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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-11-21 · Heft 28 (21.11.1897) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 28 (21.11.1897)
Date
1897-11-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 28. Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seile 7. 1 Zeitlaufe geschieht, was sie vollbringen u. dgl. So heißt auch: ״ זה ספר תולדות אדםDieses ist das Bttch der Weiterentwicklung des Menschengeschlechtes1) ״. B. M. K. 5. 1) תולדות השמים והארץ bedeutet daher nichts anderes als ״die Entwicklung" oder die Geschichte der Entwicklung des Himmels und der Erde ״ בהבדאםnach ihrem Geschaffenwerdeu". (Forts, folgt.) Kleine Chronik. W ren.Die Abgeordneten Dr. Byk und Genossen interpellirteu in der Sitzung vom 11. November den Ministerpräsidenten in Sachen der am 5. April d. I. in Chodorvw stattgefundeuen Arbeiterexcesse. In dieser Interpellation wird darauf verwiesen, die im August stattgehabte Hauptverhandlung beim Kreisgerichte in Brzezany habe auch erwiseen, dass das Verhalten der politischen Behörden, weder was die Anwendung der präventiven, noch der repressiven Mittel zum Schutze der Personen und ihrer Habe betreffe, eine entsprechende war. Der von der Bezirkshauptmannschaft Bobrka nach Chodorow entsendete politische Commissär, welcher mit ueuil Gendarmen einer herabziehenden Schaar von 500 Bahnarbeitern entgegenrückte, ließ diese Rotte passiven und beschränkte sich darauf, von einem der Bahnarbeiter die Versicherung entgegen zu nehmen, dass sie sich ruhig verhalten werden, obschon die Absichten dieser Bahnarbeiter unzweifelhafte waren. Der Commissär gab sogar den Auftrag, die bei den vormittägigen Exessen verhafteten drei 9tädelssichrer sofort zu entlassen. Bei den folgenden Gewaltthaten waren die Gendarmen passive Zeugen, denn sie erhielten von dem Commissär und vom Bezirkshauptmann, der mittlerweile persönlich angekommen war, den bestimmten Auftrag, von der Waffe keinen Gebrauch zu machen und auch Niemanden zu verhaften. Unter den Äugen der Gendarmen wurden die überfallenen Israeliten mißhandelt und beraubt. Wien. Vor einigen Tagen hat eine Deputation des Polenclubs wegen der a n t i s e m i t i s ch e n Militärexce s s e in Tarnow und Przemyslany beim Landesvertheidigungsminister Grafen Welsersheimb Beschwerde geführt. Nach Einsichtnähme in das bezügliche Actenmateriale des Kriegsministeriums war Graf Welsersheimb gestern in der Lage, der Deputation die zugesagten Aufklärungen zu geben. Aus den Acten geht hervor, dass die Tärnower Assaire, welche keinen größeren Umfang hatte, von dem persönlichen Streite zwischen einem betrunkenen Soldaten und einem jüdischen Bürger ihren Ausgang nahm. Erst in der Folge kam es zu bedauerlichen Reibungen zwischen dem Militär und der jüdischen Bevölkerung in Tarnow. Die Sache endete mit der Bestrafung der schuldigen Soldaten. Viel umfangreicher waren die Ausschreitungen in Przemyslany, wo eine gemischte Truppe, bestehend aus durchmarschirenden Soldaten der Dragoner-Regimenter Nr. 9 und 10 und der Traintrnppe, sich arge Excesse gegen die jüdische Bevölkerung zu schulden kommen ließ. Die zur Zeit diese Abtheilungen cornmandirenden Rcserveofficiere verstanden es nicht, die Soldaten von den Gewaltthaten zurückzuhalten. Der Kriegsminister habe diese Vorfälle zum Gegenstände einer strengen Untersuchung gemacht. Die Folge war die exemplarische Bestrafung der Schuldigen und eine Wiederholung solcker Excesse sei nicht zu befürchten. Wien. Im Beth-Hamidrasch-' der Schisfschule, ״Thora Ez - Chaijm־־a$eveme fand Sonntag den 7. November ein erhebendes Fest statt. Durch diDitt Vereinslocale allabendlich gehaltenen Vorträge ist es nach 45׳ Jahren gelungen, die stattliche Reihe des ganzen Talmud zu vollenden, und aus diesem Anlasse fand sich eine zahlreiche Festgesellschgft ein, um Zeugen dieser, so schönen Feier zu sein. Unter den Madenen Gästen bemerkte man den Vizepräses der Cultusgemeinde^Dr. Gustav Kohn, den Cultsts- Vorsteher Dr. Marcus Spitzer, Secretär Braun, Adjunct Dr. Adler, Rabbiner Dr. Bach, den Gesammt-Vorstand des Vereines und der Schiffsschule, mehrere Vorsteher anderer Vereine, sowie die Functionäre der Schisfschule und viele Andere. Vor Beginn der reichbesetzten Tafel beendigte der Vereins-Rabbiner-Stellvertreter :Baumgarten, der schon mehrere Jahre hindurch in hervorragender Weise die Vorträge im Talmud leitete, die letzten Stellen des Talmud. Zu gleicher Zeit gab er wichtige Erläuterungen einzelner TalmudsteUcn, hob in besonderer Weise die Verdienste des verewigten Rabbiner Spitzer hervor, als dem Begründer des Vereines, dem es leider nicht gegönnt war, den Aufschwung des Vereines und die Beendigung des von ihm begonnenen Talmudstudiums mitanzusehen. In Vertretung des Vorstandes begrüßte Herr Moses Hirschler die erschienen Gäste, dankte für ihr zahlreiches Erscheinen und wies auf das hohe Ziel hin, das sich der Verein vor Angen setzte. Beim Mahle hielt Herr Rabbiner Fürst eine groß angelegte Ansprache, deren "Ausführung Jedermann entzückte. Er schilderte die wohlthucnden Wirkungen des Vcreinswesens im Allgemeinen und speziell dieses Vereines. Hernach erhob Herr Dr. Marcus Spitzer das Glas auf das Wohl und Gedeihen des Vereines, unter dessen Fälligen sich ein wahrer Jude wärmt, und der bei den heutigen Verhültuißen eine wahre Schatzstätte ist. Geradezu wohlthueud wirkte es, dass auch Herr Dr. Gustav Kohn das Wort ergriff, um im Namen der Cultusgemeinde den neuen Rabbiner zu begrüßen; er rühmte seine Rednergabe und erklärte, dass sich der Verein, sowie der Herr Rabbiner der größten Gunst von Seite der Cultusgemeinde erfreuen. Als beim Weine die Stimmung sich gehoben hatte, leerte Herr Aron Bondy das Glas auf die Gesundheit des Rabbiners der erschienenen Cnltnsvorstehcr, sowie aller Vereinsmitglieder. Nicht unerwähnt dürfen bleiben die Reden der Herren Bernhard Schiff und Professor Hoffmann. Nach Mitternacht schritt man zum Verkaufen des ״Bentscheu", und nach 2stündigcm Lizitieren wurde es-um den hohen Preis von 430 fl. an Herrn Michael Neumann abgegeben, der es Herrn Dr. Marcus Spitzer verehrte. Erst mit dem Morgengrauen schied die versammelte Gesellschaft mit den besten Eindrücken von der Feststütte. Um das Gelingen des Festes hat sich ein Junghcrren-Comite, bestehend aus den Herren Schiff, Hirschler, Fleischmann, Kritzler, verdient gemacht. Wien. Dienstag den 16. November fand die Trauung des Herrn Dr. Aron Bondy, Sohn des bekannten Metallwarenhändler Marcus Bondy, mit Frl. Hirsch, Tochter des Bergwerkbesitzers in Eberswalde bei Berlin, statt. Frl. Hirsch ist eine Enkelin des berühmten orthodoxen Rabbiner Dr. Hildesheimer in Berlin. Am Samstag vorher wurde Dr. Aron Bondy in der Schiffschule mit der ״Morenu" zur Thora gerufen, und wieder zeigte es sich, welcher Wohlthätigkeitssinn bei der Familie Bondy vorherrscht. JedemJnstitute ließ er namhafte Geldspenden zukommen. Am Tage der Hochzeit wurden hier größere Beträge an Arme vertheilt. Pakrar (Slavonieu). Der begeisterten Aueiferung und Mitwirkung unseres allgemein verehrten Rabbinatsverwesers und Cantors, Herrn Ignaz Schlang, haben wir es zu verdanken, dass unsere junge Gemeinde nunmehr um einen israelitischen Frauenverein bereichert wurde, dessen Ziel Hilfeleistung an herabgekommene verschämte Arme. Förderung des gesellschaftlichen Einvernehmens und Pflege des jüdisch-nationalen Geistes ist. Die erste Generalco nferenz, die in der Wohnung unseres Rabbinats- Verwesers, Herrn Schlang, Sonntag am 14. November׳ tagte, war von allen hies. und von mehreren in der hiesigen Umgebung wohnenden israel. Frauen besucht. Nach der ersten Begrüßungsansprache von Seite des Herrn Rabbinatsverwesers, noch vor Abgabe der Stimmzettel, wurde Fran Fanny Müller, Gattin unseres bei allen Confessionen gleich geachteten Bürgermeisters, Herrn Jakob Müller, zur Präsidentin des Vereines acclamirt. Das Ergebnis der Stimmzettel war folgendes : Jn's Präsidium wurden gewählt: zur Vize-Präsidentin Frau Emma Mautner, Gattin des Cultns-Präsidenten, Herrn Marko Mautner, zur Cassierin Frau Rosa Schlang, Gattin des Herrn Rabbinats- Verwesers und Cantors. zur Schriftführerin Frau Fanny Schrenger. Gattin des Vize-Präsidenten, Herrn Leopold Schrenger. Als Ausschussdamen wurden gewählt: die Frauen der Herren Leopold Sternberg, Ignaz Adler, Heinrich Müller, Alexander Grünwald. Dawid Pick, Ignaz Schrenger, Hermann Freund und Berthald Hirsch. Die anwesenden Damen versprachen einstimmig, außer den Jahresbeiträgen auch für einen Gründungsfond ' durch' freiwillige Spenden Sorge zu tragen. Zum Schluss dankte Herr Rabbiuatsverweser Schlang in warmen Worten allen anwesenden Damen im Namen der heiligen Sache.

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