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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-10-01 · Heft 23 (1.10.1897) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 23 (1.10.1897)
Date
1897-10-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. GesterreichWÄn^akiMe LänMett-Aeitung. Nr. 23. uM M MlWdchstpäffeW üMWchOniM zrM finden.GHKer Stand beansprucht Rücksichtnahme auf seine besolLelM Äedürfniße, aber auch die Gemeinden haben das Recht, bürchgehildete, ganze Männer an die Spitze der einrichtmrgen stellen -zu Mimen. Drum ergeht an Euch, FreünW und״Gollegenst dieses schlichte,- aber ernste Mahnwort. Männer des Rufes und Berufes, SMhn -und Träger der heiligen Lehre, erwägE 'nnd״ prüfet: es, thuet etwas zur Sache, aber handelt rasch und sorget rechtzeitig für einen tüchtigen Nachwuchs boir'Eantorek durch Anstellung non? Fachmännern an den Lehrerseminaren vder^pWgeu LeHrÜnstalieu/ damit: es nicht-zu spät werde? Auf die ׳MiWirklng unseres" Fachblattes bei diesen Bestrebungen können wir mit Bestimmtheit'rechnen, und auch, die übrige Mische Presse wird uns ihre Unterstützung nicht versagen. Besonnene; öffentliche Discusionen haben schon oft Ersprießliches zu gegen Mißstände socialer und materieller Natur - anzukämpfen und Reformen anzubahneu. . «Man sollte sein das,7was,man scheint;- Und die es nicht-sind, solltens auch nicht scheinen". Me SchnMäufer-m Ärv Synsgoge? Unsere Leser werden verwundert fragen, -was' für eine Ssteües von Menschen das ist, die Schnellläufer in der Synagoge, nicht in di e Synagoge.. Das ist ein anderer Fall. Daran leidet unser heutiges .Geschlecht' nicht, dass es. zu schnell in die Synagoge läuft.' Im Gegenh eil. Ein großer Th eil selbst jener Jüd'eu, welche die Kirche besuchen, haben damit keine, Eile.- Sie haben nicht den Ehrgeiz, zu . den ״zehn Ersten" zu gehören. Das Gros stellt sich erst zum. Aüsheben der Thora ein, und es ist tuerkwürdig, diese Leute , halten immer, wo der Vorbeter hält. Im Nu haben sie das Mörgengebet von ,.^.don Olarn" nachgeholt oder — übersprungen. In manchen Gegenden ist es noch arger. Da wird der ganze ^chacharis-Göttesdieiist rässiert. Namentlich in.Niederösterreich üüd Böhmen ist dieser Mißbrauch sehr verbreitet. Dort beginnt der Gottesdienst Um. 10 Uhr mit Du komaucbo und dem Ausheben der Thora. Das Schacharisgebet wird der Privataudacht zuhause überlassen. In anderen Gemeinden wieder wird das Schacharisgebet in der Früh gebetet und später in besonderem Gottesdienst die Thora, vorgelesen und Müßaf gebetet. Auch das ist zu verwerfen, weil zu Schacharis knapp Minjan erscheint und so dieser Theil des S.abbathgottesdienstes degradirt wird. Zwar sagen gerade die gewissenhaften Leute, wir wolleu nicht bis 10 oder lOstz Uhr. am Sabbath ohne Nahrung bleiben, und deshalb findet die Theilung statt. Diese Einzelnen könnten aber das Erforderliche vom Schacharisgebet zuhause beten, Kiddusch machen und dann doch um 8 Uhr zum Gottesdienste erscheinen, um zu ermöglichen, dass Schacharis und Mußaf im öffentlichen Gottesdienste stattfindet. Und alle Besucher des Gottesdienstes sollten zu den Schnellläufern ln die Synagoge,-, gehören und nicht erst: zur Thoravorlesung kommen und - nach: der Mußaf-Keduschah wieder davönlaufen. Lehren ja die Sprüche der Väter: ״Laufe wie ein WM unln. d^WiW^ldeinMsVaLMsim5MmM'W erfüllend! JistdsteSynagöge - soMmä1U1auM,id. /-M früMW komnteü?; aber? nicht in: d et5SOiaMKL Da gibt es aber sehr viele Schnellläufer. Die erste Classe der Schnellläufer in Stadt und Land ist die Sabbathausg angs-Species. Nehmen wir an,׳ es: ׳sei um 8. Uhr 40 Minuten Nacht, so können die Schnellläufer diese Zeit nicht erwarten, sie sind eine Viertelstunde früher da, und wie es nur Mas.dunkel wird, sagen und rufen sie: ^Cs^ ist'Mächsi!" Geradeauf die letzten 10 Minuten hat es ihrJezerbora abgesehen. Dieser alte abgefeimte Verführer will nichts nur von ObÄul (der׳ Woche) gmu'Kaudesch (Sabbath) nichts hinzufügen, sondern etwas abhandeln, wie. es überhaupt das Geschäft dieses alten Religionsgegners ist,-chauptsächlich d e 11-.S-.fl b b a t h, diesen Grundstein der jüdischen Religion, zu beseiligen, zw kürzen, zu verfälschen. Der Jezer bora weiß, dass ,er gewonnenes Spiel hat. wenn erst der Sabbath beseitigt ist. Wenn der bliebe Schabbös kaudesch" erst dahingeht, dann folgt rasch das Speisegesetz. Der Sabbathentweihet״ findet' äuf"einmal, dass'er einen ״schwachen Magen" hat, dass er die ״koschere Kost" nicht ertragen kann! .-SÄ-stsdlch'e.WäMfi finVeWKas׳- LaünMiA-früher sehr gerne koschere-Kost gegessen -und -sie frendigst ׳begrüßt?haben. Wenn der Grundstein Ochabbos-entfernt ist, stürzt das ganze Gebäude ein. Das will'der innere Verführer, 6er Jezer bora,' er ' istein tüchtigtr ׳ GÄchäfLsmänn-'' er fängt' es iw -Kl einen än,' um'- später Großes' zu^-erreicheM׳ Däsw örzeiligA'stEs^isst Nacht!" ist die - erste Statiow -des' '1 ezer? Uora-SchnellzÜgesd Besondersbedenklich •*••• und compliciert ist die Krankheit, wenn der bacillus noctis, der ״Es ist Nacht-Bacillus" in' d ein - edlen -Herzen -ein es Rabbin ers, ״ Synagogen-Vorstehers oder einer sonstigen mit - einer - synagögalen Autorität behafteten Person sich eingenistet hat. Da könnenseine Wirkungen sehr bedenklich, werden. Da kann nur.Einer helfen — der-Uhrmacher. ' Ja. der Uhrmacher! Hast Du, lieber Leser.h von /.dem bacillus noctis zu leiden, schaffe Dir eine correcte-Uhr an,, und wenn Dir. das Verhängnis in Gestalt einer ״Autorität" naht und spricht: ״Es' ist ׳Nacht, fangen Sie denLe-Dovid .Boruch an", so.hebe also an mit den Wyrten׳- Demes'Mundes: - ״Geehrter. Herr st Entschuldigen vielmals, wenn ich mir erlaube, Ihnen zu widersprechen. Es ist angeschrieben : um § Uhr 40 Minuten ist Moze Schabbos. Auf meiner richtig gehenden Uhr ist es aber erst 8 Uhr 32 Minuten, folglich müssen wirnoch 8 Minuten warten." So wird bei einiger Festigkeit des Chasan nach und nach ein guter Uhrmacher den Jezer borabesiegen. Die zweite Classe der synagögalen Schnellläufer sind die, welche die Posuk um Po suk-T reibjag d besorgen. Diese Classe ist schon gefährlicher als die erste. . Wir wollen ihre Praktiken an Beispielen demonstrieren. Fängt der Vorbeter, ׳ den schönen Vers an: ״An’im Semiros ich will Lieder singen und Gesänge dichten, denn nach Dir lechzet meine Seele" und die Gemeinde soll, na ch Vollendung dieses Satzes d u r ch den Vorbeter, antworten: ״nafechi ebimdob“, so warten die Schnellläufer nicht, bis der Vorbeter den ersten Satz vv llen d et hat, sondern kaum war ihm-das erste Wort entfahrenso können sie das ihre im Busen nicht mehr bewahren, und man hört vom Vorbeter nur das erste Wort. Böse Beispiele verderben aber gute

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