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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-06-28 · Heft 17 (28.6.1897) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 17 (28.6.1897)
Date
1897-06-28
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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17. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 5. an-die alten großen Kachelöfen denken, die einen freien Liegeraum zur Wand halten und rings von einer Bank umgeben waren, wo man Schlummerstündchen Hielt, Nebich oder nabsob, nsbocrb wird gewöhnlich hergeleitet entweder von ״nie bei Euch l" oder von dem böhmischen ,ne buh״ ־Gott soll es nicht (kommen lassen)". Beides erscheint nicht richtig. Nebich ist eine Jnterjection des Mitleids, und dieses geht bekanntlich auch aus der egoistischen Regung hervor, von dem Leid, das man bei anderen sieht, nicht selbst betroffen zu werden. Die Erklärung ״nie bei Euch" לא עליכם trifft also nicht zu, da dieser Ausruf nicht bei fremdem, sondern bei eigenem Leid gebraucht wird, während das Nebuh. lautlich nicht stimmt. Die richtige Erklärung dürfte daher, wie ich glaube, aus dem böhmischen ״ne/hych.״ ,״ich -möchte nicht", d. h. in die Lage kommen, sich ergeben, oder von ״nebohy“, Unglücklicher, daher das Subftantivum ein Nebich. Berches. In Norddeutschland nennt man das Sabbathbrod über das der Segen gesprochen wird, ״Berches", in Oesterreich ״Barches", in Süddeutschland hingegen ״Taascher". Sollten diese Bezeichnungen sich nicht auf das erste und letzte Wort im Verse Sprüche 10, 22, ״ ׳ברכת ה' היא תעשירder Segen Gottes macht reich", beziehen? In Zunz' Schrift ״Namen der Juden", die überhaupt mehr zu registriren und zu distribuiren als zu erläutern sucht, kommen die oben angeführten Namenerklärungen, einige kurze Andeutungen abgerechnet, nicht vor. Selbst Namen wie Karpel und Ganendl werden gar nicht erwähnt. Auch der schematische Leitfaden für Wahl und Verleihung der ״kirchlichen" Namen (zum Gebrauche bei gottesdienstlichen Functionen) und deren Verhältniße zu den vulgären und bürgerlichen Namen, sowie für die dabei beobachteten Vorgänge reicht für die von mir versuchten Erklärungen nicht aus. Um dieses darzulegen, lasse ich hier die Stelle aus Zunz, ib. 48—51, folgen: ״Hat das Individuum späterhin einen zweiten, nicht kirchlichen Namen geführt, so konnte selbiger nur sein: 1. Des ursprünglichen Namens Abkürzung oder Uebertragung, z. B. Diefatto (Asael), Leser (Elieser), Muel (Samuel), Schaja (Jesaja), Sender (Alexander), Tranquill (Maneach), Vita (Chajim); 2. ein beliebig angenommener Name, wie Simcha-Simeon, Menachem-Jmmanuel, Joseph-Benet; 3. ein Beiname. In denjenigen Fällen aber, wo des Knaben eigentlicher Name nicht als kirchlicher gelten konnte, dennoch aber der bürgerliche bleiben sollte, wurde dieser sogleich von einem kirchlichen begleitet, dessen Verwandtschaft mit dem bürgerlichen fünffach war, nämlich: 1. Rückkehr zum Ursprünge. So erhielten die Namen der Landessprache: Eisack, Ismail, Koppel und Sanwel ihre Correetion in den Kirchennamen Jsaac, Jsmaßl, Jacob, Samuel. 2. Uebertragung. Man übersetze Bär in Dob, Benet in Baruch, Bonet in Masaltob, Gottlieb in Jedidja, Hirz in Zebi, Masud in Mazliach. 3. Verwandtschaft der Bedeutung, wobei oft das Synonyme übersehen wurde; man machte aus Fromman Nehemia (nicht Zadok), ausGottschalk Eljokim (nicht Obadja). 4. Klangähnlichkeit; daher Kalman-Kalonymos, Bonam- Benjamin, Mann-Menachem. 5. Symbolische Zusammengehörigkeit. Nach Jacobs Segen (Genes. 48, 16; 49, 9. 21, 27) hieß Fischliu Esraim, Hirz (Hirsch) Naftali. Löwe Jehuda, Wolf Binjamin." Esist. leicht begreistich, wie nur der kleinste Theil von Namen Elemente zu einer solchen Verwandtschaftlichkeit bieten konnte, gerade wie bei den Doppelnamen im griechischrömischen Zeitalter. Bei der großen Mehrheit, von Namen herrscht mithin, was jene kirchlichen Begleitnamen betrifft, geradezu Willkür, die mit der Zeit zum Herkommen ward> wobei Liebhaberei, Namenvererbung, das Beispiel angesehener Lehrer den Gebrauch befestigen halfen. Dies allein gibt Ausschluss, wie man Bonsant in Baruch, Gumprecht in Mordechai Hendel in Manoach, Kaufmann in Jekutiel, Süßkind in Alexander, Beitel in Nathan und sogar Michel (Michael) in Jechiel kirchlich übertragen konnte. Wenn Zunz Seite 70 meint: ,.Mit einer beinahe noch größeren Freiheit bemächtigte sich das weibliche Geschlecht der landesüblichen Namen. Die Mädchen, nicht theilhaftig der kirchlichen Functionen, bedürften keines kirchlichen Namens". — so vergaß er seltsamerweise daran, dass deren hebräische Schreibung in Ketuba. und Get noch den Kasuisten und Decisoren unserer Zeit keine geringen Skrupel macht. Entgegen der Bemerkung von Zunz, Seite 52 : ״Durch den uneingeschränkten Gebrauch von Namen jeder Art verwischte sich in dem Bewusstsein der Unterschied des Ursprungs", glaube ich wenigstens dargethan zu haben, dass es keine vergebliche Muhe sei, der Etymologie der Namen bis zur Quelle nachzugehen und scheinbar heterogene Sprachelemente in der Namens- Verknüpfung auf ihre Wahlverwandtschaft und Synonymie zu prüfen. _ Kleine Chronik. Wien. Dienstag, den 15. d. M. fand das Leichenbegänguis des im schönsten Mannesalter leider zu früh dahingeschiedenen, verdienstvollen Vorstandsmitgliedes der türk.-israel. Gemeinde, Herrn Salomon D. Asriel, Chef der Firma Asriel u. Farchy. statt. Der Verblichene war in Folge seltener Charakterzüge und seines besonders ausgeprägten Humanitätssinnes sowohl in als auch außerhalb der Gemeinde sehr beliebt. Die Betheiligung am Leichenbegängniße war eine außerordentliche und nebst dem Gesammtvorstande der Gemeinde und der Chewra-Kadischa waren viele Gemeindemitglieder anwesend. Nach dem ergreifenden Vorträge eines Trauerpsalms durch Obercantor Bauer mit dem Chore Hielt Rabbiner P ap o die Trauerrede, in welcher er die Verdienste des Dahingeschiedenen mit treffenden Worten schilderte. ת׳ב׳צ׳ב׳ה. Wien. Im Beisein der beiden Präsidenten Marcus M. Russo und Licco Adutt, des Schulinspectors Dr. Thaler und zahlreicher Gemeindemitglieder fand Sonntag, den 27. Juni in den türk.-israel. Tempellocalitäten die Prüfung und Schlussfeier der türk. Talmud-Thora statt, die neuerdings die große Leistungsfähigkeit der von dem bewährten Pädagogen, Herrn Director Groag, geleiteten Schule bewies. Ihm, sowie dem gesammten Lehrkörper, Herrn Chacham Alkatay, Sprachlehrer D. Moscona und Gesangslehrer Löwi-t, gebührt die vollste Anerkennung, die ihm auch in den letzten Tagen, gelegentlich der Visitation durch den Herrn Landesschuliuspector, von competenter Seite zu Theil wurde. Mit Absingung der Bolkshymme durch die Schuljugend schloß die schöne Feier. Liesing. im Juni. Soeben kommen wir vom Mödlinger Gottesacker, wo wir unseren, am 19. d. M. im 50. Lebensjahre dahingeschiedenen Cultusrepräsentanten, Herrn Ferdinand

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