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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-11-21 · Heft 28 (21.11.1897) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 28 (21.11.1897)
Date
1897-11-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Ieitung. Nr. 28. ■ domizilireuden Cultusbeamten, ohne Unterschied des Manges, einen Aufruf behufs Eintritt in den österr.-ung. Cantoren-Berein übermitteln'zu wollen. Mit bestem Gruße zeichnet M. Adolf G e r l 0 c z i, Rabbiner. Fiumes den 16. November 1897. So sehr wir dem geschätzten Einsender für seine Anregung, die immerhin eine lebhafte Theilnahme für die Interessen der engeren und weiteren Berufsgenossenschaft bekundet, Dank wissen, hmüssen wir dennoch erklären, dass sein Vorschlag unter den eutigeu Berhältnißeu nicht durchgeführt werden kann, welche Ansicht auch in der letzten Vereinssitzung allgemein getheilt wurde. Einmal hat bereits der österr.-Ungar. Cantorenverein an die Gesammtheit der Cultusbeamten Oesterreich - Ungarns appellirt, um eine ebenso nothwendige als segensreiche Institution, den Pensiousfond für Cultusbeamte aller Kategorien, ins Leben zu rufen, und was war der Erfolg der ganzen Action, die große persönliche und materielle Opfer gefordert hat? Auf die vielen Tausende der ausgesendeten Circuläre hat kaum ein halbes Hundert der Cultusbeamtenschaft reagirt und damit den Beweis geliefert, dass ihr jedes Verständnis für das eigene Wohl abgeht. Ein zweites Mal dieses oder ein ähnliches Experiment wagen, hieße unnöthiger Weise das Ansehen und die Casse des Vereines schädigen. Ja, wenn es sich um den Anschluss eines bereits bestehenden Vereines an den Cantorenverein handeln würde, dann könnte die Sache eher in ernste Erwägung gezogen werden. Im Uebrigen ist der Vorschlag des geehrten Einsenders heute nicht mehr zeitgemäß. Wir sehen, dass rings um uns die einzelnen Beamtenkategorien sich organisieren, dass Rabbiner. Lehrer re. Vereine bilden, und nur die Cantoren, die doch geeinigt ebenfalls eine imposante und achtunggebietende Corporation vorstellen würden, sollen der einheitlichen Organisation entbehren? Freilich Hätte der österr.-Ungar. Cantoren-Berein schon längst die Organisation der gesammten Berufsgenossenschaft dies- und jenseits der Leitha durchgeführt und auch in materieller Beziehuug viel Bedeutenderes schaffen können, aber immer waren es Störenfriede in den eigenen Reihen, die jede Action gehemmt und jedes Unternehmen lahmgelegt haben. In die Kategorie der einzelnen Hemmniße müssen wir auch die jüngst erfolgte Gründung des mährischen Cantoren-Verbandes rechnen, und wir stehen nicht an zu erklären, dass jene Collegen, welche diese neueste Gründung favorisirten. in leichtsinniger und frevelhafter Weise, nur um den persönlichen Ehrgeiz zu befriedigen, die allgemeinen Interessen des Cantorenstandes geschädigt haben. Zu dieser Erkenntnis werden auch allmälig die mährischen Cantoren gelangen, und zwar dann, wenn, was wir in nicht allzuferner Zeit erwarten, der angebliche Zweck der Neugründung sich als Utopie erwiesen haben und den Bestand des Duodez- Vereines in Frage stellen wird. Angesichts solch betrübender Erscheinungen ist es um so erfreulicher, dass gerade jetzt aus allen Th eilen der österr.-ung. Monarchie Stimmen laut werden, die für die Vereinigung der gesammten Berufsgenossenschaft eintreten, und umsomehr Anerkenuung verdienen jene Männer, die zu diesemBehufe bereit sind, ihre Kräfte in den Dienst der allgemeinen Sache zu stellen. Collegen, folget dem Rufe, der vou hervorragender Seite aus Ungarn, Böhmen und Schlesien an Euch ergeht, dann kann es nicht uichr lange dauern, dass ein imposanter Cantorentag Zeugnis gibt von der Solidarität der gesamniten Berufsgenossenschaft und dem Cantoreustande die langgewünschte Einigung bringt. Neber das jüdische Neritativ*). \ Mehrere an mich gerichtete öffentliche und private Interpellationen veranlassen mich zu erkläre!», dass es nach meiner, einer mehr als 40-jährigen synagogalgesanglicheu Thätigkeit entstammenden Erfahrung von geradezu geisttödtender Wirkung ist, wenn Cantoratseleven es sich zur Aufgabe machen, sogenannte Muster-Recitative auswendig zu lernen und beirn öffentlichen Vorbeten zu verwenden. Meister- oder Musterrecitative sind gleichsam als Vorlegeblätter zum Nachzeichnen zu betrachten, besonders sympahtische können ja hie und da auch gesungen werden, dieselben jedoch als ausschließliche Vortragsnunnnern zu wählen, kann Niemandem anempfohlen werden. Was den weiteren Vorwurf betrifft, ich hätte bei Aufstellung meiner Synagogentonarteu ״dies und jenes vergessen", das könnte schon möglich sein; allein gerade die mir vorgeworfenen Stellen: z. B. die beiden Hafthora-Brochos finden in meinen ״Tonarten", S. 18 Zeile 19 —20, entsprechende Erwähnung,allerdingsunterderBezeichnttng״SingweisederHafkhora". Es ist mir auch jetzt noch nicht bekannt, dass die Hafthora- Vor-Brochos eine andere Cantilation als die der Hafthora- Neginoh haben-. Bezüglich der Nigunim für Pessach u. Schewuoth befinde ich mich in Verlegenheit, indem ich nicht weiß, was ' der Herr Interpellant unter Nigunim für Pessach und. Schewuoth . versteht, welche der modernen Skala entsprechen, doch mit der Annahme, dass die Naaro^ss-Jntonation von 80110108di; regolim auf öern Mogen-owaus-@teiger, beziehungsweise auf der ' aeolischen Tonfolge beruht, ist der Herr Interpellant im Unrechte; j denn dieses Scholosch־regolim־Maaro;w־es ist, wie allbekannt, , und was auch in meinen ״Tonarten", S. 16, Zeile 10 (Notenbeilage : T. 5 Nr. 11) dargelegt erscheint, ausschließlich auf fcer Jischtabacli־ Steigerskala aufgebaut. Was die Chanuka-Melodie betrifft, so : kann dieselbe naturgemäß nicht älter als Channka selbst sein, und da dieselbe zudem auf der modernen Our-Skala anfgebaut ׳ ist, so brauchen wir uns um diese Antiquität nicht zu. sehr zu. ereifern. Ich habe auch nichts dagegen, dass der Herr Interpellant den U6i1a11-Laääi8011 als auf der modernen Skala erbaut anniunnt, wie überhaupt jedwede Kundgebung von der Auffindung einer neuen Tonleiter auf Grund des Chasonns dankbar begrüßt werden dürfte. Ich, für meinen Theil, bin zur Ueberzeugung gelangt und habe dieser meiner Ueberzeugung auch in meinen ״Tonarten", S. 15 und 16 erschöpfenden Ausdruck geliehen, dass aus unserem Chasonns nicht mehr als die drei aufgestellten Steigerskalen, höchstens noch eine Mischgaltung, herauszudeuteln sind, dass ich jedoch selbst die beiden Skalen Mögen owaus und Adonoj moloch, als auf nicht jüdischem Boden entstammt, sehr gerne als Preis einsetze, wenn es uns nur gelungen ist, unsere auf jüdischem Boden entstandene und bei keiner anderen Nation nachweisbare Scala E. E. Gris A. H. C. D. E. als ausschließlich jüdische Skala anerkannt zu sehen. Ich spreche den Herrn Interpellanten noch meinen innigsten Dank dafür aus, dass sie sich mit diesem hochwichtigen Gegenstände so eingehend beschäftigen, und es zeigt dieser Umstand gewiss von ihrem Bildungsgrade und von ihrem idealen Streben auf cantoralem Gebiete. Obercantor Singer, Wien. i *) Zur Beantwortung der Anfrage der Herrn Obercantor B. .Singer!J.nngbunzlau in dem׳ Artikel ״Das jüdische. Nccitativ in der Beleuchtung -der alten und modernen Tonarten" (S. Nr. 27 der österr. ung Cantoren- י' Zeitung. Jahrg. 1897).

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