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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-07-15 · Heft 18 (15.7.1897) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 18 (15.7.1897)
Date
1897-07-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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18. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Seite 5. sähe," und weil man leicht die Bestimmung desselben erkennen könne. Da sich nun in Kits Pilger aus allen Th eilen des Reiches treffen, ״so sei der Anblick einer Synagoge ein unpaffeiider Anblick für die Gläubigen.." Die Klage an den Senat des Reiches wurde eingereicht, und dieser hat soeben die Entscheidung des Generalgouverneurs von Kies für ungültig erklärt und erlaubt, dass das Gebäude dem jüdischen Gottesdienste freigegeben wird. Die jüdischen Angestellten. — Als das südwestliche Eisenbahnnetz im ,Jahre 1894 vom Staate angekauft wurde, entließ man alle auf dieser Linie seit 30 Jahren angestellten jüdischen Beamten, deren Zahl 9,800 betrug. Um den Dienst nicht zu schädigen, wurden die jüdischen Angestellten serienweise entlassen. Trotzdem gelang es einer Anzahl von ihnen sich zu behaupten, weil ihre Kenntniße im Dienst von unbestreitbarem Nutzen waren. So bestand denn am 1. Januar 1897 die Zahl der jüdischen Angestellten aus 350 Köpfen. Drei Jahre hindurch hatten diese Angestellten nicht auf den offiziellen Listen figurirt, man schien sie nur zu dulden, und ihre Gehälter wurden wesentlich herabgemindert. Schließlich, da man nicht genügend tüchtige Vertreter für sie fand, befahl der Minister für Wegebauten, dass sie offiziell wieder in ihre Äemter eingesetzt würden, und als permanente Angestellte in den Listen figuriren sollten mit denselben Gehältern und denselben Rechten auf Ruhegehälter wie die Christen. Universitäten. — Die Universität von Warschau besitzt unangreifbare Kapitalien, die von Privatgeschenken herrühren und deren Interessen als Stipendien an arme und verdienstvolle Studenten vertheilt werden. Unter diesen Gründungen muß besonders der Kopernicusfond genannt werden, der für die hervorragendsten Studenten in der Mathematik bestimmt ist. Es kam oft vor, dass diese Auszeichnungen von jüdischen Studenten verdient wurden. Da die Warschauer Zeitungen diese Thatsache hervorgehoben und erklärten, dass die Kopernicusgelder katholischen Ursprungs seien, und folglich die Stipendien nur an katholische Studenten vertheilt werden dürften,Hat der Universitätsrektor von Warschau, Herr Wostokof, folgende Notiz publicirt: Die Universitäten find öffentliche Anstalten. Ihre Statuten beschäftigen sich nur mit der Leitung der Studien, und die akademische Behörde hat sich ausschließlich mit den Fortschritten und Erfolgen der Studenten in den verschiedenen Unterrichtsfächern zu befassen. Alle Betrachtungen außerhalb der Studien, besonders solche, die Nationalität und Religion der Studenten betreffen, sind formell von der Universität Warschau verbannt, da ja die Zulassung von derartigen Betrachtungen eine Verminderung des wissenschaftlichen Ansehens und des moralischen Einflusses zur Folge haben würde. Türkei. Der religiöse Fanatismus Hat ein neues Verbrechen, dessen Opfer einer unserer Glaubensbrüder im Hanaquine geworden ist, auf dem Kerbholz. Hanaquine liegt an der türkisch-persischen Grenze; ihre israelitische Bevölkerung zählt ungefähr 800 Seelen. Bis jetzt lebten hier die Juden in der größten Sicherheit und wurden besser behandelt als in den anderen Thsilen von Kurdistan und Irak. Da kam eines Tages ein religiöser Führer, eim Alem hierher, der durch seine Lehren die Sicherheit der Israeliten in Hanaquine gefährdete. Er umgab sich mit einer großen Menge von Schülern, die er in die Gebräuche und Betrachtungen eines engherzigen Puritanismus einweihte. Diese Lehren haben einen ihrer Anhänger zum Morde geführt. Dieser Sektierer hatte feinen Lehrer geftagt, welches Schicksal der verdiene, welcher, nachdem er einmal znm Islam übergetreten, in seine alten Irrlehren Zurückfalle; der Geistliche antwortete, ihn zu tödten wäre eine That der Frömmigkeit. Diese Lehre that auch bald ihre . Wirkung. Es gibt in Hanaquine einige Juden, die, um den, Verfolgungen, denen sie in Pxrsien ausgesetzt waren, zu -entgehen, zum Islam übergegangen waren. Sobald sie sich aber in. der Türkei, wo die Behörden den Juden gegenüber sehr wohlwollend sind, niederlassen durften, nahmen sie ihren alten -Glauben wieder׳ an. Einer von ihnen, ein Barbier, wohnte seit zwanzig Jahren in Hanaquine. Am Montag, den 29. März kam ein Geistlicher zu ihm und bat ihn, ihm in einem benachbarten Garten am Arm zur Ader zu lassen. Der Jude gierig mit ihm. Zwei Geistliche saßen an der Thüre. Zweifellos hatten sie den Auftrag, diese zu bewachen. Als er im Innern des Gartens angekommen war, bereitete unser Glaubensgenosse den Aderlaß vor. Sofort versetzte ihm der junge Alem einen Dolchstich und schnitt ihm darauf den Kopf ab. Als er das Verbrechen begangen hatte, entfloh er unter den Augen einiger arabischen Bauern, die im Garten gleichgültig dem Mord zusahen. Der Geistliche entfloh in das Haus seines Lehrers. Die Blutstropfen, die von seiner Hand sielen, bildeten eine Art Spur, mit welcher man feinen: Weg von dem Garten bis zu seinem Zufluchtsort verfolgen konnte. Der Lehrling des Opfers erwartete seinen Meister an der Gartenthür und fand dort seinen Leichnam. Auf sein Geschrei eilten einige Juden herbei und benachrichtigten den Caimacan. Dieser Beamte, dessen feindliche Gesinnung gegen die Juden bekannt ist, begnügte sich zu antworten: ״Bringt den Mörder herbei, und ich werde ihn ins Gefängnis werfen kaffen." Unsere Glaubensgenossen wandten sich darauf nach Bagdad. Der Bali beschäftigt sich mit der Angelegenheit. Sein Excelleuz der Marschaü Redjeb-Pascha. der von dem unglücklichen Fall benachrichtigt wurde, telegraphine an den militärischen Kommandanten von Hanaquine, damit der Verbrecher verhaftet, gefangengenommen und vor Gericht gestellt werde. Excellenz Redjeb-Pascha lässt keine Gelegenheit vorübergehen, ohne seine große Gerechtigkeitsliebe zu beweisen. Die Gemeinde von Hanaquine ist sehr beunruhigt. Die Geistlichen, voller Wuth einen der ihren verfolgt zu sehen, drohen noch weitere Verbrechen zu begehen. ״Wir haben noch 6 Hinrichtungen auszuführen, sagen sie, wir werden die Schuldigen am Hellen Tage in ihren Wohnungen oder Läden ergreifen." Bulgarien. Der Director der Schule der Alliance in Jamboli schickt an das Central-Comits folgende Mittheilung: Der Metropolit von Sliwno, Monsignore Aerwassi, ist in den letzten Tagen in unsere Stadt gekommen. Die kirchlichen Behörden von Jamboli, zu denen ich in den freundlichsten Beziehungen stehe, benachrichtigten mich von feiner bevorstehenden Ankunft und luden mich ein, mich an dem Festzug, der dem Prälaten entgegengehen sollte, zu betheiligen. Ich und ein Mitglied unseres Comitss beeilten uns, das Anerbieten anzunehmen. Monsignore Aerwassi ist einer der aufgeklärtesten Prälaten Bulgariens, einer von denen, die am wenigsten ein Geheimnis aus ihrer toleranten Gesinnung machen. Er machte sich bei unfern bulgarischen Glaubensgenossen dadurch Volksthümlich, dass er mitten im jüdischen Ostern den Rabbiner der Gemeinde Slivno besuchte .... Nach den üblichen Vorstellungen ließ uns Aerwassi Erfrischungen anbieten und lud uns zu einem ländlichen Mahle ein. Beim Dessert drückte ich ihm die Sympathien und die Ehrfurcht der bulgarischen Juden aus und lud ihn ein, unsere Schule zu besuchen. Monsignore Aerwassi antwortete sehr wohlwollend, versprach binnen kurzer Zeit einen Besuch der Schule und fügte hinzu, dass er zu der jüdischen Gemeinde von Jamboli kommen werde, um zu wiederholen, dass alle Bulgaren Kinder eines Vaterlandes und denselben Gesetzen unterworfen seien, und dass alle Menschen ohne Unterschied der Religion Brüder feien. Diese Antwort, in diesem Augenblicke und vor einer Zuhörerschaft, die sich aus den Civilbehörpen von Sliwno und Jamboli, Abgeordneten der Soberanie und vielen Delegierten zusammensetzte, hatte eine große Wirkung. Am nächsten Sonnabend hielt Monfignor Aerwassi eine Rede in dem israelitischen Club. Vor jüdischen Zuhörern sprach dieser orthodoxe Prälat mit - Fener für die Toleranz und das Recht aller Menschen, in Freiheit die von den Vätern ererbte Religion auszuüben. Bei Gelegenheit des Osterfestes haben die bulgarischen Bischöfe die Popen versammelt und ihnen die Entscheidungen mitgetheilt, die jüngst die heilige Synode iiber die Angeklagten von Ritualmord, den man mit Unrecht den Juden vorwirft, gefasst hat. Wir erfahren aus sicherer Quelle, dass der

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