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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-08-13 · Heft 20 (13.8.1897) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 20 (13.8.1897)
Date
1897-08-13
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Nr. 20 dinnitdasVolk außerhalb des Gitters sich aufstelle. (Jos. Ant. XVL 13, 5). Die genaue Beschreibung des Tempels findet sich bei Josephus (Ant. XV, 11 und Bell. Jud. V, 5.,) wie such im Abschnitt ״Middoth" der Mischna; obgleich jedochselbst - diese Quellen. nicht immer verständlich sind und sogar in mehreren Beziehungen von einander abweichen, so ist ׳' doch gewiss,däss indiesen Quellen vom Tempel des Herodes die Rede isi In diesem nun wird zum ersten Male der Hof der Frauen erwähnt. Herodes ließ den für die Frauen bestimmten Raum mit -einer Mauer Umgeben <R. E. XV, 209; Renan - V, 277) und -er ließ auch die in der Ueberlieferung erwähnte Gallerie errichten (Renan ibid. 174). auf welcher gelegentlich des Festes die Frauen Platz nahmen. Wenn wir nun bedenken, dass die Mischna (Middoth II, ,5) diese Gallerie (im Hof der Frauen--für die Frauen, ״dass sie sich mit den Männern nicht vermengen")'als einen ständigen Bau erwähnt, wie ja dieselbe in der That von Herodes für die Dauer gebaut wurde, während ' die Mberlieferung 'vom Feste — gewiss an vorherodianische Zustände' denkeud — diese nur als temporäre Einrichtung erscheinen lässt; und ferner, dass nach dem Zeugnis des Josephus (BelllJud.V,5) der Hof der Frauen den spezifischen, zum Begriff des jerusalemischen Tempels gehörenden jüdischen Charakter/ nicht besaß, und dass nach der Mischnah (Edujoth VIII, 5) den im Hof der Frauen gefundenen Gebeinen — deren Herkunft unbekannt war — keine verunreinigende Wirkung zuerkannt wurde, weil man den Hof der Frauen nicht für Privatgut hielt, sondern als Gemeindeplatz'betrachtete, woraus folgt, dass der Hof der Frauen jeglichen sakralen Charakters ledig war, so bleibt jener Umstand völlig unbegreiflich, dass die vornehmsten Riten des -von der Ueberlieferung für so - großartig glänzend ' und wichüg ausgegebenen Freudenfestes gerade im Hofe der Frauen celebrirt wurden, der vor Herodis Zeiten gar keinen sakralen'Charakter besaß. Schon hieraus wäre zu entnehmen, dass das ganze Freudenfest vielleicht nur ein Volksfest war, ׳ das außerhalb der Tempelmauern auf dem Rasen verlief; doch bleibt-noch immer die Frage, warum man nach Vollendung der herodianischen Bauten den Schauplatz des Festes gerade in de» Hof der Frauen verlegte, und besonders, was hinter dem Bericht der Ueberlieferung stecke, wonach anfänglich nur. Frauen am Feste th'eilnahmen, während die Männer nur Zuschauer waren und׳ diese Rollen erst infolge von Fällen des Leichtsinns gewechselt werden mussten? Um diese Hauptfragen gruppieren sich die minder scheinbaren, welche jedoch zum Verständnis des Wesens des Festes und feines׳ Ritus von besonderer Wichtigkeit sind. Warum feierte mau das Fest zur Nachtzeit, und zwar fünf, sechs Nächte hindurch? Welche Bedeutung hatte die jenen großen Glanz ausstrahlende Fackelbeleuchtung? Warum konnten nur die Frommen am Feste theilnehmen, und was bedeuten ihre Sprüche, ihre Abschiedslieder und die Ausbrüche endlos ausschweifender Freude? - Warum betraute man mit dem Anzünden der Lampen an den-Säulen was nach der Ueberlieferung so wichtig war — nur die Himglinge unter den Priestern? - Wozu das verletzende Selbstlob am Feste, dass sie sich vor Gott beugen, während die Vorfahren die Sonne verehrten? J Wie soll man es verstehen, dass inmitten dieses Freudentaumels, der in maßlosem Singen, Musiziren und Tanzen sich äußerte, des Hahnenrufes geachtet wurde, damit der Züg nach Siloah wegen des Wasserschöpfens sich in Bewegung setzen könne? Diese Fragen sind nicht Ergebniße einer ׳Haarspalterei, und man kann uns nicht der Kleinlichkeit bezichtigen, ׳wo es sich darum handelt, dass im jerusalemischen Tempel, im Brennpunkte der Judenheit eine dem jüdischen Jdeenkreise völlig fernstehende Institution kultiviert würde. Denn die Institution - selbst und alle Details ihres Verlaufes — mit Rücksicht auf die Einrichtung und den Cultus des jerusalemischen Tempels wie auf das Verhältnis zwischen Volk und Tempel — ist so sehr fremdartig, dass wir sie auch mit bestem Willen nicht auf jüdischem Boden erstanden denken können. Es istgeradezu befremdend, dass unsere Gelehrten, die mit ihrem Wissen Und der secierenden Kraft ihres tiefdringenden Verstandes die uralten Institutionen und den Cultus der Judenheit in ihre' ägyptische, kananäische, babylonische und persische Bestandtheile zerfaserten, entsprechend den Völkern, mit welchem die Juden je verkehrten,׳ ja selbst ׳ den Brahmaismus in Mosis Schriftein entdecken׳ wollten, und überhaupt überall nach fremden Einflüssen mit: feinem Spürsinn forschen, gerade bei dem Freudenfeste!an der einfachen Erklärung sich genügen lassen :- ״Es war einalter׳ Brauch!" Und doch ist der.fremde Einfluß nirgendwo so klar und jeden-Zweifel ausschließend, als bei diesem Freudenfeste-׳, dessen Verlauf die Ueberlieferung — trotz großer: Lücken- Hastigkeit in allen charakteristischen Zügen in solcher Weise bewährte,: dass darin die eleusinischen Mysterien zu-erkennen sind... Dieses Freudenfest beweist, dass auch der-Verkehr mit den Griechen nicht ohne Wirkung auf das jüdische Glaubensleben blieb. Die eleusinischen Mysterien, genauer .hex Cultus-, der'Demeter und ׳Persephone, fanden Einlass im jerusalemischen Tempel. Bevor wir jedoch zum Beweise dieser: Behauptung schreiten, müssen wir Ursprung, Wesen und Bedeutung' der eleusinischen Mysterien ins Auge fassen. ך (Forts, folgt). Fragebeantwortungen. ... - . ,?11. ■ Löbliche Redaction! Es giebt zwar Leute, für ׳die man sich nie deutlich genug , ausdrücken kann, doch will ich es versuchen, meinen Standpunkt zur Orgelfrage noch einmal kurz zu präcisiren. . Principiell ist mir ein geregelter Gottesdienst ohne ^)rgel sympathischer als mit Orgel. Wo aber Orgel eingeführt ist, da erfordert es die jüdische Ehre,׳ dieselbe von einem-Juden , spielen zu lassen und nicht erst von der Mitwirkung, eines Nichtjuden die Abhaltung des jüdischen. Gottesdienstes - abhängig״ zü machen. Religiöse Bedenken bestehen nicht; da alles, was für einen ״gefährlichen" Kranken am! Säbbath verrichtet werden darf, mit noch größerem Rechte לצורך מצרה י erlaubt ist. — Diesen Kal-wochomer hat der Beer üsbsd gemacht, nicht, ich — und der Gottesdienst (nicht die Orgel!) ist doch ein צורך מצרה♦ Es bestände nicht einmal ein rituelles Bedenken,׳ die Tasten und Pfeifen in Stand zu setzen,: da eben für einen Kranken und um so mehr לצ״מ alles erlaubt ist! Aber zur Beruhigung der Gemüther seien noch׳ die Worte des רמ״א, b ekanntlich kein - angeführt:! 7 ״ Manch e ab er -beh aupten, ־ daß jetzt alles erlanbt ist, -da wir die Anfertigung von: MusikinstrumenteN nicht - v ersteh en' und nicht zu b efürchten ist, man könnte das Musikinstrument zürechtmachen, da es eiNmngewöhnliches Ding ist." Oraolr Oüajioa 339,3. Man sieht, dass eine Orgel

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