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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-11-21 · Heft 28 (21.11.1897) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 28 (21.11.1897)
Date
1897-11-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 28. Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 5. treffliche Lehren der Rcchtsgelehrscunkeit, der Arzneikunde, der ן Natur, Sitten- und Staatslehre, der Sternkunde und anderer Wissenschaften, welche die Geschichte jenes Bolkcs und jener Zeit so außerordentlich empfehlen. Er enthält herrliche Sprichwörter aus dem Alterthum, ausgezeichucte Urtheilssprüche, scharfsinnige Gedanken, unzählige kluge und weise Aussprüche, welche den Leser entweder besser oder weiser oder gelehrter machen können, und gleich den glänzenden Edelsteinen nicht weniger die hebräische Sprache zieren, wie alle Blütheu Latiums und Griechenlands ihre Sprache verschönern. Er enthält viele Myriaden von Wörtern, welche entweder selten gebrauchte Wörter der heiligen Schrift erhellen und ihren Ursprung erläutern, oder den Gebrauch der gcsammtcn hebräischen und chaldäischen Sprache, der sonst unvollkommen, lückenhaft und verstümmelt wäre, aus ausgezeichnete Weise vervollkommcnen und vollenden." In ähnlicher Weise haben sich auch noch viele andere christliche Gelehrte wie Ncuchliu, Alting, Braun, v. d. Hordt, Schudt, Soranhus, Lighfoot, Schcttgen, Herder, Schölzer u. v. A. über das jüdische Schriftthum, wie über die jüdische Neligionslehre ausgesprochen. So z. B. schrieb Herder: ״Die Lehre des einen Gottes hat dies Volk gegründet auf der Erde und sie ist der Grund aller gesunden Theologie und Weltwcishcit. Abgötterei und Götzendienst hat die klügsten Völker bethört und Jahrtausende hindurch in Lüsten, Sinnlichkeit und Abscheulichkeiten sestgehaltcn. Dies Volk hat die einfachsten und weisesten Nachrichten vom Ursprünge des Menschengeschlechtes erhalten und gleichsam aus der Nacht der Zeiten und den Trümmern der Völkerwanderungen gerettet: cs gibt uns die älteste Karte der Mcnschenwohnungen und Erdengcschlcchter. Sein Moses wagte cs zuerst, eine metaphysische Lehre zur Grundsänle seines Staates zu machen, die Unsichtbarkeit, Einheit und höchste Güte des Schöpfers der Welt für ein Volk zu nationalisiren und diesem großen Gedanken Alles untcrzuordnen. Als Griechenland noch in der größten Barbarei lag, wagte cr's, einen Freistaat zu gründen; dessen Oberherr, ein unsichtbares Wesen, nur Opfer der Liebe, des Dankes und der Neiuigkeit verlangte und seine Befehle durch Licht und Recht spräche, dessen Glieder brüderliche, von einander unabhängige Stämme und ihr genaues heiliges Land, ein Gott und ein Tempel wäre. Die Diener dieses Gottes und Königs machte, er von allem Eigenthum los, vertheiltc sie überall umher, dass sie mit Gottesfurcht, Gesetzen und Wissenschaften alles Volk beratheu, allen Stämmen zu Hilfe kommen sollten. Einen irdischen König schloß er zwar ans, er sah ihn aber vorher und gab auch ihm seine Schranken, sein Königs- und Kriegsrecht. Den Verfall in Sittten durch Priester sah er vorher; er gab ihnen aber die Propheten als außerordentliche Stimmen, als ckietatores und ^ensores morum zu Hilfe, und welch' ein Volk in der Welt hat in so frühen Zeiten eine Reihe so mächtiger, so reiner Stimmen gehabt, als Israel an seinen Propheten? Welchen Dichter Griechenlands oder Roms wagen wir in Ansehung der erhabenen reinen Moral und des umfassenden Nationalgeistes neben einen Jesaias zu stellen? Und welch' ein König der Egypter, Scythen und Indier hat wie David gesungen und gelehrt? Der Entwurf Gottes durch Moses ist nie zur Vollkommenheit gekommen; was aber in Übung kam, ist vortrefflich und für die ganze Welt ersprießlich gewesen — gerade der Segen, zu welchem Israel in Abraham gesetzt ward." Ferner bemerkt Herder (״Geist der hebräischen Sprache"): ״Es ist unsäglich, was für Schätze der Erkenntnis und Moralität des Menschengeschlechtes am Begriff der Einheit Gottes zu hangen bestimmt waren. Er wandte vom Aberglauben, mithin auch von Abgötterei, Lastern und Scheusalen priviligirter göttlicher Unordnung weg, er gewöhnte daran, überall des Zweckes der Dinge, mithin allmählich Naturgesetze der Weisheit, Liebe und Güte zu bemerken, also auch in jedes Mannigfaltige Einheit, in die Unordnung Ordnung, in's Dunkle Licht zu bringen. Indem die Welt durch den Begriff eines Schöpfers zu einer Welt, Kosmos, ward, machte sich auch der Abglanz derselben, das Gemüth des Menschen dazu und lernte Weisheit, Ordnung und Schönheit. Welche Lehre und Poesie der Erde hierzu beigetragen hat, hat die nützlichsten Dinge bewirkt. Die hebräische hat es vorzüglich. Sie ist der älteste Damm gegen die Abgötterei gewesen, den wir kennen; sie goß den ersten schönen Lichtstrahl der Einheit und Ordnung in's Chaos der Weltschöpfung — und wurde durch ihre Erhabenheit und Wahrheit durch ihre Einfalt und Weisheit aümälich die Leiterin der Weit," Ferner sagt Herder: Die Juden waren und find das ausgezeichnetste Volk der Erde; in seinem Ursprünge und Fortlcben bis auf den heutigen Tag, in seinem Glücke und Unglücke, in Vorzügen und Fehlern, in seiner Niedrigkeit und Hoheit so einzig, so sonderbar, dass ich die Geschichte, die Art der Existenz des Volkes für den ausgemachtesten Beweis der Wunder und Schriften halte, die wir von ihm wissen und haben. So etwas lässt sich nicht dichten, solche Geschichte, mit allem was daran hängt und davon abhängt, kurz solch ein Volk lässt sich nicht erlügen. Seine noch unvollendete Führung ist das größte Poem der Zeiten und geht wahrscheinlich bis zur letzten Entwickelung des großen, noch unberührten Knotens aller Erdnaturen hinaus." (Fortsetzung folgt.) ״Es werde Licht!" Ein Beitrag zum Commentar der Schöpfungsgeschichte von Rabbiner I. Baum. (Fortsetzung). Wie bei fast allen Völkern des Alterthums hatten nämlich auch bei den Hebräern die Zahlen eine symbolische Bedeutung. Man betrachtete dieselben häufig als sinnliche Zeichen für übersinnliche Begriffe. Die Zahl z. B. versinnlicht die Ursache der Harmonien und des Bestandes aller Dinge. Sie gilt auch für die ״Zahl Gottes", weil durch sie die Einheit Gottes dargestellt wird. Ganz besonders wird die Zahl ״Sieben" als eine bedeutungsvolle, heilige Zahl im althebräischen Schriftthume betrachtet, deren mau sich gerne bediente, um abstrakte Begriffe oder eine Zahl von nicht genau bekannter Größe sinnbildlich anzudeuten. l) ״Sieben" besteht aus der heiligen Zahl ״drei", die das göttliche Wesen in den drei Zeiten darstellt (.iT1T היה׳ היה׳) und aus der Zahl ״Vier", durch welche die vier Weltgegenden, also das Weltall, als Werk der göttlichen Allmacht versinnlicht wird. Die Zahl Sieben gilt überhaupt als die Zahl dessen, was Gottes y Auch bei den alten Egyptern und anderen Völkern des Alterthums galt die ״Siebenzahl" als eine heilige Zahl, die im ״Todtenbuche" und in anderen Schriften häufig vorkommt. Für diese Zahl wird in der Bilderschrist gewöhnlich das Bild des Kopfes als etwas Besonderes oder Wichtiges gezeichnet. Man findet Erwähnung von Lorbeerzweigen mit sieben Blättern, von sieben Planeten, von siebentägigen Intervallen im Wechsel der Moudform u. dgl. Hieher gehört auch das siebe utägige Trauerfest des Osiris, die zehnmal siebentägige Einbalsamirung der Todtcn u. dgl.; der Traum des Pharao von sieben Kühen und sieben Aehren steht gewiss auch mit der Heilighaltung der ״Siebenzahl" eng zusammen. Drei gilt bei den Egyptern für das Göttliche, vier für das Kosmische. Sieben, bestehend aus drei und vier, bedeutet daher die Verbindung der Gottheit mit der Welt. (Siehe Dr. Ebras ״Egypten" I., Seite 339). Dass auch bei anderen Völkern des Alterthums die Zahl ״Sieben" als heilig gilt, beweist die Thatsache, dass Bileam immer sieben Altäre bauen und sieben Stiere und sieben Widder darauf darbringen ließ.

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