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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-11-01 · Heft 26 (1.11.1897) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 26 (1.11.1897)
Date
1897-11-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Oesterreich isch-ungarische Lantoren-Ieitung. dir,. M WhHeWdWnWoMri wir constatieren,. dass die Majorität der anweschdeuDerren. Collegen Pr euren Augen,. starken Verein: : ihUe Stimme Woben: hat:. Ws. einiger! Artikelnrmd! speciell der letzten Nummer der ״vsterr: ung: Cantorerl-Zeitung", ist klar ersichtlich, dass der löbl. Vorstand des Cantoren-Vereines dieselben Intentionen anstrebt und endlich die Devise ausgiebt, dass nur einzig und allein das ״vereinte Streben sämmtlicher College!!" und nicht das Zersplittern der Kräfte uns zum Ziele führen kann. Um dieses große und heilige Werk zu fördern, sind wir im Principe alle dafiir, auch im Böhmen Propaganda zu machen, und ersuchen den löbl. Vorstand des Cantoren-Vereines, uns einen derartigen M o d u s vorzuschlagen, der es uns ermöglicht, coMrätiv dem löbl. Vereine beizutreten. Da die nächste Zusammenkunft auf den 6. November a. c. anberaumt wurde, so ersuchen wir gefl. um recht baldige Erledigung dieser- Zuschrift und fertigen in ausgezeichneter Hochachtung und. Collegialität, Prag, am 24. Oktober 1897. Das prov. Comite. Salomon Moor, Adolf Brod, B6la Guttmänn, Efraim L. Teweles. Diese Zuschrift der Prager College» fand in der am 28. v. M. stattgehabten Vorstandssitznng des österr, Ungar. Cantoren- Vereines lebhafte Zusttnrmung, und wir hegen die vollste Zuversicht, dass es nunmehr gelingen werde, eine Einigung der gesammten Berufsgenossenschaft herbeizuführen. lieber die näheren Modalitäten hoffen wir bereits in nächster Nummer eingehender berichten zu können.^ '__ Ueber die EnUvickluug des Synsgogengefsnges Bon Obcrcantor Josef S i n g c r in Wien. HL Serie No VHL Der Cantor einer deutschländischen Großgemeinde soll in einem deutschen Fachblatte unlängst den kühnen. Ausspruch gethan haben, die polnischen Chasanim hätten viel zur Schädigung des modernen Cantorenthums beigetragen. Wahrscheinlich versteht dieser deutschländische College unter ״polnische Chasanim" diejenigen, die mit ihrem Gesänge in bettlerhafter Weise hansiren gehen, in großen Städten von Haus zu Haus und draußen im Reiche von Stadt zu Stadt ziehen, um für einen Schnorrgroschen ihre sogenannte Kunstfertigkeit an den Mann zu bringen. Wenn dem so ist, so müssen wir dem deutschen Collegen Recht geben; denn die Vertreter dieser Sorte von ״polnischen Chasanim" haben in der That einen geradezu zersetzenden Einstuss auf das jüdische Cantorat geübt, und noch heute ist, wenn auch von schwarzen, modernen Röcken und weißen Handschuhen überkleidet, der gewisse Schmutz, der an gewissen Menschen haftet, zu bemerken. Dieser Sorte von ״polnischen Chasanim" weichen wir bedächtig aus, wir haben vielmehr die Absicht, uns mit den Errungenschaften jener ״polnischen Chasanim" bekannt zu machen, welche trotz der eventuell nicht modernen Kleidung oder trotz des Festhalteus an dem Althergebrachten, den Gottesfunken des.Zdealismus.in sich .verspüren und. von dem hehren Bewusstsein durchdrungen sind, dass sie die heilige Aufgabe haben, in der langen Kette ein bedeutsames. Glied zu. bilden, welches .die alte Ehasanimzeit mit der Entwickelungsperiode des modernen Cantor'a.tes verbindet-.. Ein solcher Vertreterdes: ideälenpolnischen Chasaninrthum.es) ist der Herausgeber des. Uns vorliegenden Synagogengesangswerkes ״SchiratMakob"-HerrJalwbBachmann. Unserer-Gepflogenheitgemäß machenwir diegeehrten Leser zuvörderst mit dem Lebensabrisse des Herausgebers bekannt, indem wir dem geäußerten Wunsche Raum geben und die Selbstbiografie des Herrn Bachmann, zur: Zeit Oberean.tor an. der Rombach-Syuagoge in Budapest, zum Abdrucke gelangen,lassen. Herr Jacob Bachmann schreibt: ״Ich bin in Kischinew, der bessarabischeu Hauptstadt, die, trotzdem ihre Einwohnerzahl bald an 200.000 heranreicht, bis vor Kurzem eigentlich nur ein ungeheures, schmutzstarrendes Dorf war, im Jahre 1844 geboren. Ich habe sehr früh angefangen ״vorzubeteu", schon mit dreizehn Jahren, aber eigentlich nur gelegentlich, sozusagen im Vorübergehen. Natürlich verheirathete ich mich auch sehr früh, wie das in Rußland und Polen mit jüdischen jungen Leuten stets der Fall ist. Da musste nun an den Ernst des Lebens, gedacht werden, und so ״machte" ich denn eine Zeitlang in Handelsgeschäften, säug aber mehr, als ich rechnete—und eskam schließlich'so, wie es bei meiner stark vorherrschenden Neigung und Leidenschaft für das Gesangliche kommen musste: ich wurde ״Chasan", und zwar erst in Constäntinopel. Hier wollte es der Zufall, dass mich Professor Julius Sulzer hörte und mich dazu animirte, nach Wien zu fahren, um mich daselbst zum Opernsänger auszubildeu. Er gab mir ein Empfehlungsschreiben an den. damaligen Hofcapellmeister Proch mit, und als dieser meine Stimme ausprobirt hatte, führte er mich sofort in höchsteigener Person ins. Confervatorium, woselbst ich auch ausgenommen wurde. Proch selbst hat mich auch später in jeder Beziehung sehr gefördert und mir zweimal: wöchentlich Separatunterricht in Musiktheorie gegeben. An Anregungen fehlte es überhaupt nicht, man stellte mir eine glänzende Carriere in Aussicht, versprach,, goldene Berge . . . aber all׳ der Luftschlößer Herrlichkeit sollte bald, ach wie bald ein jähes Ende gemacht werden! Zu Hause, wo zur Bühne gehen, soviel bedeutete, als dem Glauben seiner Väter abtrünnig werden, war mein Aufenthalt in Wien verheimlicht worden. Ein Jsmailer Kaufmann, der in Wien weilte, erkannte mich, telegraphirte au meine Schwiegereltern, und hald waren sie Alle in Wien da und baten und drohten und drangen in mich . . . das Ende war, dass ich nach Ismail zurückkehren musste, wieder Kaufmann wurde und all' mein Geld verlor.-.׳: Ich wurde hierauf als Chasau an einer kleinen Synagoge in Odessa, der Synagoge am Neuen Markt, die bis auf den heutigen Tag besteht, angestellt. Hier waren es italienische Sänger, die die Rolle der bösen Buben spielten, die mich, zur Bühne lockten .. . Das gieug aber spurlos vorüber, nachhaltiger wirkte der Lockruf meines nunmehr in Gott ruhenden Bruders, Leon Bachmann (er galt als einer der hervorragendsten Architekten und Bildhauer Petersburgs), der mich nach Petersburg nahm und auf seine Kosten im Couservatorium, das erst vor Kurzem errichtet worden war, studieren ließ. Hier war es Anton Rubinstein, der unvergessliche Künstler, der sich meiner in wärmster Weise annahm und ein Interesse für mich bekundete, das er mir auch später während seines ganzen Lebens, bei jeder der häufigen Begegnungen, die ich mit ihm hatte,, lebendig erhalten hat. Es zählt zu den schönsten Erinnerungen meines.,Lebens, in Rubinstein stets einen theiluahinsvosten, Förderer . gefunden, zu haben.. •...•••־.'"י . Aber auch zu.Petersburg sollte., es mit. der.Bühnenlanfbahu nichts werden. Auf das Drängen meiner gottseligen Frau hin

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