abot. 5,1): הלא במאמר אחד ״ יכול להבראותHätte er sie denn nicht auch durch einen einzigen Ausspruch (sie werde!) erschaffen können?" Daraus lässt sich um so sicherer folgern, dass die Welt im Wege ' der Evolution, dem allweiseu Plane des Schöpfers gemäß, entstanden ist. Auch das Schlusswort des sieb entägigen Schöpfungsberichtes "לעשות" beweist, dass Gott die Wesen des Weltalls nicht, wie es dem Wortlaute gemäß den Anschein hat. durch einen bloßen Ruf in's Dasein brachte, dass er sie vielmehr durch aümälige Entwicklung entstehen ließ. Denn לעשות heißt: machend. fortwirkend, bildend, und der Schlusssatz אשר בדא אלהית לעשות bedeutet: die Gott schuf ״machend", ״fortlvirkend", oder fortbildend, d. h., 11m sich allmälich nach den in die Natur gelegten feststehenden Normen und Gesetzen, weiter fortzuentwickelu und ihrer Vorvollkoinmnung ,.und ihrem Zwecke entgegenzugeheu. 3) Handelte es sich hier um einen vollständigen Abschluss der Schöpfung, so musste es heißen: כי בו שבת מכל מלאכתו ״ אשר ברא אלהים.denn au ihm (dem siebenten Tage) rnhete er von all' seinem Werke, welches Gott erschaffen hat." Das hinzugefügte Wort לעשות bedeutet also: In der Entwicklung 2) So gibt es der talmudischcn Lehre gemäß, für ״Himmel" sieben Bezeichnungen (שמים, שמי השמים, רקיע, :(שבעה רקיעין שחקים, זבול' מעוז, וערבות, ldiese sind wohl eigentlich die sieben kreisenden Bahnen der sieben Planeten). Der Himmel der siebenten Bezeichnung, als die höchste menschlich dankbare Sphäre, gilt in sinnbildlicher Weise als der Wohnsitz der göttlichen Majestät. Ebenso wird die ,,Erde" in ihrer Gleichbedeutung mit der ״Welt" durch sieben Namen bezeichnet: ,ארץ, אדמה, ארקא׳ גיא׳ ציה, בשיה, תבל öcit siebenten Namen führt jene Erde, die sich Gott zur Offenbarung erkoren. Als eine sieb e n - fache wird die Strafe für den Kainmord und als eine eilfmal siebenfache Lie für den Lemechmord bezeichnet. Nach sieben Tagen beginnt die Wafferflut, sieben und sieben Thicre kommen in die Arche, im siebenten Monate ruht die Arche auf dem Gebirge Ararat, und am siebenten Tage entsendet Noah jedesmal die Taube 'als Botin des Friedens und der Ruhe in der Natur. Sieben Schafe sondert Abraham bei seinem Bundesschlusse mit Albimelcch ab. Das Gotteswort wird mit siebenfach geläutertem Silber verglichen (Pf. 12. 7). Der goldene Leuchter hatte sieben Arme, an denen sieben Flammen brannten. Simson ließ sich mit sieben Stricken binden. Bei dem Einweihungsakte, der Leviten und bei den Reinigungs- und Elltsündigungsprocedurcn spielt die siebentägige Zeitperiode eine fortwattend, fortwirkend, als auch in der festgesetzten Naturordnung forterhaltend, fortregierend, fvrtleitend. Wohl werden nur sechs Schöpfnngstage erwähnt, aber der siebente ist der eigentliche Vollendnngstag, mit welchem das Werk vollständig fertig war. Denn ein Werk kann erst dann als vollendet betrachtet werden, nachdem es der Idee des Meisters entsprechend hergestellt und keine Aenderung oder Verbesserung daran als nothwendig erachtet wird. Deshalb heißt es : ״ ויכל אלהים ביום השביעיAm s i e b e n t e n Tage vollendete Gott". Der siebente Tag als der Vollendungs- Moment gehört also mit in die Schöpfnngszeit. Die Vollendung besteht hier negativ in dem Aushören des Schaffens, positiv in der Segnung und Heiligung des siebenten Tages, wodurch das göttliche Wohlgefallen an dem vollendeten Schöpfnngswerke zur Äußerung gelaugt. Mit der Vollendung des Principes der Schöpfungsentwicklung war also das Ereignis der göttlich schöpferischen Wirksamkeit beendet. Das Wörtchen ״ ויכלGott vollendete" deutet also hier auf die Vollendung des Entwicklung^ und Lebeusprincipes, welches für alle Wesen der Schöpfung in die Natur gelegt wurde. Mit der Feststellung dieses unabänderlichen Natnrprincipes wird daher das Weltall mit allen seinen einzelnen Wesen, größeren und kleineren Werken (כל מלאכתו) mit vollem Rechte als vollendet dargestellt, weil an den in die Natur gelegten Gesetzen und Kräften nichts mehr abgeändert werden kann. Dieser Idee entsprechend ist auch תולדות השמים והארץ aufzufassen. (1. B. M. K. 2. V. 4). Denn es ist offenbar, dass der Satz אדה תולדות השמים והארץ in keiner Weise auf den vorhergegangenen Schöpfungsbericht bezogen werden kann, wie manche Erklärer anzunehmen sich veranlasst finden. Vielmehr ist es einleuchtend, dass dieser Satz die Ueberschrift zu der ihm folgenden andeutungsweisen Schilderung über den Entwicklungsgang des Weltalls bildet. Es kann also da nicht von einer Zengungs, Geburts- oder Entstehungsgeschichte des ״Himmels uub• der Erde" die Rede sein, weil sie sich ja nicht mehr in ihrem elementaren Uranfänge oder in ihrem chaotischen Urzustände befindet. So heißt auch nicht w אלה תולדות das ist die Entstehuugs- Zengungs- oder Geburtsgeschichte des Noah, sondern die Lebens- und Fortentwicklungsgeschichte Noah's. Aehnlich verhält es sich mit ואלה תולדות יצחק u. v. a. St. Das Wort תולדות stammt von ילר, הוליד und bedeutet ebenso die gezeugten Dinge, die Nachkommenschaften, die Abstammungen, die Eigenheiten״ die Geschichte der Geschlechtsfolgen, als auch die Entwicklung, die geschichtlichen Thatsacheu derselben, was mit ihnen im weiterem bedeutende Nolle. (Siche Pentateuch 3. St.) u. m. dgl. Sieben Stamm- Väter nennt die Schrift: Abraham, Jsak, Jakob, Lewi, Kehas, Amram, Moses; der siebente wird von Gott zum Befreier Israels bestimmt. Ebenso wird der siebente Sohn Jisai's, David, zum Könige über Israel gesalbt. Sieben Tage hat die Woche, durch den siebenten Tag wird der Sabbat symbolisirt. Sieben Wochen werden gezählt zwischen dem geweihteil Pefsachtagc und dem Wochenfeste. Der siebente Monat ist zum Monate der׳ Feste (Midr. r. III, 29 — Jalkut zu T II. B. M. 18-20) bestimmt. Sieben Tage soll Ungesäuertes gegessen und siebe n Tage soll in Hütten gewohnt werden. Das siebente Jahr ist als Erlassjahr bestimmt und siebenmal sieb e n Erlassjahre bilden die Periode eines Jubeljahrcs. Siebenmal zehn Männer bildeten das ״Arlteftencollegium" (Synode) unter Möses. Nach Verlaus von sieben Tagen lvird das männliche Kind beschncidungs- und das junge Vieh opfer- und genussfühig n. dgl. Auch in der Mystik und Kabala spielt die Siebcnzahl eine wichtige Rolle. (Vrgl. , Dr. Hamburger, Nealencyclopädte - II. S. 1280 ״Zahlensymbolik.") 3) Aehnlich heißt es (1, B. M. 18,7)וימהר לעשות:אותו ,,Er eilte, um cs zum Gebrauche herzustcllen". Bergt. Landau Pithr. Hammil. und Keil Commentar z. St, ־ ־

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