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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-10-22 · Heft 25 (22.10.1897) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 25 (22.10.1897)
Date
1897-10-22
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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*Seite 6 'Jti25 .־. Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitlmg. Wien. Aus München berichtet mau vom 16. Oktober: Am letzten Sonntag hat der Wiener Componist Alexander Zemlinsky, ein noch sehr junger Mann, am hiesigen Hofthcatcr einer großen, wirklich unbestrittenen Erfolg errungen. Seine dreiactige Oper ״Sarcma", welche hier gelegentlich der vorjährigen Preisausschrcibung einen Preis davon getragen hatte, ist das Erstlingswerk eines ausgesprochenen Talents, und man kann sagen, dass in dem stürmischen Bcifallc, der den ganzen Abend hindurch herrschte, eben die Freude jubilirte, einem wirklichcn Talent aus der Spur zu sein. Zemlinsky hat seinen guten Geschmack schon durch die Wahl eines wirksamen Textes bc- : wiesen. Derselbe ist dem Gottschall'schcu Gedichte ״Die Rose von Kaukasus" entnommen, von Arnold S ch ö n b e r g dramatisch bearbeitetet und hat dem Componisteu reiche Gelegenheit geboten, seine musikalische Begabung und seinen scharfen Blick für die Bühne zu documentieren. Zemlinsky individualisirt kräftig in dramatischer wie musikalischer Hinsicht. In letzterer zeigt Zcmlinsky, so berichten Münchner Blätter, dass er die Compositionstechnik derNeuzeit vollauf kennt und sicher beherrscht; er hat sich ihre Errungenschaften zu eigen gemacht, ohne Labei seiner Eigenart verlustig zu werden. Diese Eigenart besteht neben durchaus theatralischen Empfindungen in einem frischen und gut entwickelten Sinne für natürliche Melodik. Dabei ist die Harmonisation wie die orchestrale Stimmenführung durchaus modern und färbenprächtig und berücksichtigt fast immer die Möglichkeit des Hervortretens der menschlichen Stimme. Prag, 18 October. Die Repräsentanz der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde hat in ihrer gestrigen Sitzung einstimmig beschlossen, sich dem Proteste der Wiener israelitischen Cultusgemeinde gegen die in dem Anträge des Wiener Vice-Bürger- Meisters D r. N e u m a y e r enthaltenen groben Verdächtigungen und Ausschreitungen gegen das Judenthnm und die Juden vollinhaltlich anzuschließen und auch ihrerseits diese grundlosen Be- Hauptungen als durch die israelitischen Religions-Vorschriften, wie auch durch das im Laufe von Jahrtausenden bewährte religiöse und moralischeVerhalten derJuden vollkommen widerlegt zurückzuweisen. Lembrrg, 19. October. (DasStaatsgrundgesetz Lei den galizischen Ob ergerichtcn.) Au den Justizminister Grafen Gl eispach wurde heute eine Eingabe gerichtet, in der sich die jüdische» Nechtspraktikanten in Galizien darüber .beklagen, dass sie bei Besetzung von Gerichtsstellcn systematisch übergangen und von der Verwendung im Justizdienste principicll .ausgeschloffen werden. Im Krakauer Obcr-Landesgerichtssprengel fei seit dem Jahre 1886 kein einziger Jude zum Gerichts- Auskultanten ernannt worden. In den meisten Fällen wurden . so wird in der Eingabe behauptet, die ablehnenden Erledigungen der Aufnahmsgesuche jüdischer Bewerber mit nicht näher bezeichneten ״Hinderuißcn" begründet. Das Präsidium des genannten Obergcrichtes mache auch kein Hehl daraus, dass der Ernennung jüdischer Competcnten nur ihr Religionsbekenntnis im Wege stehe. Nicht viel besser sei es mit den jüdischen Nechtspraktikanten im Lemberger Ober-Landesgerichtssprengel bestellt. Die traurigen socialen Eonsequenzeu eines solchen Vorgehens bleiben durch:׳den Umstand unberührt, dass die wenigen Juden, welche bereits richterliche Aemter von früher her bekleiden, theilweise in der hierarchischen Stufenleiter vorrücken, denn es handelt sich Hauptsächlich um die Berechtigung der Gesammtheit, für ihre Mitglieder den Zutritt zum NÄHtcramte zu erlangen. Mit Rücksicht darauf, dass das Erwcrbsgebiet der jüdischen Bevölkerung von - Tag zu Tag immer mehr eingeengt wird, wirke die Verdrängung der jüdischen. Candidaten aus dem Justizdienste auch auf die ökonomischen Verhältuiße entsprechend zurück. ׳' EMgg. Die Jnstallationsfeier des neuen Oberrabbiners, " Dr. Armand Kaminka, in der hiesigen Gemeinde gestaltete sich am 22. v. M. zu einer imposanten Kundgebung der Sym- / pathie für den neugewählten Priester und Diener Gottes. Sr. Ehrw. traf am 22. Früh von- Prag mit seiner aumuthigen / Genlahlin am hiesigen Bahnhofe ein und wurde daselbst vom ^Memeindepräses, Herrn Dr. H.'S'pitzer/ ein'Sohn desver- - ewigten Oberrabbiners, sowie von sämmtlichen Vorstandsmitgliedern der Chewra -Kaöischa-VorstehUng -erwartet. Der Präses Dr. Spitzer hielt eine Ansprache, worauf Dr. Kaminka die Vorstellung der erschienenen Herren entgegen nahm. In feierlicher Weise wurde um 10 Uhr Vormittags der neue Oberrabbiner installirt. Im glänzend beleuchteten Tempet hatte sich zu der schönen, seltenen Feier ein dichtgedrängtes Publikum tu Festkleidern eingefunden. Unter den geladenen Gästen erschienen: Generalmajor H a l l a w a n j a v. R a d o i 6 i c mit zahlreichen Stabs- und Oberosficieren, Oberst Ritter v. Auffenberg, zahlreiche Deputationen der benachbarten isr. Cnltusgemeinden, darunter auch jene aus Agram mit dessen Präses, Herrn S i e b en s ch ein, seitens der kgl. Freistadt Essegg der Bürgermeister, der Stadthanptmann, mehrere Stadt- und Gemeinderäthe, Geistliche zweier Confessionen, der Präsident des kgl. Gerichtshofes, sowie der Finanzdirector und der Vicegespan v. Oavrak, ferner die Rabbiner Dr. H. Jakobi aus Agram, Dr. I. Diamant ans Vnkovar, Dr. Flesch aus aus Mohacs, Dr. Kaufmann aus Vervcze, S. Winter aus Nasic. Punkt 10 Uhr gieng die Jnstallationsfeier vor sich. Oberrabbiner Dr. Kaminka wurde durch eine Deputation eiugeholt, und als er das Gotteshaus betrat, übergab ihm Vorsteher Dr. Spitzer den silbernen Schlüssel zum Tempel. Denselben übernehmend sprach der neue Seelsorger den Wunsch ans, dass dieser Schlüssel nicht nur das Innere 'des Tempels öffne, sondern er möge auch der Schlüssel sein, der zu den Herzen aller Gemeindemitglieder führt. Sodann begann der Festgottesdienst mit einem von unserem trefflichen, hier seit mehreren Jahren allgemein beliebten, tüchtigen Obercäntor M. Friedrich wohleinstudirten Na to־wu. in F-dur von Sulzer, ferner Psalm 111, ode es adonoi, was die Festversammlung zur weihevollen Andacht stimmte. Hierauf hielt Oberrabbiner Dr. Jakobi in kroatischer Sprache die Begrüßungs- und nach ihm der neue Oberrabbinerv Dr. Kaminka die Antrittsrede, worin er sein Programm entwickelte. Er gedachte des modernen Gottesdienstes, betonte, dass man jedoch die alten Sitten und Gebräuche nicht in den Hintergrund drängen, sondern dieselben hochachten und lehren soll. Sodann, kam Redner auf die Bedeutung der Schule für die Erziehung, des Nachwuchses zu sprechen und schloß seine von einem seltenen Gedankenreichthume zeugende Rede mit einem Gebete für Kaiser, König und Vaterland, für die Behörden, für Stadt und Gemeinde. Mit einem herrlichen Gesange des Jigdal mit Chor und Orgel- Begleitung .und der Volkshymne schloss, die schöne,. erhebende .Feien. Zu Ehren des installirten Oberrabbiners fand um.2 Uhr Nachmittags, im bürgerlichen Casino-Saale ein Festbankett statt, an dem all die oberwähnten Notabilitäten des Militärs, der Stadt, der Lehrkörper aller Confessionen und viele Gemeinde- Mitglieder, circa 120 an: der Zahl, theilnahmen, wobei es an ::schönen Toasten in großer Zahl nicht , fehlte, die einen Beweis lieferten, wie in hiesiger Stadt, überhaupt hier im Lande, alle Confessionen in schönster Harmonie, Eintracht und Brüderlichkeit zusammen lebeit. Sam. Stadl e r, Hauptschullehrer. Kafrhau. Die ״Kauschauer Zeitung" schreibt über den Gottesdienst an denNcujahrstagen: ״Das Gotteshaus, ein Meisterwerk architektonischer Bauart, war in allen seinen Räumen gefüllt, und weihevolle Klänge aus dem Münde des hiesigen, in allen Ehren ergrauten Vorbeters, Herrn Kalmann W a l d, durchzitterten die Lust und leiteten die Herzen der Gläubigen zum Schöpfer und Lenker alles Wesens. Diese stimmungsvolle Andacht erreichte aber ihren eigentlichen. Glanzpunct, als der verdienstvolle Obercäntor, Herr David Sch l o m, der über einen Hcldentcnor von riesigem Umfange verfügt, sich mit: seinem wohlgeschulten .-Chorpersonale: dem Betpulte näherte, um durch seinen stimmnngsvollen, harmonisch in einander greifeud.en Vortrag, die andächtige Menge zu bezaubern. Ob dieses vorzüglich gelungencu:Vortrages verließ auch die andächtige. Menge. in gchobctler Stimmung und sichtlich erbaut die. Stätte der Andacht, um. am 2. Neujahrstage den Gottesdienst, durch noch: schöneren Gesang verherrlicht, .anzuhören. Unter, dem mitwirkenden, doppelten,,Quartett'verdient ganz besonders hcrvorgehoben zu.:werden der Chordirigcut- Herr Biz'e-nsv cr,: der vorzüglich geschulte, musikalisch:gchildeteBassist ...Heru.Sch w alb und der .Tc.nvristz Herr R:e r ch m a n n, -: denen man allenthalben Dank und Anerkennung zollte."

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