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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-10-01 · Heft 23 (1.10.1897) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 23 (1.10.1897)
Date
1897-10-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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I Oesterreiciiisch-ungariscfie . Redactiöüü. ׳Administration Wien, 2. Noväragasse 27. "K. f. öfterr. Postsparcaffe Lheck-Lonto Nr. 835,2-40. Inserate werden.billipst berechnek. . Manuscriple werden nicht! retonrnirt. 66ütra1-0rgL2 für die Interessen der Lantvren und Cultusbeamten. Ers ch e in t jeden ze hnte 11 Ta g. Begründer: Qbercanlor Jacob Bauer. PränlinierationS.PreiS. ׳ 3 ׳rru(![Anh<vmn.lS11ltn«i>(«mtle in ©ellevreirfj-lUimnr» Gmizjiiyrift . . . . .׳ fl. 5.— SatbiSbrig . . - . - fl. 2L0 Fnr<Lantor«n».CnN»qi>e»»»re im AnskiN» Gn!l;j>iyrifl . . . i. iv M rrk , oder 5 Rudel. Für private n»d 311|titute Kinizlätzrig . fl. 6.— Abvnnenient«- n. ünl'tttioiMbetrüge >nr!» in Wie»!al|lbar. Rr. 23. Wien, 1. Orkobrr 1897. 17. Jahrgang. Aöonnements-Kintadung. Mt 0ctober hat das 4- Quartal des heurigen Jahrganges begonnen und wir ersuchen demgemäß um sofortige Erneuerung des Abonnements. Zur Einsendung der Beträge wolle man die beigelegten Postchecks, resp. Postanweisungen benutzen. Die Redaktion der ״Qest.-nng. Cantorcn-Zcitung". ' Allerlei Lücken. Bon M. Lintner in Bunzlau, Schlesien. Das Streben nach Vervollkommnung und die Fähigkeit der Entwicklung sind die höchsten himmlischen Güter, mit denen Gott die Menschen flir ihr irdisches Wallen ausgerüstet hat, und' als Ausdruck dieses Vermögens sehen wir die Menschheit jederzeit bemüht, alle Kräfte einzusetzen für die Lösung der religiösen, sittlichen und socialen Fragen, die in den einzelnen Zeitabschnitten an sie herantreten. Während aber die Völker rastlos nach idealen Zielen ringen und streben, während alle Stände an der Lösung der großen Aufgaben unserer Zeit regen und thätigen Antheil nehmen, machen sich wieder in unserem Stande die alte Pedanterie und verknöcherte Fachsimpelei breit, welche die Standesgenossen der alten Zeit charakterisirt haben. Der enge Horizont dieser Berufsgenossen wird von den vier Wänden der Synagoge und des Classenzimmers begrenzt, im günstigsten Falle von dem Umkreis des Rathhausthurmes in ihrem kleinen Landstädtcheu; von einer socialen Frage, von religiösen Kämpfen, von ethischen Bewegungen der Gegenwart haben sie wohl etwas gehört, vielleicht auch eine kurze Notiz darüber in der Cantoren-Zeitung gelesen, aber damit war auch ihr Interesse zu Ende. Was kümmert diese Amtsgenossen all^ düs unnütze Zeug? Sie wollen sich nicht erlösen, sie wollen nicht. mit geistigen Waffen ' kämpfen, um die ihnen gebührende sociale Stellung zu erlangen, die Tretmühle der Alltäglichkeit ist ihnen zur zweiten Natur geworden. ״Im engen Kreis verengert sich der Sinn, es wächst der Mensch mit seinen größeren Zwecken". Die Zeiten sind vorüber, da der Cantor oder Lehrer mit seiner hölzernen Unbeholsenheit, mit seiner devoten und gefchraubteu Redeweise, dem langen, altmodischen Rocke noch den Possenmacher für Jung und Alt bei festlichen Anlässen abgeben musste, um sein Einkommen zu erhöhen. Mit der würdigen äußeren Erscheinung muß aber auch. der innere geistige Kern gchegt und gepflegt werden. Nur ein gründliches, fachmännisches und allgemeines Wissen und Können kann Achtung und Stellung unserem Stande bringen. Wer diese Fähigkeiten nicht besitzt, oder nicht erwerben mag und nur sein Heil in seiner Stimme sucht, nur ».eine- Spanne Zeit einen LsvLo doäi oder eine Keduscha schön vorzutragen, der wird zuletzt doch von dem Strome der Zeit hinweggespült werden. Darum müssen geistige Waffen im Kampfe der Geister uns eigen sind. Alles ist vergänglich und nur von relativem Werth, eines ausgenommen, nämlich das. was man gewinnt an Klarheit und Einsicht, an Berufsfteudigkeit und Begeisterung, mit einem Wort, an idealem Zuwachs. Wer dem Cantorat weiter keine Aufgabe zuweist, als die, einiges musikalisches Wissen und das übliche Chasonoth in Umrissen sich anzueignen und nothgedrungen den Siddnr und Pentateuch übersetzen zu können, der arbeitet flir den Ruin des Judenthums, der gehört jener Zunft an, die nicht gerne genannt wird. Wer sich jedoch die Ziele weiter steckt, wer da weiß, dass Lernen und Wissen frei und unabhängig macht, der wird anderer Ansicht sein. Auf diesem Standpunkte stehen alle diejenigen, welche es mit dem. Cultus und dessen geistigen Vertretern ernst meinen. An der Vernachlässigung der Wissenschaft und der Kunst bei der Ausbildung der Cantoren liegt es hauptsächlich, dass wir uns Jahrzehnt um Jahrzehnt in den. alten, ausgetretenen Geleisen fortbewegen, dass alle Anträge keine Anerkennung finden und ungebildete Amtsgenossen wie Pilze aufschießen, die der Gesammtheit zum Nachtheile, weder Achtung noch Beachtung in und außerhalb der Gemeinde finden können. Ja, es wird nicht anders, nicht eher besser werden — dies sollen sich alle College!! gesagt sein lassen — bis man endlich mit der Laterne einen Chasen suchen wird, der nicht auch nach jeder Richtung hin ein zeitgemäßer, gebildeter Cantor ist. Wissen ist Reichthum, Wissen ist Macht. Wenn dieser Wahrspruch in den Collegenkreisen

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