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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-10-01 · Heft 23 (1.10.1897) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 23 (1.10.1897)
Date
1897-10-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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i t. Seite' 4.; ■! : Gesterreichisch-Üngarische LantörenAÄtung. Nr. 23, Die Eleustmschen Mysterien im! jerussiemischen Tempel. .' Beitrag zur jüdischen Religionsgeschichte von Rabbiner Dr, Ludwig Venetianer in Nenpest.^ (Schluss). W!d erinnert etwa das Fernhalten des gemeinen Volkes von der Feier nicht an die Eingeweihten der Eleusinen? Auch an den eleusinischen Mysterien konnten nur die Vornehmen theilnehmen, woraus erklärlich ist. dass auch an der- Freude des Wasserschöpfeus mir die Hervorragenden Israels sich betheiligen konnten. Ist uns. ferner jene unbezweifelte Thatsache bekannt,,dass Lu Eleusis die zum Wasseropfer dienende 16^״m06dos"- ein Thongefüß war, aus welchem der - Priester das Opferwasser nach'.Osten und Westen goß, so kann der Streit der Talmudlehrer darob, ob am jerusalemischen Wasserschöpffeste die ׳ zum Gießopfer dienenden zwei Gefäße ■— deren eines gegen Osten, - das andere gegen Westen aufgestellt war, aus Silber oder Kalkstein gewesen wären, leicht auf -seinen ursprünglichen Wert reduziert werden. Gewiss waren sie aus dem Stoffe der ״Ple- Vwchoe" - nahestehenden Kalkstein, und nur der Stolz auf die alte Herrlichkeit mochte sie aus Silber verfertigt wissen. . Er besitzt wohl keine eklatante Beweiskraft, dennoch kann der Umstand nicht unerwähnt, bleiben, dass die bei Gelegenheit des gegen, den sadducäischen Hohenpriester gerichteten Volksaufstandes abgebrochene Altarecke mit einem Salzstücke repariert wurde und. bis dies herbeigeschafft -werden konnte, wurde gar kein Tamidopfer gebracht. Wir.wiffen, dass (nach Levit. -II, 13) bei jeglichen! Opfer Salz gebraucht wurde;.war es aber in der Eile nicht möglich, die Altarecke anders zu reparieren, so war ja Salz jederzeit zur Hand, warum musste aber.dann an jenem Tage die Darbringung, des wichtigen täglichen. Opfers, ausgesetzt werden? Doch ist nicht unmöglich, dass wie bei; beri eleusinischeu Mysterien eine geheimnisvolle Lade gezeigt., wurde, in welcher׳ unter anderem auch Salz gewesen ist, auch in Jerusalem , eine solche Lade zum Feste gehörte, und .es. ist wahrscheinlich, dass man annahm, dass der Schaden, der infolge eines Festritus an. derMtärecke verursacht wurde, auch nur mit einem zum Feste gehörigen, heiligen Gegenstände, repariert werden müsste. Darum musste das tägliche Opfer ausgesetzt werden, bis die Rolle der mystischen Lade zu Ende war und ihr das Salz entnommen werden konnte. Freilich unterblieb nach der Tradition das Tamidopfer nur an einem Tage, aber die Tradition giebt auch nicht an, an welchem Tage des Wasserschöpfeus der Volksaufruhr stattfand und so darf angenommen werden, dass dies am letzten Tage vorfiel. Nehmen wir jetzt noch in Betracht, wie herausfordernd sich die dienstthuenden Priester bei der Feier betragen, da sie erklären, die Vorfahren hätten sich abgewandt von Gott, welcher Ausspruch gerade äus dem Munde der Priester als Nachklang einer verblassten Kunde vom heidnischen Ursprünge des Festes genommen werden darf; erwägen wir auch das Helle Fackelücht und die ׳än Die eleusinischen -Orgien erinnernde aus- 1 schweifende Freüde. welche eine deutliche Copie der ׳ eleusinischen Feier war Md Mn Bericht Mer Tradition; - wonach Simon M Gämliel -in feiner Mbändigen Freudefortwährerch - die Erde Msste, aus welchem Thun die BerehrMg Demeterschervörbrichk M!d die am Schluß des Festes gesprochenen Abschiedsworte: - ,;Der Herr segne dich aus ׳ Zion, dass du׳ Jerusalems Heil seNn könntest dein Leben lang Und könntest sehen deiner Kinder Ki'nder, Friede über Israel", was den Ideengehalt׳der eleusinischen Mysterien zum Ausdruck bringt: Wohlstand/ Kindersegen Und Gottesfrieden, wie auch, dass dieses Fest ausschließlich zur Nachtzeit-gehalten wurde und dass von dem durch die Tradition bewahrten Namen des Festes ״Freude des Hauses׳ der Schöpferin״ nichtmehr nachgewiesen werden kann, was er eigentlich bedeute und nur müthmaßend gesagt werden kann, dass er sich'vielleicht auf die Töchter des Königs Keleös beziehe, die Demeter anträfen, als sie, um Wasser zu schöpfen, zum Brunnen gingen, so können wir uns nicht verschließen vor der Thatsache, dass das jernfalemifche Wasserschöpffest enge ׳mit den eleusinischen Mysterien zusammenhängt. - r .' ׳ ־ -׳- ' Die Talmudische Tradition ist zwar lückenhaft; doch völlig verlässlich, da die späteren akademischem Dispute sie ihrer Ursprünglichkeit nicht beraubten. Diese Tradition aber —- obschon sie kein ganzes-Bild, der Feier, gezeichnet — weist so auffüllend . ׳ entsprechende Berührungspunkte in allen Momenten auf, - dass an .eine zufällige Übereinstimmung uicht gedacht werden kann. Es kann als. Thatsache angenommen werden, dass infolge des Verkehrs mit den Griechen ein den eleusinischen Mysterien entsprechendes, doch in den Rahmen des jüdischen Cultus eingefügtes und der heidnischen Färbung entkleidetes Freudenfest in Jerusalem bis zur Zerstörung des Tempels existierte..- . , . III.- Noch müsste auch die Frage gelöst werden, ob; der. Zeit- Punkt bestimmt werden könnte,- wann die Umgebung des jernsalemischen Tempels zum Schauplatz dieser Feier׳ adoptirt wurde. Graetz (Psalmen p. 49 und Gesch. III, p. 138) meint, die Königin Salome Alexandra .(78—69 v. Ehr:) war die-Urheberin des ganzen Festes. Seine Argumente sind: . Der König Alexander Jannai war jener sadducäische.Hohepriester, .welcher die Heiligkeit des Gießopfers in. anstößiger Weise verletzte, wodurch er den Aufruhr des zum Feste versammelten Polkes veranlasste (Gesch.. III. d.. p. 704). Nach dem Tode.Alexander . Jannai's folgte ihm seine Frau . Salome Alexandra?, qnf den Thron, die nicht:mehr zu den Sadducären hielt, sondern zu den Pharisäern, deren Wohlwollen-sie sich damit..verdienen wollte, dass sie das'durch ihren Gatteil pröfanlerte .-Gießopfer mit dem großen Pompe des. Wafferschöpffestes umgab. Graetz' Annahme scheint im ersten Augenblicke sehr annehmbar, wird aber alsbald hinfällig, sobald wir uns den Verlauf der Feier vergegenwärtigen. Die nächtliche Orgie des Festes steht im Widerspruche mit dem ganzen Charakter der pharisäischen Aufsätze, und gewiß wäre nicht, gerade der Hof der Frauen zum Schauplatz der Feier bestimmt wörden/ wenn diese Anordnung — um die Pharisäer zu gewinnen — die größere Heiligkeit des Gießopfers bezweckt hätte. Im Gegenteil muß aus dem anstößigen Benehmen Alexander Jannäis gefolgert werden, dass die Pharisäer — die nach Alexanders Tode die Königin beeinflußten — ,vielmehr die. Einschränkung des Festes bezweckten. Die Einführung des Festes muß in früherer Zeit gesucht werden, da — selbst die Identität Alexander Jannais und des sadducäischen Hohepriesters' zugegeben, was ja am Ende doch auch nur Graetz'י Annahme ist —׳ das ungebührliche Benehmen jenes Hohepriesters eben damit zu erklären ist. dass die׳ schon gewohnten, nächtlichen Orgien den Leichtsinn beim Opfern verursachten. Auch in der Geschichte. dieses Festes ׳ finden Rettans Worte eine Bestätigung, dass die Pharisäer leidenschaftliche

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