Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 23 (1.10.1897)
- Date
- 1897-10-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 23. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeifung . ^-ejre 3. Sitten, und so wird der ganz oder halb leichtsinnige Chasan, der vergisst, dass er vor Gott steht und S ein- Lobperkünden, soll, lieber sein eigenes Lob von den Schnellläufern hören wollen, .dass., er׳ ^uuch. ein tüchtiger.Schnellläufer ist. --So ahmt er seinen Treibern nach und beginnt, ohne zu Horen,..ob die,Gemeinde den zweiten Satz vollendet hat,. so schnell als möglich,den dritten. Und so jagt einer den andern. In einer Residenzstadt hat ke An’iin 8smiros-Jagd eine besondere Art. Der Obercantor beginnt feierlich und andächtig dasAn'irn 8s7nir03. Der Chor aber singt darauf nur die 2 Schlusswörter der beiden Vershälsten; es hört sich an wie etwa: ,I)soho — decho. ,So treibt der Chor, dessen Mitglieder auch ohnehin nur das beten, was sie singen müssen, bei Krias Sch’ma, Schemoneh; Essreh und allen stillen Gebeten,aber kein Wort Mitbeten, beim AnÄn Lemiros allerlei Allotria. . Wenn da? von autoritativer Seite nicht Abhilfe geschafft wird, sollte der fungierende Cantor sich der Sache Gottes annehmen und dem Unfuge steuern. Denn jeder Besucher des Gottesdienstes fragt sich, warum betet das Chorpersonal nicht, gehören diese jungen Männer einer fremden Confession an? lieber ׳ eine andere Art Schnellläufer ״treibt" in anderer Weise. Kaum hat der Cantor beim Abendgottesdienste das Borehu ausgesprochen, so beginnen sie schon hörbar mnaavir jaum, um ihn zur Eile anzuspornen. Esist unmöglich, in der kurzen Zeit das Gebet zu sagen. Und wenn es zur Noch möglichwäre, die Worte in größter Hast zu sprechen, ist denn d as ein Gebet, in dem man mit sich ganzem Herzen und in Andacht an Gott wendet?! Solche Leute, die den Vorbeter ״treiben"/ würden besser zuhause bleiben. Denn sie selbst beten nicht, sondern sprechen nur in größter Haft leere Worte. Thun das Leute, die ״lernen" können, so verdienen sie noch mehr Tadel. Und andere, welche andächtg beten wollen, stören; sie. So vers ün big e n-sie sich schwer gegen Gott und ihre Mitbeter. Am schlimmsten aber ist es, wen der Vorbeter selb st ein Schnellläufer ist. Einem solchen steht das Gehinnom offen. Er versündigt sich tagtäglich gegen Gott, er veranlasst es,׳ dass ganze Generationen ohne Andacht betenso dass auf sie das Wort Gottes (Jesaias 1) anwendbar ist: ״Wenn ihr auch noch so viel betet, Ich höre es nicht!" Dem Chasan ist es namentlich gesagt! ״W i s s e, v o r w e m D u ft e h st!" Er hat stets den Gedanken vor Augen zu haben: ״Ich stelle mir vor, dass der Ewige beständig vor mir ist." Wehe, dem Chasan, der statt von dem Gedanken beseelt zu sein, dass er vor Gott und zu Gott betet, von der Anschauung aus sein heiliges Amt versieht, dass er möglichst schnell seine Portion heruntersagt, um das Wohlgefallen einiger Eilfertigen in der Gemeinde zu erwerben, der, statt wie es Religionsgesetz und Gewissen .vorschreibt, באימה וביראה in Ehrfurcht und Ehrerbietung vor dem Allmächtigen zu stehen, in Furcht und Bangen vor einigen Eilfertigen in der Gemeinde steht, welchen ״es zu lange dauert." — Er darf sich nicht von den Schnellläufern ,,ziehen" fassen, sondern er muß diese zu einem andächtigen Gebete erziehen. Am meisten zu.tadeln ist der Vorbeter, &er ICriasSchma . und Sch’moneh Essreh, das stille und d as laute, eilfertig abhaspelt. R.,Simon lehrt: ,^.Sei achtsam bei Krias Sch'ma mid stei. her Tefillah (Schmoneh Eßreh) und wenn-Du betest,, so n^ache^ dein. Gebet.nicht zu. einer bestimmten Aufgabe (die Du möglichst eiligst abhaspelst) sondern zu einem um Barmherzigkeit und Gnade stehenden Gebete vor dem Allgegenwärtigen, denn ״gnädig und barmherzig ist; Er״ langnmthkg und reich an Liebe und bedenkt sich wegen des Bösen" (wenn Du.andächtig bittest), und sei kein Roscho gegen dich selbst. Wer ohne Andacht betet, der ist gegen sich selbst ein Roscho, er entzieht sich Gottes Gnade und Barmherzigkeit. Mancher denkt, wenn ihn Unglück trifft, womit habe ich Vas verdient, ich habe doch nichts Unrechtes getHan? Er denkt aber nicht daran» dass er durch würdeloses, uuandächtiges Peien b eständi g Tag.für. Tug die Majestät Gottes verletzt, ein Roscho gegen sich selbst und dadurch:der Gnadenführung Gottes verlustig wird. Ist der also Betende ein Chasan, so verdirbt er ganze Generationen, und macht sie alle zu Reschoim gegen sich selbst :נמל עדגו*. ^Mebrigens vom praktischen Standpunkt: wie. viel Zeit wird durch das schnelle Beten am ׳Wochentage gewonnen? 57—10 Minuten. Ist das mm für Leute,!die viüe l Z e i t mit unnützen Dingen verbringen, ein Gewinn, um deffentwillen man seine ^esvhornoh opfert?! Von solchen Treibern und solchen Betern sagt Gottes Wort (Jesaias 1.); -,Wer verlangt von Euch, dass ihr meine Vorhöfe zertretet," — Die T'fiüoh ist maavir hagseroh, das Gebet b e s ei ti g t e i n b ö s es B e r h äugn is. 'Das muß aber auch eine Tfilloh sein, in der der' Geist Gottes lebt, keine todte abgehaspelte Tfilloh, keine hastig heruntergesagte Aufgabe, keine Treibjagd, keine Schnellläuferei. ״Ein Gebet ohne Andacht aber ist -wie ein Körper ohne Seele", es hat keine Kraft, es ist todt, es gelangt nicht vor den Thron Gottes. Ein andächtiges Gebetöffnet die Himmelspforten, wie wir bei unserem Vater Jacob -sehen: זיפגע במקום ההוא Er betete d r i ng e n d, andächtig an jenem Orte. Da öffnete sich die Himmelspforte. Mancher Vorbeter sagt am Anfang des Sch'moneh Eßreh die heiligen Worte hastig herunter: ״Gepriesen seist Du, Ewigseiender, unser allmächtiger Gott und Gott unserer Väter, Gott Abrahams, Isaaks und Jacobs, großer, allmächtiger und furchtbarer Gott, höchstes Wesen, der gute Wohlthaten erweist, Schöpfer des Weltalles, der gedenkt der frommen Werke der Väter, und bringt einen Erlöser ihren Kindes-Kindern um feines Namens willen in Liebe." Wer die Bedeutung dieser Worte fühlt, wenn er sie spricht, der bringt es in der Art. des Vortrages zum Ausdrucke, er kann sie nicht eilfertig ableiern. Thut es aber ein Vorheter, so ist dies ein Beweis, dass er keine Gottesfurcht in sich hat. dass er nicht innerlich religiös ist. Im Chaze Odom, Kelal 5 § 25 heißt es: Es ist. yerboten, den Segensspruch aus dem Munde zn werfen (d. h. hastig zu sprechen). Man richte sein Herz, den Namen seines Schöpfers, zu preisen, der uns Gnade erweistman soll aber nicht die Worte gewohnheitsmäßig aussprechen, ohne dass das Herz etwas davon weiß. Wegen solcher Dinge hat Gott über sein Volk gezürnt, wie er durch Jesaias gesprochen hat: ״weil dieses Volk vor mich hinttitt, mit ihrem Munde und ihren Lippen ehren sie mich, i h r H e r z a b e r i st f e r n v o n m ir?" Das ist die Charakteristik der Schnellläufer in der Syyagoge. Möge der Betende, namentlich aber jeder Vorbeter, sich mit aller Kraft von diesem schändlichen Mißbrauche fernhakteu! .Dann wird er der Gemeinde ein edles Vorbild der Andacht, des i n n i g e n Betens werden. Gottes Segen wird auf ihm ruhen.