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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-10-22 · Heft 25 (22.10.1897) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 25 (22.10.1897)
Date
1897-10-22
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Oesterreich isch-ungarische Lanwren-Zeitung. dir. 25. Der Mange! an ständigen Gotteshäusern, der die gerügten Uebelstände herbeisührt, macht sich jedoch in Wien nicht nur au den hohen Feiertagen, sondern auch an den übrigen Festtagen geltend, besonders an jenen Tagen, an denen die Seelengedächtnisfeier abgehalten wird; da kann man in allen Bethäusern die Vorhäuser gefüllt und zudem auf der Straße noch viele Leute sehen, die gar keinen Einlass mehr gefunden haben und ohne Gebetsverrichtung abziehen müssen. Es wäre ein großer Fehler, den großen Jndisfereutismus der die weitesten Kreise in religiösen Dingen beherrscht, noch dadurch zu nähren, dass mau einer Anzahl von Glaubensgenossen auch den letzten Anlass, das Gotteshaus ausznsllchen. unmöglich macht, und darum ist eine Reform nach dieser Richtung dringend geboten. Der Einwand ist wvl nicht ungerechtfertigt, dass für gewöhnliche Zeiten die bestehenden Gotteshäuser genügen, und dass die Gememde nicht über die nötigen Capitalien verfügt, um neue Gotteshäuser zu erbauen; aber man darf auch nicht vergessen, dass es einerseits Pflicht der Cultusgemeinde ist, zu allen Zeiten für die Befriedigung der religiösen Bedürfniße der Glaubensgemeinschaft Sorge zu tragen, und dass ihr anderseits zur Erhöhung ihres Einkommens durch das Gesetz genügend Mittel and die Hand gegeben sind, um auch Jene zur Beitragsleistuug für Cultuszwecke herauznziehen, die sich bisher dieser Pflicht entzogen haben. Wenn sie von diesen Mitteln energisch Gebrauch macht und auch für die große Zahl der kleinen Leute die Cultusfteuer etwas herabsetzt, dann wird es ihr gewiss gelingen, ihr Einkommen bedeutend zu erhöhen. Fast ein ganzes Jahr dauert es noch, bis die angeregten Fragen wieder acut werden, und wir möchten es dem löblichen Cultusvorstaude besonders aus Herz legen, in der Zwischenzeit. denselben etwas näher zu treten. y. Von Obercantor Singer in Wien. Nach den Tagen, an denen wir jüdische Cantoren soviel Zu! singen und zu sagen hatten, dürfte ein Hinweis auf die größeres und mindere Deutlichkeit der Textaussprache beim Singen und : Recitiren nicht unwillkommen sein. Es sei daher gestattet, diesem! überaus wichtigen Gegenstände etwas näher zu treten, indem wir die Frage aufwerfen, woher es kommt, dass öfters Cantoren: mit geradezu großen Stimmmitteln bezüglich der Textaussprache viel undeutlicher erscheinen als solche, die über mindere Stimmkx.aft verfügen. Fassen wir diese sonderbare Erscheinung — nicht, etwa wissenschaftlich, sondern nur vom praktischen Standpunkte auf, so kommen wir alsbald zur Ueberzeugung, dass die Ursache zuvörderst in der minderen oder beträchtlicheren Oesfnung des Mundes zu suchen sei; allein mit der lediglichen Erweiterung des Mundes wird der angestrebte Zweck der Deutlichkeit doch nicht so erschöpfend erreicht, als dass dieselbe als abhelsendes Universahnittelchen gegen Undeutlichkeit anempfohlen werden dürfte, wenngleich auch das Oeffnen des Mundes wesentlich zur Deutlichkeit der Aussprache beiträgt. Wir legen einen großen Werth -daraus, dass der ausübende ,Sänger die Geheimniße seines Instrumentes, mit welchem er zu arbeiten hat, etwas genauer kennen .lernt, und hiebei dürfte es allerdings schwer fallen, einer Muen.theoretischen Erörterung ganz aus den: Wege zu gehen. Mer Morte ,rezitirende Sänger .muß vor'allem darüber aufgeklärt-fehl, Hass Töne .und Morte nHt von ein und demselben Instrumente hervorgebracht werden, sö sehr diese Annahme bei oberflächlicher Betrachtung berechtigt erscheint. Töne werden ausschließlich von den Stimmbändern (Stimmritze) erzeugt, der Helle oder dunkle oder sonstige Charakter der Singtöne ist jedoch von der Beschaffenheit (Stellung) der Rachen- und Mundhöhle abhängig; die beiden letzteren Theile des Stimmorganes (Ansatzrohr) müssen bei der Tonbildnng bedeutungsvoll Mitwirken, wenn unsere Stiunne den mannigfachen (Hellen oder dunklen) Schattirungen entsprechen soll. Indem wir von Tonschattirüng sprechen, sind wir mit einem Schritte bei der Vokal-, beziehungsweise Wortbildung angelangt. Wir wiesen bereits oben darauf hin, dass dunkle oder Helle Tonklänge von der Beschaffenheit (Stellung) der Rachen- und Mundhöhle abhängen; dasselbe gilt auch von der Vokalbildung. Hier in der Nachen- und Mundhöhle ist die Werkstätte, wo die Worte (Vokale)!erzeugt werden, und es ist ja als Meisterstück der Schöpfung genügend bekannt, wie minutiös auch die anderen Theile der Rachen- und Mundhöhle (Zunge. Zähne, Gaumensegel rc) Mitwirken müssen, wenn eine tadellose Anssprache erzielt werden soll. An dieser Stelle können wir mit Rücksicht auf Raumüberschreitung diesen wichtigen Gegenstand allerdings nicht erschöpfend behandeln; unsere Absicht geht vielmehr dahin, die minder eingeweihten Collegen auf dieses bedeutungsvolle Gebiet aufmerksam zu macheil lind vielleicht zum weiteren Studium zu veranlassen. Zum allgemeinen Verständniße des Obenangeführten jedoch gestatten wir uns, von den vielen akustischen Versuchen und Aufstellungen berühmter Männer e i n gewonnenes Resultat hier anzuführen, welches am eindringlichsten beweist, dass die Mund- und Rachenhöhle bei der Wort-(Vokal-) Bildung eine Mannigfaltigkeit der Form erfahren muß. Der berühmte Gelehrte Du Bois Reymond stellte bei seinen Versuchen fest, dass die Mundhöhle bei dem Vokal A eine trichterartig sich erweiternde Gestalt, bei den Vokalen 0 und U die Form einer Flasche ohne Hals, bei den übrigen Vokalen diejenige einer Flasche mit sehr engem Halse annehme. Ein einfacher Hinblick ans dieses von einem maßgebenden Gelehrten gewonnene Resultat zeigt uns also, dass zur Hervorbringung verschiedener Vokale auch die Mundstellnng eine verschiedene sein müsse. Da es jedem von uns genügend bekannt, dass die Töne auf den Vokalen A und J Heller klingen, als die Töne auf den Vokalen 0 und II, so ist hiemit zugleich der Beweis erbracht, dass die strenge Abstufung der Tonschattirüng mit der Vokalbildung Hand in Hand gehe uiii) dass beide von der Form des Rachen- und Mnndraumes abhängen. Wie wäre es nun möglich, dass Sänger mit ewig gleicher Mundstellung verschiedene Vokale hervorbringen könnten? Und wie wäre es weiter möglich, dass Sänger, die nicht vollständig .Herr ihrer Mnnd.stellung und des Rachenraumes sind, einer Gesangsleistung die nöthige Schattirung verleihen könnten? Und dennoch wird so viel gesagt und gesungen, ohne auf diese und ähnliche Vorbedingungen für den Gesang die mindeste Rücksicht zu nehmen. Jene Coflegen, denen das Vorausgesagte nicht fremd und welche mit dem Inhalte desselben einverstanden sind, mögen es nicht verschmähen, ans alle jene Fachmänner, denen diese und ähnliche Theorien fremd sind, belehrend einzuwirken. Vielleicht interessirt den einen oder anderen Besserdenkenden!der Gegenstands und -sie dürften durch Zuhilfenahme eines einschlägigen Buches den diesbezüglichen Hprizont ihres Wissens Aerweitern versuchen:'Vielleicht gelänge WF atüh Manchem, der seinen Hm anhaftenden .Stimmfehler wohl -kennt,. ,Her ^aus falscher) AsMeit.von .demselben' stfcht" gerne .-spüHt,:^enselven!:^nrch^zjelbeW!ste Aebuilg,zu,entsernell. -

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