Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 22 (15.9.1897)
- Date
- 1897-09-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 22. Desterreichisch-ungarische lLantoren-Aeitung Seite 3. Takte erscheint das vorgezeichnete Fis in F umgewandelt; bei den. d grayffolgend eg 3- Gr psyoebo. nehmen diese ÜMwandlungen Wsl tMWrr Charakter cm u.«j> haben doch wWich jWtz Fnpken:U8rechtigWg. WäM xS. nichscharakteristischer, die säWyrtz? lichen. 3 Gr pvneobs, selbstmit dem dazwischen liegenden Loruob ato als auf der G-Rsebtabaeb-Scala ruhend zu behandeln? selbst das Ayien mit Fis, Fs, v wäre doch entschieden stilgerechter, tvghreuch hie ewigen Auflösungen deK FG üz; ׳ F^tzie MnheWMeit WMWg stören nnh daß aufgkff stellte Gesetz ewig in Frage stellen. Wir wissen, dass Herr Eisenstadtuns, iiu Hinblicke auf seine großen Ahnen, antworten ^könnte, diese Art des Gesanges hieße ״take woil singen" und wir verstunden hievon nichts. Darauf entgegnen wir, dass wir in allererster Reihe das ,AVoil-Singen" der polnischen Chaspniyi respectiren und werthschätzen, allein dieses stete Außerachtlassen jedweder gesetzlichen Botmäßigkeit, wie man es von ungebildeten polnischen Chasonim noch heute hören kann und die mit ihren gewagten Voltegir-Darbietungen nur aus den äußeren Effect Hinzielen und jedwedes ästhetische Moment außer Acht lassen. Diese Art von ״VVoil-Singen" weisen wir entschieden als unberechtigt zurück*). Gleichfalls ein Abirren vom Gesetze involviren diese ewigen Auflösungen des Fis in F im vorliegenden Or ponecho und wir bedauern es, mit Rücksicht auf diese, sonst . treffliche und charakteristische Piece, einen solchen Vorgang nicht acceptiren zu können. Das hierauf folgende Aman für Sabbath roscb chodesch und scholosch r’golim darf nicht G, Es, G tauten, sondern mich mit G, D, G intonirt werden; denn G, Es, G ist bekanntlich die Ainen-Jntouation für Jomim noroim. Die allgemein bekannte Gescbem und I'all-Melodie S. 25 bis incl. 27 brauchte nicht den Raum von drei Druckseiten einzunehmen; dafür erscheint der 50z6n-Text von Thomos bis w'lo likioloh, als auf vier verschiedenen Tonarten doch auf einer gemeinsamen Basis ruhend (v-dur, D-moll, D-Jischtabach und D-Adonoj moloch) sehr abwechslungsreich und wirkungsvoll behandelt und fühlen wir uns veranlasst, Herrn Eiseustadt für den Heroismus, den er durch die Festhaltung des leitereignen 8 statt des hier üblichen Schlendrian-Fl bei der Schlnssphrase Ono tofek 10 rozon betal bewiesen, unser ehrliches Jejascher! koach auszndrücken. Seite 30 und 31 füllt moderne Musik; bei der Intonation des Priestersegens S. 32—33 vermissen wir schmerzlich den stimmungsvollen und geradezu heiligen M6sim Niggun. Und nun die pioe6 de restinanee des ganzen zweiten Heftes: Nalebios siebrorios, sebokros. Hätte Herr Eisenstadt sich zu der That aufraffen können, diese Roscb haschonoh- Trilogie als selbständiges Werk zu veröffentlichen, man wäre wirklich überzeugt worden, dass er von seinen Chasonim-Ahuen Vieles gehört und gelernt. Hier pulsiert echt jüdisches Leben; was andachtsvolle Begeisterung am Altäre des Herrn in Wort und Ton zu hauchen vermag, hier finden wir die Wiedergabe dieser trefflichen Leistung durch Noten für die Ewigkeit festbehalten. Gerade in dem, vielleicht von a.uherer Seite anfechtbarem Umstande, dass der Herausgeber sich bemüht, nichts Neues zu bieten und den traditionell-gesanglichen Gattungsbegriff nicht! zu zerstören-, erblicken wir eine rühmenswerthe- Leistung, die wir *) Ein solcher Ehasen einer polnischen ״^chnl" wagte sich in den letzten Wochen mit seinen equilibristischen Vorführungen sogar vor das Tribunal der Wiener Hofoper, allwo er selbstredend gründlich ahgetvjesen wurde, jedoch dem Gesammtcantorenthume eine schmachvolle Beurteilung einbrachte. voll und ganz anerkennen müssen. Das al ken nekaweh l’cbo. Recitatjv ist yuf her adpnoj-meloeb-Steigerscgla mit der F-Hgsis erbquj; M zunr Choraufang s'u siebrorirn streng leiter^gen, d. h. ohne em einziges Versetzungszeichen, behandelt und in dieser strengen Wahrung des Stiles liegt zugleich das Geheimnis für die Schönheit des Tonstückes. Doch alsbald kymmt hem. Herausgeber seine Ruhe abhanden, sein Füllhorn von Persetzungszeichen (und dieses Füllhorn des Herrn E.jft ejn wohlgefüötes) entleert sich mit einem Male, es schwirren wie dräuende Wolken, die zwecklosen E, H, Fis nur so herum und — das Tonstück ist ruinirt. DaF Ato soober-Recitativ klingt uns wie ein Gruß ans der gyldeyen Jugendzeit entgegen; was wir dazumal mit unserem kindlichen Unverstände blos Physisch ersaßt und später in intellektueller Weise in uns zu verarbeiten und zu gestalten suchten, hier finden wir Alles — Alles wieder. Das Recitativ ruht auf der E-Basis und weist in seinem Verlaufe 4 verschiedene Steigerscalen (Adornff ineloeb, sisebtabaeb mögen owaus und E-moll) aus. die durch die Mannigfaltigkeit der Tonmalerei sich zu einer entzückenden Gesammtwirkuug vereinigen, Herzerhebend und andachterweckend. Diese Nummer ist die vollendetste sämmtlicher Piecen und empfehlen wir dieselbe allen Eantoratseleven zum ernsten Studium, wie unsere Altvordern gesungen und gesagt. Die Recitationsweise des Schof’ros entspricht zwar nicht der bekannten Gepstogeuheit, reiht sich aber trotzdem dem Vorhergehenden würdig an. Wir vermeinen, den Beweis vollauf erbracht zn haben, dass wir das gesangliche Können unserer Altvordern zu würdigen verstehen; allein Herr Eiseustadt irrt, wenn er glaubt, aus der gesanglichen Künstlerschaft berühmter Chasonim einen Maßstab für die jüdische Melodie herausdeuteln zu können. Die gesangliche Künstlerschaft berühmter Chasonim war vielmehr von der jeweilig individuellen Begabung des Einzelnen abhängig, daher mussten auch die jeweiligen gesanglichen Vorführungen derselben lediglich als individuelle Produkte und niemals als allgemeine Gepflogenheit beurtheilt werden. Allgemein üblicher Gesangscharakter liegt ausschließlich im Chasonus, zu welchem wir auch den Tropus ' der N’ginoth rechnen und nur aus diesen sind die Scalen für eine unverfälschte jüdische Melodie zn construiren. Der Ziomsten-Longrefs. Sonntag, den 29. August wurde in Basel der Zionisten- Congress zur Schaffung eines völkerrechtlich gesicherten Gemein- Wesens für die Inden eröffnet. Die Eröffnung geschah unter dem Vorsitze des Alterspräsidenten Dr. Lippe aus Jassy, der vor Allem eine Ergeb enh eits adres s e an den Sultan beantragte. Sodann begrüßte er Dr. Theodor Herzt aus Wien. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen des Bureaus wurden Dr. Herzl zum Präsidenten. Max No rd au (Paris) zum Vicepräsidenten, Dr. Salz (Tarnow) und Pineles (Jassy) zn Schriftführern gewühlt. Der Congress war von ungefähr 200 Theilnehmern besucht, von welchen etwa die Hälfte aus Wien, Galizien und Rußland, der Rest aus Rumänien Bulgarien, einzelne auch ans Amerika, Algier und Palästina gekommen find. Im Ganzen sind 60 Delegirte anwesend und es liegen! Petitionen mit 150.000 Unterschriften vor. Zu Punkt I der Tagesordnung sprach Herr Dr. Th. Herzl, der zunächst die Theilnehmer des Eongreßes begrüßte und dann seine Rede in folgender Weise fortsetzte: ״Wir werden Berichte hören über die Lage der Juden in den einzelnen Ländern. Sie alle wissen, wenn auch vielleicht nur in einer unbestimmten Weise, dass hie Lage mit wenigen Ausnahmen eine nicht erfreuliche ist. Wir fänden uns wohl kaum