Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 27 (11.11.1897)
- Date
- 1897-11-11
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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^r. 27. ־ Oefterreichisch-üngsarische Lantoren-Aeitung. Seite 5.. sei, der 'Wilhelm von Humboldt verstanden.. habe, und hem: es gelungen fei; die Sprach auffafsung aus. den Fesseln einer kleinlichen. Logikzu befreien und zu den Höhen der Psychologiezu erheben. Als - ,-alter . Freund ״ nahm dann Prof. Albrecht Weber, der Sanskrit-Forscher, voll Herzlichkeit das Wort: Wie: der Jubilar bei seiner wissenschaftlichen., Thätigkeit immer das Gemeinsame, und Einheitliche . :in der Entwickelung des menschlichen:Geistes herausgefunden habe, so . zeichne:sein ganzes Wesen, eine innere Harmonie aus, die ihm auch fernerhin verbleiben ׳möge.: Prof. Steinrhal dankte in schlichter Bescheidenheit für die chm. bezeugte Gesinnung. Die einzelnen: Gelehrten gratulirten dann persönlich, insbesondere auch. Geh. Rath. Weinhold. der . als Herausgeber: der ״Zeitschrift des: Vereines . für Volkskunde", die einst von Steinthal und Lazarus geleitete״Zeitschrift für vergleichende Sprachwissenschaft und Völkerpsychologie fortgesetzt hat.: Im Namen der Humboldt-Akademie,, zu der Prof. Steinthal mit den Grundstein gelegt haftsprachDr. Max Hirsch. Sodann kam noch ein Vertreter der Hochschule für die Wissenschaft des Jüdc-nthumszu Worte/. Abends: erschienen - die Hörer . dieser Lehranstalt sowie die Vertreter״ der Anstalten der jüdischen Gemeinde. Wie die ״Corr. fift Kunst und Miss." meldet, hat der Kaiser dem Jubilar: den' Kronenorden 3. Classe mit der Zahl 50 verliehen. . ' . - :' ״Es werde Licht!" : ' Ein Beitrag zum Kommentar der Schöpfungsgeschichte von Rabbiner׳ " ' I.. Sei um. J .., (Fortsetzung aus Nr. 10 vom 1. April 1897.);: Der im Meerstoffe sich vollziehende Gährnngs-Ansscheiduugs- und Bitdungsprozefs geht nun auf den Willen der impulsivenden,- geheimnisvollen Macht W' SchöpsNngsgeistcs, .nämlich des über dem chaotischen Welturgruude : schwebenden ״Ruach Elohim" schöpferischen ״Gottesodcm", .in einen:Lebensprozess über, wodurch die Kräfte und Gesetze: der Natur zur Herrschaft gelangen. Erstcre beginnen sich zu regen und':werden durch letztere theils gebunden, theils ihrer.' Bestimmung zugeiviesen.' Denn sd wie die unergründliche göttliche - Ästnsstcht.. sich'.. .die- Elemente: und die ׳chemischen.׳׳Prozesse.-zu.-Dienern״.bestellt. hat, um durch sie den ewigen Wechsel in der Natur hervorzubringen, den wir tag- ^täglich -um.. uns.cher. ,wahrnehmen, unh um-durch dieselben un- .:unterbrochen Neue Wesen - und:-Produkte aus, dem Tode des . Nichtseins immer wieder hervoiMbringen^), so waren es chemische ' Vorgänge oder die Lebensprozefft-, durch welche, dem. Machtgebote des Schöpfers folgend/ alles Tödte und Regungslose im urwelt- Glichen Chaos zum Leben sich heraus entwickelte und den Gesetzen der Natur, unterworfen ward'. Wir gelangen demnach zu dem : Resultate. , Die Weltschöpfung ist die Summe der Entwickelung 'aller organischen und nichtorganischen.Kräfte und Produkte im Bereiche der Natur und der ihr gegebenen nothwendigen, ewigen Gesetze. Wie groß wäre daher der Jrrthum Jener, die glauben wollten, im Stoffe selbst liege die Kraft seiner Bewegungs- Fähigkeit. Warum z. B. bewegt der tobte Menschenleib sich nicht? ' Weil -ihm dazu das schöpferische Naturgesetz, entgeht! Warum ׳ geht die Feder in dem . mechanischen Werke? Warum äußert der Dampf seine Spannkraft?' Weil das schöpferische Naturgesetz -. ihnen: nicht nur die Kraft dazu, verleiht, sondern das unumstößliche r:Gebot dazu gegeben hat/ :!) In diesem Sinne heißt es in der synagogalen Liturgie: בראשים NVV2 בטובו בכל יום nEr erneut in seiner Güte täglich Werke des Anbeginn.« . , . .. Wie ״bildend, belehrend, :und veredelnd ist daher diese biblische Lehre von. der Schöpfung für jeden denkenden Menschendie ihm. über diesen Vorgang und Wechsel andeutungsweise Aufklärung und ihm dadurch eine gewisse Einsicht in die Wunder der Schöpfung gestattet! Diese tiefere Einsicht wird den menfchlichen Geist: nicht nur zur höherer Ausbildung und Vervottkommnung führen, sondern sie muß ihn zugleich mit größter Bewunderung und mit. innigster Verehrung gegen Den erfüllen, der in diesen Wundern uns seine unerforschliche Allmacht und Weisheit offenbarte/ . Die Vollziehung dieses Belebungsprozesses der ganzen Natur stellt uns die mosaische Schöpfungslehre, dem allgemeinen Fassungsvermögen der Menschell entsprechend, sinnbildlich in einer Zeit- Periode, von sieben Schöpfungstagen dar, wohl im Sinne des biblischen, die Ewigkeit Gottes darstellenden Satzes: אלף שבים ״ בעינך ביום. אתמול בי יעביTausend Jahre sind in deinen (Gottes) Augen wie ein vorübergehender Tag." In Wirklichkeit aber haben wir uns in diesen Tagen eine Anzahl von Entwicklungs- oder Evolutions-Zeiträumen vorzustellen, innerhalb welchen das Weltall allmählich zur Entfaltung gelangte. Jeder dieser Entwicklungsabschnitte kann, wie die neueste Erdbildungslehre (Geogonie) : nachweist, viele Jahrtausende beansprucht haben. Auch bei den Propheten findet sich in figürlicher Redensart "N יום ein ״Tag Gottes", worunter nichts als ein langer, unbestimmter Zeitraum, verstanden wird. . Diese Wahrheit, findet nicht nur durch die Wissenschaft ihre Begründung, sondern das biblische Schöpfungsbild selbst legt dafür Beweise ab. Denn nicht die Form- und Darstellungsweise, sondern die Idee, welche der Form zu gründe liegt, ist es, welche uns dargestellt werden soll.; Blicken wir auf die geologischen Berhältniße des Erdkörpers, so machen wir. die Wahrnehmung, dass er nicht vom Anbeginn so ׳ beschaffen war, wie: wir ihn heute finden. . Hier zeigt sich, uns an der -Oberfläche der Erde eine größere oder :kleinere Ebene,: dort ein Berg oder eine Hügelreihe; hier stießt ein kleiner Bach durch eine unansehnliche Schlucht, dort׳ durchströmt ein gewaltiger Fluss Thäler und Fluren; da ist ein Teich, dort ein See u. >dgl. Denn so wie wir jetzt noch zu Zeiten von Erdbeben, oder von feuerspeienden Bergen hören, wodurch Landstriche erschüttert, erhoben oder versenkt werden, , so geschah es gewiss in/der Vergangenheit, noch bevor Menschen "die Erde bewohnten, in weit größerem Maße. Meereswogen stürmten über das .'feste Land, zerstörten oder verwandelten es in tiefen Meerbaden;, oder sie zertrümmerten Gebirge und warfen da Land Massen auftwo früher: Wasser sich-befand. Die Heber־ reste jener zertrümmerten Gebirgsketten ..wurden in die. Ferne versetztwo sie sich ablagerten und Felsblöcke oder Felssteine bildeten oder als Gerolle auf dem Meeresgründe oder an den Ufern der Flüsse und Bäche eine ewige Ruhestätte fanden. Die ׳Erdoberfläche ׳musste vor .ihrer vollständigen Formation zumeist eben. sein, und ׳ erst : die - erlittenen, gewaltigen Stöße und Er- /schütterungen konnten ihr die Gestalt verleihen, in welcher, wir : sie soeben finden. ־ . Wie die Oberfläche hat aber auch die Rinde der Erde; so tief man. bisher in dieselbe einzudringen vermochte, Spuren/aufzuweisen von den Umwälzungen, denen sie vor langer^ langer Zeit unterworfen gewesen: ist, und von den Berändernvgenj die \ sie. erlitten, bevor sic ihre dauernde; allgemein unveränderliche Beschaffenheit erlangt hat. Hauptsächlich sind es die sogenannten Schichten, aus denen die Erdrinde gebildet ist,sowic die im