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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-06-28 · Heft 17 (28.6.1897) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 17 (28.6.1897)
Date
1897-06-28
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. ihnen vorausgegangenes Kind einst in feinem himmlischen Glanze zu Hier'geistigen Freude Wiedersehen werden, sie trösten und ihren Schmerz lindern. ״Habt Ihr Eltem recht erzogen, so erkennt Ihr Euer Kind dort in jenen lichten Höhen wieder." (Jean Paul.) Auch hiefür citieren wir aus dem Talmud -ein muster- Haftes Beispiel von sanftmüthiger Ergebung, in den Willen Gottes. Beruria, der Tochter des obgenannten R. Chanina b׳ Dradjou und heißgeliebten Gattin des höchst scharfsinnigen R. Mäir, sielen am. Sabbath-Nachmittag, während ihr Mann im Lehrhause einen Bortrag hielt, zwei hoffnungsvolle und gelehrte Söhne in einen Brunnen und starben sofort. Um ihren Mann von dem plötzlichen Schrecken zu verschonen, trug sie die Leichen in ihr Schlafzimmer, legte sie auf das Bett und . bedeckte sie. Ms am Abend der heimkehrende Vater nach seinen Söhnen ftagte, antwortete sie, dass sie wohl im Lehrhause sein werden. Sie brachte chm den Becher Wem, um den am Sabbathausgange üblichen Segen *Hawdalah“ zu sprechen. Ausseine wiederhole Frage: ״Wo sind meine Söhne?" antwortete Beruria: ״Sie werden wohl nicht fern sein". Nach der Mahlzeit sprach sie zu ihm: ״Rabbi, eine Frage! Vor einiger Zeit gab mir Jemand Juwelen zur Aufbewahrung,, die er nunmehr zurückfordert. Soll ich sie ihm zurückgeben?" ״Gewiss!" antwortete der Rabbi. ״Kann meine Beruria so etwas bezweifeln?" ״Nein!" sprach sie: ״aber ich wollte dich nur früher davon unterrichten". Sie führte ihn dann in das Schlafzimmer und zog das Tuch von den Leichen weg. Er sah die zwei Todten und weinte und ries: ״Meine Söhne, meine Söhne, meine Lehrer, meine Lehrer! Ihr habt mich in der Thora erleuchtet!" Die Mutter wandte sich weg und . weinte auch. Dann ergriff sie die . Hand ihres Gatten und sprach: ״Hast Du doch vorhin gesagt, dass man die uns zur Aufbewahrung anvertrauten Schätze auf Verlangen wieder zurückgeben muss? Dies ist dasselbe. ״Gott hat sie gegeben, Gott hat sie genommen; gepriesen sei der Name des Ewigen!" (Jjvb. 1, 21.) Er wiederholte diese Worte und war beruhigt. (Jalkut z. Spr. Sal. Nr. 962.) Dass Beruria ihre Kinder ״Juwelen", ״Schätze" nannte, hat Ähnlichkeit mit folgender Mittheilung Plutarchs. Er erzählt in seinen Biographien, dass Cornelia — die Mutter der .Gracchen — einer Römerin, die mit ihrem. Schmucke prangte und sie bat, ihr auch ihren Schmuck zu zeigen, ihre eben aus der Schule heimgekommenen Jünglinge vorführte, mit den Worten: ״Dies ist mein Schmuck!" Den alten jüdischen Frauen war es muudgeläufig, ihre Kinder ״Kronen" zu nennen. Eine weitere Enttäuschung kann den Eltern dadurch bereitet werden, dass die Kinder ihnen die pietätsvolle Respectirung oder auch die erwartete Unterstützung in ihrem Alter versagen, und zwar, weil es den Kindern entweder an den Mitteln, oder an Dem guten Willen gebricht. Auch in dieser Eventualität wird sie das Bewusstsein beruhigen, dass sie durch Respectirung und Unterstützung chrer eigenen Eltern den Kindern eine gute Lehre gegeben haben und . dass sie opferwillig bestrebt waren, ihren Kindern zur Aneignung solcher Kenntniße zu verhelfen, durch welche sie materielle Mittel auf ehrlichem und ehrenhaftem Wege erlangen konnten. Wir dürfen uns aber überhaupt nicht nach Ausnahmen richten. Die Welt geht ,allgemein ihren natürlichen -Gang. (Ab. Sara, 54.) Allgemein werden aus gut erzogenen und gut unterrichteten Kindern gute, religiös-sittliche..Meuschen, .hre. ihre Eltern respectiren,. sie nach Kräften, den -bescheidenen Mvffuungen.^ gMtäß, unteastützen und ihnen die letzte - Tr eu c ^weisen; sie sWh Hnen also •ein >Stgb zur, Hand.לי-י-ץ :eine... Stütze Nr. 17 hier—- und eine Schaufel zum Grabe. (Ketub. .52.) Ueberdies ist die Hauptfreude der Eltern das Bewusstsein, dem Staate religiös-sittliche und, nützliche - Menschen und seinem Glauben treue Anhänger erzogen zu haben, wofür der. Hauptlohn erst im Jenseits folgt. . In gleichem Sinne sind nachfolgende Äußerungen berühmter . Pädagogen gehalten: ״Was von den Vätern stammt, was sie mit Liebe gehegt und gepflegt haben, das soll der Jugend - auch von Kind auf ehrwürdig sein; sie soll׳an den Erinnerungen aufwachsen, die ein heiliges Besitzthum der Familien, der Völker sind. An diesem Punkte entspringt eine der verborgenen Quellen alles echten Patriotismus." (Palmer.). ״Zwar kann die höchste Bildung und Moralität der Eltern ihre Kinder nicht allein vor der Ausartung schützen, da die Welt und das Leben überall mit einwirken und —miterzieht. Aber unendlich viel hängt doch davon ab, und was dadurch früh in der Kinderseele begründet wird,;dies,g eh t niem al s g a nz v erlo r eit.". (Niemeyer.) Der Talmud lehrt dies kurz mit folgenden Worten: ״Die Thaten der Eltern erben die Kinder." (B. B. 159, Sanhedr. 104, Ps. 45, 17). ״Wie der Vater so der Sohn, und wie die Mutter so die Tochter." (Ketub. 63.) Man kann demnach allgemein annehmen, dass bei,jenen Eltern, welche die in unserer. Hauptstelle angegebenen Psiichten derKinder-Erziehung gehörig erfüllen, auch die daselbst angeführten Verheißungen aus dem Buche Jjob in ihrem ganzen Umfange als eine natürliche Folge eintreten werden. Diese Verheißungen wollen wir mit einigen Erklärungen hier wiederholen: ״Und Du weißt,. dass Friede, innerer und äußerer Friede in Deinem Hause wohnt;.denn schlechte Erziehung der Kinder veranlasst auch^ äußere Unruhe im Hause. (Broch. 7). Du überschauest deine Wohnung, und es mangelt nichts darin. Alles ist in gewünschter Ordnung. Du weißt, dass Deine Nachkommenschaft zahlreich ist und Deine Sprösslinge wachsen wie Gras des Feldes, zur Ergötzung der Vorüberziehenden. Deine Nachkommen werden auf viele Mitmenschen heilsam einwirken. ^Du ziehest reif in's Grab, im Bewusstsein getreuer Pflichterfüllung, wie das reife Korn, das zur rechten Zeit in die Scheune eingebracht mird, das dem Landmanne für seine mühevolle Arbeit Nahrung gewährt: Wie die Arbeit, so der Lohn!" Möge Gott allen Eltern für die treue Erfüllung -der mit der Kinder-Erziehung verbundenen schweren Pflichten, zar gidul bonim, ihre bescheidenen Wünsche bestens erfüllen. ״Die mit Thränen säen, mögen mit Freuden ernten. Weinend geht dahin, der den Samen ausstreut; aber jubelnd kehrt heim, der die Garben heimführt." (Psalm 126. 5—6). (Schlusswort folgt,) Bilschon. Benennungen und Redensarten im.Dialekt. Vom Landcsrabbiner Dr. B. Placzek. (Schluss). Ein ähnlicher sprachlicher Vorgang ist in dem. eigenthümlichen, sinnlosen Worte mütterseelenalletit zu erkennen, welches (nach einer Mittheilung des Herrn Professors Dr. Ignaz Goldziher in Budapest) ru01 tout 86ul entstanden sein soll. daudre, pandre ist das französische ״joiudre et peudre: mitgefangen, mitgehangen." . Aprenowes sageu ist.entstanden aus ora pro nobis. P erike lm 0 re ist ein Korruptel von perieulruuin mora. ... Napez eit (s chlummern). ist von dem böhmischen ^ua peoe" auf dem-Ofen" (liegen und. Siesta halten).. Man. möge dabei Gesterreichisch-ungarische - Cantoren-Aeitung.

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