Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-06-15 · Heft 16 (15.6.1897) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 16 (15.6.1897)
Date
1897-06-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/1304829-3453397-3453413--4855-3459361
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 6 Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitrmg. Nr. 16. den Beweis ihrer fürsorglichen Bereitwilligkeit zu liefern, indem sie die beiden bei׳׳ der Äffüüierüüg b'erW ab- Mosten kleinen 'Synagogen, sowie die Line, demselben Lose bestimmte in eine gemeütschäftliche, einzige Synagoge verschmolzen, in einem nruerworbenen Gebäude Untergebracht. Diese dreifache, nach dem Namen der ursprünglichen Stifter benannte Eger-Frankl-Porges-Syüagoge wurde Freitag kchends auf den Samstag mit einem feierlichen Go'tesdienste ihrer Bestimmung zugeffihrt, wobei der jugeMiche, über.hochbegabte Obercantör der'Tlaussynügoge, Herr BelaG Ulm anü, zur gesanglichen Function eingeladen würdet Mit einem, vom Chore der Claussynagoge effektvoll vorgetrageneu wurde die Feier eröffnet. Nach dem Anzünden des ewigen Lichtes und dem Umzug mit den Thorarollen hielt Oberrabbiner Dr. Nathan EH r-e irf el d die geistreiche und schwungvolle Einweihungsrede, und hierauf celebrierte Obercantör Gutmann unter Assistenz seines ausgezeichneten Mannerchores den Abendgottesdienst in einer der Feier entsprechendeu, überaus würdigen und weihevollen Weise. Sein nach jeder Richtung wirklich vollendeter Vortrag hatte bei der ganzen, Festversammlung einen großartigen Erfolg, der durch viele Glückwünsche zum Ausdrucke kam. Herr Gutmann, der kaum 9 Monate seinen; Posten an der Claussynagoge bekleidet, erfreut sich trotz der' Kürze der Zeit wegen feiner ausgezeichneten'sachlichen Qualifi-' cation und seiner persönlichen Tugenden' allgemeiner Beliebtheit, und wenn einerseits der Claussynagoge zu einer solch gelungenen Acqmsirion zu gratulieren ist, so gereicht es andererseits wieder; auch ihm zur Ehre, in so jungen Jahren in einer solchen; Gemeinde als Obercantör zu fungieren. Lernberg. Ueber die Unruhen in Schodnica bringt der ״Kurjer Lwowski" einen ausführlichen Bericht. Danach haben die Unruhen schon am 27. Mai begonnen, und zwar wegen eines geringfügigen Evnflicts ׳ zwischen dem Arbeiter ZdaNowicz i mit dem Fleischer Bäckenroih. Seit jener Zeit mißhandelten die Arbeiter jeden auf der Straße ihnen begegnenden Juden und verabredeten, am 30. Mai eine Judenhetze zu arrangiren. Da' aber die Gendarmerie hievon Kenntnis erhielt, konnten die Exceffe im Mime'!erstickt werden, wonach scheinbär Ruhe eintrat. Es wurde der Gendarmerieposten wieder aufgelassen und nurzwei -Ortsgendarmen verblieben. Am' 7. d. Abends begannen die Exceffe unerwartet und ohne jeden'Anlass aufs 'Neue^ Die beiden Ortsgendarmen, deren Jntelligeiiz und Geistesgegenwart allgemein gerühmt wird, konnten der Bewegung nicht Herr werden, griffen zu den Waffen und erstachen den Arbeiter Kukuski. Schließlich 'mussten sie sich vor der trunkenen Menge zurückziehen. Damals erst begann der Heb erfüll auf die jüdischen Häuser. Durch zwei Stunden wüthete die Menge, von Nimandem aufgehalten. Die Gasse gegen Kropiwnik wurde gestürmt, alle Häuser, mit centnerschweren Steinen und Eisenstäben eingeworfeN, älle GeTathe und Möbelsauf die׳ Gasse geschleudert. Der Ort machte den Eindruck, als ob' eine Tartarenhorde ihn durchzogen hätte. Der Schaden, welche die ärmsten Volksschichten erlitten, ist groß, und unbeschreiblich das Elend, welches verursacht wurde. Alle Geschäfte wurden ausgeraubt, Werthsachen und Silberzeug entwendet. Ganze Familien, Männer, Frauen und Kinder würden verwundet. Im Orte herrscht große Panik, da! neuerliche Ueberfülle befürchtet werden. Die ״Gazete Lwowska" - berichtet: In Schodnica bestand schon seit einiger Zeit zwischen Arbeitern und den dort ansässigen Juden ein gespanntes Verhältnis. Beköstigt werden die Arbeiter in christlichen Gar- Achen. Mt den Juden kommen sie blos in den Schänken oder beim Einkauf von Waaren zusammen, und da die Preise der Waaren in Folge der Concurrenz ziemlich niedrig und den Arbeitern genau bekannt sind, kann von einer Ausbeutung und dahu: auch von einer Rache der Arbeiter für die etwaige Ausbeutung nicht die Rede sein. Es wurden zwei Agitatoren eruirt, welche die angeheiterten Mazuren gegen die Juden aufgereizt hüben. ButtuPuff. Der am 6. d. M. in Budapest verstorbene 85jährige Kaufmann Salomon Taub hat in seinem Testamente nahezu 700,000 fl. verschiedenen Wohljhättgkeitsanstalten und Humanitären Institutionen ohne Unterschied der Confession vermacht. Seine Verwandten .erhalten sechs Zehntel des vorhandenen VermögeD. Eine edle Verfügung des Erblassers /.'kommt verschLinteff Armeu zu Güte. Er .hinterließ ^nämlich 12,000 fl. mit der'Bestimmung, dass mit dieser Summe aus den königlichen Versatzämtern die mit weniger als 5 fl. belehnten Pfänder Ärmer äüsgelöst werden sollen.! Littrrstnr. Die bestrenoinmirte Buchhandlung und Antiquariat I. Kmrffmsuu Frankfurt a/M. (Deutschland) versendet.soebeu ihren neuen ausführlichen Catalog Nr. 24 ״Neue Hebraica und Judaica" .welcher 2348 Nummern, eine Fülle von sehr 'werthvollen Werken auf. dem Gebiete der jüd. Litterätur enthält und jedem Interessenten höchst willkommen sein wird. Unsere geehrten Herren Collegcn machen wir besonders ans die Cataloge 22 und-23 aufmerksam, von denen ersterer ein Verzeichnis' gediegener Werke, aus der Israel. Geschichte und letzterer ״Musikal. Synagogcn-Bibliotkick" Verzeichnis von Gesangswerken für den israel. Gottesdienst (Cantor, Chor und Gemeinde) enthält. (t ' Erzählung von M. Büßgang, Falken au. Nachdruck verboten. '1. ' Es sind bereits 25 Jahre her, seitdem ich ans der Jeschibah zu'Dscs als Bachur weilte. Mein Bäter, der ein gar frommer Jude war, schickte mich Hin, indem er sich der festen Hoffnung hingab, dass ich einst als gefeierter Rabbi, oder meiner Gelehrsamkeit halber wenigstens als Schwiegersohn eines begüterten Mannes heimkehren werde. Dass es ihm aber unmöglich war, auch nur halbwegs mir die Mittel zu verschaffen, um wenigstens mit vom trockenen Brod gesättigtem Magen meinen Studien obliegen zu können, daran dachte der gute Mann nicht. Wozu denn auch?.״Haben doch auch ändere blutarme Leute ihre Söhste hingeschickt, die jetzt gefeierte Gelehrte sind", dachte er. And so wanderte ich denn, nachdem mir meine besorgte Mutter mein Bündel geschnürt und mich mit einem Nothpfennig versehen hatte, von den Segenswünschen meines Vaters begleitet, nach Dscs. Fast 3 Jahre hätte ich daselbst in Sorge um das Nötigste und eifrigst in den heiligen Schriften forschend mein .Leben gefristet, als ein Ereignis eintrat, welches meine Lage'gaüz anders gestalten sollte. An jedem Samstag war ich nämlich bei dem reichen Kaufmanne, Herrn Hirsch Gold, zu Tische geladen, außerdem erhielt ich noch ein kleines Taschengeld von demselben, weil ich mit dessen Sohn, der ebenfalls Bachur war, das täglich Gelernte wiederholte. Eines Tages erzählte er mir, dass ihm ein Verwandter, der Gutsbesitzer in Galizien sei, gebeten habe, ihm einen'tüch- Ligen Bachur für seine Kinder zu schicken, und frug mich,, ob ich entschlossen wäre, diese einträgliche Stelle anzunehmen. "Ich könne ja, meinte er, nach einem Jahre, mit Mittel versehen, sorglos dann meine Studien wieder aufnehmen. '. Ich war hocherfreut von' diesem Anerbieten. Durch stetest ׳ Mangel und Nahrungssorgen war ich körperlich herabgekommen, so dass mir die physischen Kräfte fehlten, um weiter lernen zu können, und so betrachtete ich dies als eine Fügung Gottes und nahm den Posten, der mir Erholung und die Mittel zu weiterest Studien bot, bereitwillig uff; Es war ein klarer, stiller Herbsttag, als ich in ״Benevice", dem Gute des Herrn Rüben Rosenheim,, einträf. Ein wohlgepflegter Weg, zwischen blühenden Linden und fruchtreichen Obstbäumen führte zum Herrenhanse. Als ich mich dem Parke näherte, der dasselbe umgab, bemerkte ich dort einen stattlichen, kräftigen Mann, von etwa 40 Jahren, der die landesübliche, jüdische Tracht, in tadellosester Sauberkeit trug. Auf meine Frage, ob. ich den Gütsherrn sprechen, könne, musterte ׳ mich derselbe mit einem langen, prüfenden Blicke und sing mich dann im freundlichen Tone,ob ich der erwartete Bachur sei, was ich bejahte. Hierauf lud er nüch eiff ins Hans zu gehen, und es ward Mir bald klar, dass ich den Herrn'selbst vor mir hatte. .'/ff'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.