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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-10-15 · Heft 24 (15.10.1897) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 24 (15.10.1897)
Date
1897-10-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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24. Oefterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 5. den von mir entworfenen Apparat zur Förderung des Kraft- und Muskelsiunes unserer Finger und Hände (patentirt in fast allen Culturstaaten und ebenfalls bei Herrn Max Richter in Berlin zu haben) findet, und ist diese Methode nicht allein für Musiktreibende bestimmt; sondern mein Streben geht dahin, die bisher gänzlich vernachlässigte Ausbildung dieser für unser ganzes modernes Leben wichtigsten Organe auznregen und nützlich zu machen für Angehörige aller Stände und Berussarteu, die eine kräftige, flinke, zu künstlerischen und gewerblichen manuellen Arbeiten und Thätigkeiten geschickte Hand brauchen oder mit Handarbeit überhaupt sich ihr Brod verdienen müssen. Der weiter Blickende wird ahnen, dass durch diese Auffassung die Ausbildung unserer Finger- und Handfertigkeit geradezu ein Faktor in der Lösung der ohne Zweifel mächtigsten unsere Zeit beherrschenden sozialen Frage wird, wie ich dies noch weiter in meinem Buche anseinandergesetzt habe. Wien. Die Gemeinderäthe Dr. Ster n, S t i a ß n y, Dr. M i t 1 l e r, Z i s f e r e r, Tr. Gold m a n n, T a g leicht und R. v. Gold s ch m i d t haben dein Bürgermeister eine Znschrift an den Wiener Gemeiuderath überreicht, die sich gegen den Antrag richtet, den Vicebürgermeister Dr. Neumayer in einer der letzten Genieinderathssitznngen anlässlich der R i ch t erer neu nungen einbrachte, worin er eine Petition an die Regierung gegen die Beeidigung von Christen durch jüdische Richter befürwortete, da dem Juden bekanntlich das Verständnis und Gefühl für die sittlich-religiösen Bedürfnisse und Anschauungen anderer Nationen fehle. Die Zuschrift hat folgenden Wortlaut: In der Sitzung des Gemeinderathes vom 1. Octvber wurden im Wege einer seitens des Herrn Vieebürgermerslers Dr. Josef Neumayer eingebrachten Antrages und der Begründung desselben Beleidigungen gegen unsere Neligionsgenvsfen gerichtet, welche selbst im Vergleiche mit den sonst im Wiener Gcmeinderathssaale seit Jahren üblichen Insulten unerreicht dastehen und allen Geboten von Recht und Sitte hohnsprechen. Diese Ennnciation war umso peinlicher, als sie von einem Mitgliede des Präsidiums des Wiener Gemeinderathes ansgieng und seitens des Vorsitzenden Herrn Bürgermeisters, ungeachtet des erhobenen Widerspruches, ans deren vollinhaltlicher Verlesnng bestanden wurde: dies, trotzdem klar zutage lag, dass die in Rede stehende Ennnciation durch das Strafgesetz v erp öu te Au g risse g eg en ein e sta at li ch au erkannte R e l i g i o n s g e s e l l s ch a s t enthalte und gegen die die Aernterfähig'keit aller Staatsbürger ohne Unterschied der Cvnfession aussprechenden Staatsgrundgesetze verstoße. Wir erachten eine Bekämpfung oder Widerlegung des Antrages des Herrn Vicebürgermeisters .Dr. Neumayer unter unserer Würde, da es ja bekannt ist, dass der die Grundlage des Sittengesetzes der Inden sowohl als auch der andersgläubigen Mitbürger bildende D e k a l o g für die Heiligkeit u u t> Reinheit d e s Eides m i t a l l e r S t r e n g e eintritt mib beschränken uns darauf, Nachstehendes zu erklären: Wir bedauern aus das lebhafteste, dass der Herr Bürgermeister, welcher ja an der Spitze des auch als politische Behörde fnnctionirenden Magistrats steht und den Eid auf die S t a a t s g r u u d g e s e tz e wiederholt in feierlicher Weise abgelegt hat, die eine Verletzung dieser Staatsgrundgesetze-involvirende Ennnciation des Herrn Vicebürgermeisters Dr. Neumayer überhaupt zur Verlesung zugelassen, ja auf derselben bestanden hat. Wir mißbilligen ebenso lebhaft, dass Herr Vice- ־ bürgermeister Dr. Neumayer es mit dem von ihm gleichfalls abgelegten Eide auf die Staatsgrundgesetze vereinbar gefunden .hat, seinen erwähnten Antrag zu stellen. Wir verwahren uns auf das euschiedenste gegen diese und jede Beleidigung und ׳ Verunglimpfung unserer Cvnfession. welchen wir im Wiener Gemeinderäthe jederzeit im Bewusstsein unseres guten Rechtes und ohne Furcht vor Maßregelungen entgegenzutreten wissen werden. Wien. Auch der Wiener israelitische Cultus- Vorstand hat gegen den Antrag des Vicebürgermeisters Dr. Neumayer in seiner am 10. d. abgehaltenen Sitzung einhellig folgende Resolution beschlossen: ״In der öffentlichen Sitzung des Wiener Gemeinderathes vom 1. l. M. wurden im Wege eines von einem Mitglied des Präsidiums eingebrachten Antrages und der Begründung desselben gröbliche Verdächtigungen und Schmähungen gegen das Judenthum, gegen dessen religiös-sittliche Grundlagen, sowie gegen die religiösen und sittlichen Anschauungen unserer Religionsgenossen gerichtet, inid wurde diese Kundgebung wörtlich und vollinhaltlich — ungeachtet erhobenen Widerspruches — von dem HcrruBürgermcifters zur öffentlichen Kenntnis gebracht, bcziehungsweise deren Vorlesung verfügt. Nachdem diese Kundgebung durch das nunmehr erschienene, vorliegende Amtsblatt der k. k. Haupt- und Residenzstadt Wien" in Nr. 80 ofsiciell seslgcstellt ist, erachtet cs der Cultusvorstaud der israelitischen Entrnsgemeinde Wien für seine Pflicht, dagegen öffentlich nud feierlich Protest zu erheben. Der Cultusvorstaud hat seit Jahren, ungeachtet des Andrängeus unserer Religionsgeuosscn, insolange es sich um noch so empfindliche ui ateriell c Schädigungen Handelle, wie bcispiclsweise die Nichtbesörderung von allgedienten, bestbewährten Cvmnlnnatlehrerll, nur deshalb,!veil sie Inden sind, die Ver- Weigerung von Schulgeldbefreinngcn für arme jüdische Kinder, die Uebergehnng verdienter jüdischer Commnnalbeamten, die Zurücksetzung jüdischer Gewerbslente bei öffentlichen Arbeiten, die Verweigerung von Subventionen an jüdische Wohlthätigkeits- Anstalten :e. — jede Protesterklärung unterlassen. Wohl aber erachtet sich der Cultusvorsta'.td für verpflichtet, die vorliegende V e r u ngli 111 p 1 ץt 1t g der j ü d i s ch e n Religio 11!1! 11 E u t r ü st n n g z n r ü ck z u w eise n. Der israelilische Cultnsvorüand sieht sich zu der Erklärung veranlasst, dass das Judenthum hoch erhaben ist über dem Niveau der in der eingangs erwähnten Kundgebung enthaltenen Verdächtigungen und verzichtet im Hinblicke ans die im Jndenthnme strenge vorgeschricbene und unter den Inden zu allen Zeiten beobachtete Heiligkeit des Eides selbstverständlich darauf, den gegen diese notorische?Hatsache gerichteten Anwürfen die Ehre einer Widerlegung zu erweisen." Wien. Wie alljährlich veranstaltete der Verein ״Ferienheim" auch Heuer am 4. Octvber anlässlich des Namcusscstes unseres Kaisers ein Kinderfest im Ballsaale Ronachcr. Es waren alle Kinder gekommen, 880 an der Zahl, welche in den großen Colonieu in Rossitz, Schattmannsdorf und Petra», sowie jene kleineren Gruppen, die in Bad Hall, Jodbad Dar kan und in Baden nntergebracht waren. Die blühenden Gesichter der Kleinen und deren Ncttigkeir und Strammheit zeugten 'für die günstige Wirkung des genossenenFerialanfenthaltes. DieVorträge der Kinder (Deklamation und Gesang) machten den besten Eindruck; ganz besouders gefielen die militärischen Erercikien der Knaben, welche in cxactcr Weise ausgeführt wurden, und als zum Schluß die Volkshymne von Hunderten Kinderstimmen erschallte, herrschte im ganzen Auditorium feierlich gehobene Stimmung. Tie Festjause bildete den Abschluß des schönen Abends, dem die Anwesenheit des Stadteommandanten F.-M.-L. R. v. Enge l, Bezirksvorstand P i ck e r, der Bezirksausschüsse Dr. O. H e i 11, L. Wald st e i 11, Riedel, Ortsschnlrath S. Heit. Cültusvorsteher A. v. Mise s, Doceut Dr. G r n n s e l d. Dr. Z a p p e r t, Rabbiner Dr. G e l b h a u s, Prediger D. L ö w y, Schulinspector K a n i tz, Schrissteller H. G l ü ck s m a n 11, Vorsteherin des Blindeniustituts Frau Cäcilie Adle r, Vorsteherin des Kinder- Hort Frau Dr. F r i s ch a ne r ein besonderes Lustre verlieh. DttMÜoritz. Am 19. September 1897 fand die feierliche Einweihung des vollständig renovirten Tempels in unserer Cultnsgemeinde statt. Um 2 Uhr Nachm, bewegte sich ein imposanter Zug vom Hanse des Herrn Cnltusvorstehers Moriz Hube r in den Tempel. Voran gieng die Schuljugend unter Führung des Schulleiters, ihnen schloß sich eine Musikcapelle

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