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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-11-11 · Heft 27 (11.11.1897) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 27 (11.11.1897)
Date
1897-11-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seils 4. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. - - Nr. 27. welcher zm Zeit des 2. Tempels von Babylon nach Palästina verpflanzt wurde, wo die Synagoge (gleichzeitig mit dem Tempel zu Jerusalem) in״ den-, einzelnen Ortschaften des Landes ihren Bestaub hatte. Das Gebet nahm in der Synagoge die Stelle des ׳Opfers im Tempel ein, wobei der Scheliach-Zibbur den Priester zu vertreten hatte, indem er das Gebet (das Opfer) darbrachte. Er musste diesem gemäß als derjenige, welcher die,Gemeinde zu vertreten hatte, eine diesem hochwürdigen Amte entsprechend würdige Person sein, er muß nicht nur ein unbescholtener, bescheidener bei der Gemeinde beliebter Mann sein) sondern auch eine liebliche angenehme Stimme besitzen, so auch/in der Halocho (?).und ganz-besonders in der Liturgie bewandert sein.- - - - ׳Diese wichtige Institution des Porbeteramters hat im Laufe der Jahrhunderte viel,,von ihrer. ursprüngliche!! Bedeutung, dadurch eingebüßt, dass man zumeist nur den schönen Gesang in Betracht zieht und auf jede andere hiezu nothwendige Befähigunggar-keine Rücksicht nimmt. Man lässt ganz außer Acht, dass der vonder Gemeinde bestellte Vorbeter der Mittelpunkt des ganzen synagogcllen Gottesdienstes, dass derselbe in der Synagoge genau dasselbe ist wie der Priester im Tempel zu Jerusalem war.׳ -Es muß daher auch ganz unbegreiflich erscheinen, wie manche Rabbiner der. Gegenwart es ganz unter ihrer Würde finden, ein solches Vorbeteramt .auszuüben, auch ׳wenn sie -die Fähigkeit dazu Haber!; sie-fürchten sich dadurch einer Degradiruug ihres ehrwürdigen Berufes ׳ auszusetzen. Wir möchten im Gegentheil uns der Ansicht zu!neigen, dass an den Rabbinerseminarien diejenigen Caudidaten,, welche stimmbegabt sind, auch Unterricht im gottesdienstlichen Gesänge erhalte!! sollen, um nöthigenfalls als ' Vorbeter fungieren zu״ können. Eine solche Einrichtung müssteimrdazu beitragen, den Gottesdienst zu heben, und zu strrdern^^Hu---.a!!ch».auf. seine ursprüngliche, hohe Bedeutung zurüchzuführeu.mnb ihn! jenen religöfen Werth beizulegen, der ihm vor mehr-als 2000 Jahren gegeben wurde, dass er .nämlich im - Worte.-sowie im ^Geiste die Stelle der Opfer im. Heiligthume Gottes vertreten soll.. -. ׳ (flum 50-jährigcn Dactorjubiläum.) ' Am 1. Rovember feierte Professor H. Steinth al, der vor einiger Zeit-in einem geistreichen Aufsatze die jüdischen Cantoren zur. Pflege der traditionellen Melodien anfforderte, sein.50-jähriges Doctor-Jubiläum. Seine hervorragende Gelehrtenthäügkeit führte ihn weit abseits, von unserer Berufssphäre, und umsomehr ist.es anzuertennen, dass er seine Fürsorge den jüdischen Synagogenmelodien zuwendete, und aus Dankbarkeit möge ihm in diesen Blättern an seinem Jubeltage ein Wort des Grußes gewidmet-werden. Steinthal hat m seinen Schriften oft den kritischen oder gar den - Polemischen Ton der Philologen .angenommen; auch .sein Spürsinn hat einen philologischen Charakter. Seine Leistungen .aber gehen weit über das Feld der! Philologie -und auch der Lmguistik .hinaus. Wohl gilt., seine ״Charakteristik dex Hauptjächüchsteu Dypeu ׳ des ..Sprachbaues" (in. derersten .Hassung 4L50, erschienen) heute noch für < das .beste Werk überdiesen ,ShoW wohl ist seine ,,Geschichte der Sprachwissenschaft bei den Htchechen und Römern" ein vorzügliches, Werk;; seinen Rang in der Geschichte der Geisteswissenschaften beansprucht Steinthal jÄöch Lurch'das, was er durch seine Anregüngen für׳ die tiefsten Fragen der Sprachphilosophie gethau hat. Es wird' wohl sein Name an keine "geringeren' als . an die von, Herder und Wilhelm von..Humboldt, geknüpft. bleiben?! Er ist-, der .erste unter beri ] deutschen Denkern, die nach, ihnen. Lie'Frage,näch dem' Ursprung'' der. Sprache behandelt haben? Es ist -!!aflMch.!nicht.!moglich/7!n wenigen Zeilen einen Begriff von .Steinthals, Lebensarbeit gii geben. Nur eine Andeutung sei gestattet. 'Dein'alten thorichten Streite, ob die menschliche-Sprache eine göttliche Schöpfung oder. Menschenwerk sei,/Hütte Herderein Ende gemacht; als Aufklärer lehrte er, dass der Mensch sich dieses-Werkzeug selbst geschaffen, habe, aber er überwand die seichte Aufklärung , durch Aufstellung ’ einer Hypothese darüber-/: w! e Sprach e-eiitstehen konnte, und! dadurch, dass er sich von dem Denke!!, der.Hrzeii eine Vorstellung machte. Er hatte den Begriff der Entwickelung schon erfasst; die Sprache war ihm ein Werkzeug, das erst nach Jahrtausenden zu seiner:- gegenwärtigen Vollkommenheit gelangt war. Wilhelm v: Humboldb.war-'weiteh gegangen';, .'für-''ihn, war die-. Sprache kein. Werkzeug!!!ehr, sondern selbst ein Organisinüs! ein lebendes .Wesen mit, einer eigenen. Geschichte., Genial aber unklar ist Humboldt, der eigentliche Begründer .׳ der, Sprach- Wissenschaft 'geworden.. Steinthal,- der. Herausgeber!!nd.Erstärer vonHumboldtssprachwissenschaftlichen Werke!!, ist sein hedeüteiidster Nachfolger. Ex. forscht, ebenfalls nach de!!! Urspru!!g-der Spräche; aber-,.er? herfolgt .,das - Räthse.l! .nicht mehr in den Weisheit eines Spracherfinders, nicht, mehr.in. de.p Hunahbstren'-'Urzeit, sölideru . da,.' wo die Sprache,iinmer-noch täglich neu,entsteht,..heim Volkes beim Liede. - Steinthal, ist der. wichtigste . Anreger, der ,Bchks- Psychologie,. Es ist ja den .Denkern niemals gegeben, letzte Fragen zu beantworten, oft.können ste nur neue Fragen stellen. ,Steinthal hat. die alte Frage nach .dem ״Ursprung - der Hache"/ in .seinem Hauptwerke .zun! ersten .Male als Ägfg-ab'e,-, opx.. ׳Psychologie aufgefasst; und was auf diesem Gebiete in den letztenJährzeiiten gearbeitet, ,worden ist, das -steht unter den! Einflüsse.. dieses hervorragenden Mannes. Außerhalb' Deutschlands ist .seine Bedeutung oft und willig anerkannt worden, h^er..'Amerikaner Whitneybekennt sich als sein Schüler, , der Franzose Reimt! macht/ihm..eine ,tiefe Verbeugung, und-her Halbenglander Ätax Müller schuldet ihn! .mehr, - als er ihm durch Dank bezahlt... Zu Hause ist - Steinthal, nicht. dilrch Anerkennung v.erwHpt.!oord'en; er hatte äußerlich, .immer eine bescheidene- Stellung,•; bie vielleicht seinem. Sinne.,znsagte. , Schrieb, er .doch vox.>.4Ö.,Jahren Vorrede./seiner Hauptschrift :. -,״Ohne> eigenenU'sprn!!^?!,öhiie eigene Bewegung, nur mitten, im, gewaltigen Htryn!e der,Wifsen- .schaft möchte, ich sein, von ihm gedrängt, wenn auch.-die'steinste Welle.'". Hepte darf. Steinthal .stolz zurückbMen,,auf.düs.Werk .,seines!. Lebens c:..,,Die:׳-That üst. alles, Ruhm, ist uicht^fl..:, -! ..׳ Anlässlich des goldenen Doktorjubiläums e.mpfipg GteiuHal ,viele ehrende Kundgebungen Im Namen der Berliner Universität, der. Professor Steinthal, durch 47 Jahre.hindurch, seitte Lehrkraft .gewidmet hat, erschien der Rector Professor E.uststv SchmoÜe-r; .er, beglückwünschte den Jubilar mit einer,'.Ansprache, in die.er den? ״Pollen Accent persönlicher. Härme,4!!!d. sympathischer Hoch- .achtung" hineinlegte. Er, der- Redner habe, immer an Stei!!thal hie Universalität,seiner.,'G^lehrsamkest,.mntz....die Reinheit. seines Charakters bewundert.; ,glücklich ׳sei hie Zeit.-M!d ׳.hie Universttät, die..einen Manu von so vornehmer Gesinnung., als Lehrer begrüßen könne. Die philosophische Facultät hatte eine große ,Abordnungentsandt, ,.bestehend.?aus, dem, D!ecan,,Geh.. Hath -.Kekule!.vyn Str.adoyitz,. unh.Heu:,Professoren Heinhold,, ^Dittyry, Tobler״ Alhrecht Weber,.unh, ^Johannes.Schmch^; ,.He^ Hecan wies in seiner Rede darauf hin, dass Steinthal der erste gewesen

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