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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-11-11 · Heft 27 (11.11.1897) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 27 (11.11.1897)
Date
1897-11-11
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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fehlte 6 Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung Nr. 27. Schoße der Erde befindlichen Mineralien, die in solchen Verhältnißen aufgehäuft und zusammengesetztsind, dass man dem.׳ Erdkörper eine vielhundertjährige Endwicklungs- oder Bildungs- : zeit unmöglich absprechcn kann. Ist es doch wissenschaftlich erwiesen, dass die Kohle hunderttausendc von Jahren zu ihrer: Formation bedurft hatte! Die meisten Mineralien haben sich-in! sehr langsamer Weise mittels des Feuers vereinigt, ändere haben sich Lurch ebenso allmählichen Niederschlag und Krystallisation gebildet, Mit der Bildung der Schichtender Erdrinde hat es gewiss ein׳ ähnliches Bewandtnis, wie mit dem Holze eines Baumstammes, der jedes Jahr um einen Ring stärker und iin Verhältuiße härter wird; mit dem Unterschiede jedoch, dass eine Erdschichte tausende von Jahren zu ihrer Bildung und Erhärtung bedurft haben mochte. Ihre Hauptursache mag die -Anschwemmung gewesen sein. Ferner, ist wissenschaftlichen Forschungen gemäß erwiesen, dass die Vege-׳ ration der Erdoberfläche vor Erlangung ihrer bleibenden Gestalt aus Pflanzen . und Thiercn unvollkommener Organisation 6e=; standen, wie uns dies erhaltene Ueberreste beweisen. Die Säuge-: thiere und die Menschen konnten damals noch gar nicht Nor- Händen sein; denn die ersten Spuren fossiler Knochen von Säugethieren finden sich erst in den lockeren Schichten des angeschwemmten Landes. Achnliche Spuren von Bildungsprocessen finden sich auch bei dem Monde. Wenn auch der allgemeine Ein- ' druck der die Mondoberfläche bildende Formation aus eine ganztiche Aehulichkeit mit derjenigen der Erde nicht hindeutet, so ist neuester Forschung zufolge die Beschaffenheit derselben doch so, dass auf ihr tiefe Einsenkungeu entdeckt wurden, die ringsum von regelmäßigen Wällen umgeben sind und das Aussehen von zahlreichen Kraterhöhlungeu tragen, die, wie es scheint, Beweise der Wirkungen mächtiger, vulkanischer Convulsionen sind. Auch an wirklichen Kratern soll cs da nicht ganz fehlen, um welche ringsum weithin verlaufende Auswurfsmaffen liegend) Die übrige Oberfläche besteht aus verhältnismäßig ebenen Flächen, die von einander durch Berggegendeu oder unregelmäßigen, zerklüfteten Hochländern getrennt und voll ansehnlicher Spitzen sind. Sir John Hcrschel hat auf der Mondoberfläche weite Sprünge diluvialer Ablagerungen, und Professor Phillips — eine berühmte Autorität — hat sogar viele Analogien zwischen den vulkanischen Bildungen der Erde und denen des Mondes,, sowie zahlreiche Andeutungen einer zerstörenden Athmosphäre entdeckt. Aus alledem geht nun hervor, dass zwischen der Bildung des Mondes und der Erde gewisse Analogien bestehen, und dass diese, sowie jene nicht aus einmal entstanden sein können, sondern einem laugen, revolutionirenden Entwicklungs- oder Bildungsproceß unterworfen waren. Auch hat ein merklicher und entschiedener Fortschritt in der wissenschaftlichen Kenntnis über das Wesen und die Constitution der Sonne zu ähnlichen Resultaten geführt. Denn durch die Ln neuerer Zeit mit geeigneten, zweckmäßigen Instrumenten angestellte Betrachtung gelaugte man zu den Wahrnehmungen, dass such die Oberfläche der Sonne keineswegs glatt und gleichförmig, sondern höchst unregelmäßig und wellenförmig ist, wie ein wogender Meeresspiegel. Sie scheint mit einer Unzahl kleiner, gleich großer Körner von verschiedenen Formen besetzt zu sein, die der außerordentlich weiten Ferne wegen so erscheinen, in Wirklichkeit aber Erhöhungen sind, die mit entsprechenden Höhlungen und Vertiefungen abwechseln. Diese Höhlungen, welche aus der 2) Vergl. Balta's Erdbeschreibung, L S. 39. Ferne als bloße Sonnenflecken sich bemerkbar machen, .sind astronomischen Forschungen, zufolge als mehr oder minder tiefe Abgründe zu betrachtenwelche mit Sonnenvulkanen in Verbindung stehen und gewiss nur in frühzeitigen, stürmischen Bewegungen und Ausbrüchen, die zur Zeit des Entwicklungsprozesses des Sonnenkörpers stattfanden, ihre Erklärung finden. Wie bei dem Erdkörper kommen wohl, auch zuweilen Neubildungen auf der Oberfläche der Sonne vor; die meisten: stammen, aber aus jener Zeit her, in der die Sonne sich in gottgewollter Weise, aus den verschiedenen Materien heraus, . entwickelt hatte. Haben nun Sonne, Mond und Erde ihre EnLwicklungsperiodc aufzuweisen, so hat sie die andere Körperwelt gewiss nicht mindert) Schon Maimonides stellt es als Bedingung für bas Verständnis der mosaischen Schöpsungslehrc auf, dass nicht: alles, was hinsichtlich des Schöpfungswerkes'darin enthalten ist,- immer imwörtlichen Sinne ausgefasst werden darf, wie dies die un wissende Menge thut; 4). ״ denn diese wörtlich genommenen Texte", sagt er, führen zu einer großen Wirrnis der Ideen: und zu irrigen Begriffen von Gott und? von der. Thora im Allgemeinen. (Fortsetzung folgt.) Kieme Chronik. Mien. Sonntag, den 31. Oktober fand im Leopoldstädter Tempel die Trauung des Herrn Dr. Paul W i n t e r n i tz mit Frl. Gisela Steingrab er, Tochter des Herrn Jnspector Steingraber, statt, welcher ein äußerst distinguirtes Publikum, darunter viele hervorragende Künstler, beiwohnte. Den Traüungsact vollzogen Rabbiner Dr. Schmiedl und Obercantor Goldstein. — (Israelitisches Altersvers orgungsh ans). Donnerstag den 4. November versammelten sich die Mitglieder des Cultusvorstandes, u. zw. Präsident H Klinger, die Vice-Präsidenten Dr. Alfred Stern und Dr. Gustav Kohn, die Vertreter I. Hieldburghäusser, Baurath Th. von Goldschmidt, Baurath Wilhelm Stiaßny, die Vorstands-Mitglieder Dr. Alfred Berger, Dr. Josef Grünfeld, Carl Kohn, Salo Cohn und Arthur Edler von Mises im Altersversorgungshause der israelitischen Cultusgemeinde XI., Seegaffe 9, um die zur Aufnahme von Pfleglingen hergestellten Räume im II. Stockwerk, zu besichtigen. Nach erfolgter Besichtigung begaben sich die Vorstandsmitglieder in das im selben Hause befindliche Betlokale, woselbst Herr Baurath von Goldschmidt als Obmann der III. Section dem Präsidium für die energische Durchführung dieser Angelegenheit, sowie dem Erbauer des Hauses, Herrn Baurath Stiaßny, für die mustergiltige und selbstlose Ausführung der einschlägigen Bauarbeiten den wärmsten Dank zum Ausdrücke brachte. Präsident kais. Rath Klinger sprach namens der GMeinde dem Erbauer des Hauses, der sich hierdurch ein bleibendes!Denkmal in der Cultusgemeinde errichtet habe, den Dank. aus..und gedachte bei diesem Ansass der Verdienste des Herrn Philipp Thorsch, welcher über Vermittlung des Vicepräsidentcn Dr. Stern durch die munisicente Spende von fl. 12.000 in thatkräftiger Weise dazu beigetragen habe, dass das Haus nunmehr in allen seinen Räumen seiner wohlthätigen Bestimmung zugefirhrt werden kann. In tiefgefühlten Worten sprach Baurath Stiaßny für die ihm widerfahrene Ehrung seinen Dank aus. Das Haus, welches bis nun 92 Pfleglingen Obdach und volle güte Verpflegung gewährt hat, wird nunmehr in der kürzesten Zeit 142 Greise und Greisinnen beherbergen. — Sonntag, den 7. d. M. fand im Stadttempel die Trauung des Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Heinrich G r imm, mit Frl. Gisela Beck, Tochter des Hoflieferanten Herrn Herm. Beck, Präses des Tempelvereines im VIEL Bezirk, in Gegenwart 1 > 3) dem bibl. Commentare von Keil und Delitz s ch wird der Ansicht entgegengetrcten, die bibl. Schöpfungst.agc seien Perioden. Auch widerstrebt diese Gegenansicht den wiffcntschaftlichcn Forschungen und werden dafür keine hinreichenden Beweise gegeben. (I S. 13.) *) More Nebuchim, IIV 29. . . -

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