Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 18 (15.7.1897)
- Date
- 1897-07-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/1304829-3453397-3453415--4870-3459378- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 18 G esterreich isch-ungarische Lantoren-Zeitung Seite 3 kommen, und der Quell der Wohlthätigkeit wich wieder-ebenso ergiebig fließen, wie m den vergyngeyen Jahren — denn der göttliche Trieb der Liebe .und Barmherzigkeit wirft ewig und ewig. fort als. das -schönste. Erbtheil. des sterblichen ErdensohirLs. - Za überall ertönt dieser Nothschrei, wiederholt wurde in Sonst sind ja unsere amerikanischen Juden schr ansgeweckt invb lassen; sich fetten. von einem Wahlgefchrei mit fortreißen, lind -doch gährt es und rumort es noch immer gewaltig in de» Köpfen Bieter, die da meinen, -dass der Zionismus eine Bedeutung Md dass er mit dem Münchener Congreß einen größeren Anlauf Newyorker Blättern auf die traurige Lage hingewiefen, in welcher die Casse der Vereinigten Jüdischen Wohlthätigkeis-Gesellschaften sich.7 befinde. Mo ׳ wurde an alle:jüdischen.Bewohner unserer Stadtvon denen man annimmt, dass sie an dem großen Werke der Menschenrettung beizutragen im Stande und auch gewillt sind, ein Cirkular, oder vielmehr ein Aufruf, ein Appell versandt. Der Appell lautet: ,Müe ernste Krisis in dem Zustande dxr Vereinigten Jüdischen Wohlthätigkeits-Gesellschaften dieser Stadt ist eingetreten. Diese Casse ist leer. Weder ist Aussicht vorhanden, dieselbe vor dem kommenden October wieder zufüllen, noch auch haben wir dann Gewissheit, dass nach dieser Zeit ein genügender Fonds vorhanden sein wird, die Thätigkeit fortzusetzen, so. dass die Gesellschaft ihre volle Pflicht den Armen gegenüber, wie die Ehre der Gemeinde es erheischt, zu erfüllen im Stande sein werde. Daher wurde ein Noth-Comits organisirt mit der Aufgabe, für die Vereinigten Wöhlthätigkeits-Gesellschaften ein ständiges Einkommen durch Gewinnung von beitragenden Mitgliedern zn schaffen, ״Den Wohlthätigkeits-Anstalten in dieser kritischen Stunde die Unterstützung zu entziehen, ist gleichbedeutend damit, dass sie ihre Thüren zu schließen gezwungen sind; dass die Erfahrung während einer zweiundzwanzigjährigen Thätigkeit erworben, in den Wind geschlagen; dass die Armen von Thüre zu Thüre zu. wandern gezwungen werden, Um Almosen zu erlangen, Ein solches Resultat kommt einer öffentlichen Kalamität gleich, welche abzuwenden wir an Ihr Herz appelliren, dadurch, dass Sie zu einem jährlichen Beitrag sich verpflichten. Die Situation kann nicht mit leichter Hand auf die Seite geschoben werden, Sie erfordert Opfer, nicht Berechnung. Um dex Nothdürftigen halber, M des guten Rufes, den der jüdische Name geniesst, erwarten wir Ihre Hilfe, so weit es in Ihrer Macht".י- ׳ Hoffen wir, dass das Resultat ein zufriedenstellendes sein wird. Ju hen Mnai Brith Zirkeln in Boston zeigt, sich wieder erhöhtes Interesse an den Arbeiten und Bestrebungen des Ordens. So fand jüngst eiye vereinigte Unterhaltung der Mussachnsetts Amps, Boston und Mosenthal Loge statt, bei welcher der Präsident des Districtes Joshua Kantrowitz, der Schatzmeister Sol. Sulzberger und der Präsident des Altenheims in Ionkers als Redner fungirten. Nach der Unterhaltung fand ein Bankett statt, bei welchem es hoch herging. Auch in Hartford hielt die Ararat Loge desselben Ordens eine Unterhaltung ab und es sungirten als Redner Herr Adolf Hirsch, erster Vice-Präsident der Großloge, und Moritz Ellinger. Der Erstere hob die verschiedenen Wohlthätigkeits-Anstalten hervor, die ihre Entstehung dem Orden zu verdanken hätten, und der Letztere beschrieb die ethischen Bestrebungen der Brüderschaff. Er sagte u. A.: ״Wie streben nach Einigung, nicht aber um materielle Vortheile zu erringen, nicht um in weltlichem Sinne unseren Einfluß zu erhöhen, sondern unserer Mission als Juden entgegen zu reifen, eine Mission, die da lautet zur Beredlung und Versittlichung der Menschen mitzuwirken.' Es gibt kein lauteres Zeichen der noch herrschenden Rohheit und Barbarei, der Unbildung und Unmoral, als— der Antisemitismus. Und er wird nur verschwinden, wenn der. Fortschritt und Geistesaufschwung in immer weitere Kreise dringt." nehmen würde. Ja wen» die Orthodoxe« curshorchten und dm Messiasruf zu vernehmen glaubten, -so ließe sich das noch erklären Sie denken mit dem Herze«, das HMK sie fühlen die Restgiyn mehr als der kühle Verstand zugeben würde. Mex auch einige hervorragende Radieyl-Reformer scheinen sich «ii fortreißen zu lassen und in den Ruf ״Auf nach Jerusalem" — mit der Etappe München eiuzusaltt». Na, das BM U Mger Wie diese Führer, um wenn sie den Rath des Talmuds befolgen würde«, der da sagt: ״Geh auf den Markt und höre was das Volk sagt", so werden sie finden, dass man sie auslacht. Na hier können sich hie Herren schon den Spaß erlauben, eine Versammlung ahznhalten und vielleicht einen Delegaten zu erwählen, denn alle Welt weiß, dass sie nur eine Posse aufführen. Aber für Europa hat die Bewegung eine sehr ernste Seite und die neueste Nummer der ״Zeitung des Judenthums" warnt ernstlich gegen den Spuk. Das Tischrücken hatte seine Zeit, ließ sich doch ein Schubert davon bethören, der Sabbathai Zech fand Anhänger in der ganzen Wett, warum sollten nicht auch Schwärmer wie Herzl und Nordan Nachtreter sticken? Aber für das Auslachen brauchen die amerikanischen Apostel nicht zu sorgen — das wird die vernünftige und echt religiöse Welt weidlich besorgen. Frsgebesniwvrtungen. . L Die offenen Anfragen des Herrn Bene di et Singer. I., Cantors im Jungbunzlau, will ich im Folgenden zu beantworten versuchen. 1. Es herrscht allerdings eme Scheu davor, zur »1N2M aufgerusen zu werden, und in manchen Gemeinden wird ein Armer eigens dastir bezahlt. Aber diese Scheu wurzelt im häßlichen Werglauben, dass die für die Vernachlässigung des Gesetzes angedrohren Strafen gerade den treffen könnten, dem sie vorgelesen werden. Es ist daher Pflicht des Rabbiners, dessen Aufgabe es doch ist, das Volk zu belehren und auszuklären./ selbst wenn er sonst nicht aufgerusen würde, sich zur »1N21N aufrufen zu lassen, um dem Volke ein gutes Beispiel zu geben, - denn Weisheit und Zurechtweisung verschmähen nur die Thoren (Spriiche 1, 7)! 2. Die eigentliche öffentliche Andacht sängt erst mit 1212 an, namentlich sollten die *11212 von אלהי בשמה bis חסדים טובים nicht in der Synagoge nacheinander, sondern W Hause beim Aufstehen, Waschen und Ankleiden bei jeder passenden Gelegenheit einzeln gesprochen werden. Das Hcrsagen in der Synagoge bezeichnet der 221 "ם in Hilchot. Tefila 7, 9 als einen Jrrthum, wenn auch der Schulchan Aruch, Orach Chajim 46, 2 diesen Miuhag gut heißt. Nach letzterem aber gehört alles zur öffentlichen Andacht. 3. Ueber die Zulassung der Orgel beim jüdischen Gottesdieuste sindbekanntlich seinerzeit die heftigsten Kämpfe ausgefochte« worden,, und auch jetzt nehmen die Orthodoxen einen durchaus ablehnenden Standpunkt, ein. Nach ihnen darf weder ein. Zttde. nych ein .Nichtjude die Orgel in einer Synagoge am Sahbath spielen. Ein Gemeinde aber, welche die Orgel in ihrer