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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-06-15 · Heft 16 (15.6.1897) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 16 (15.6.1897)
Date
1897-06-15
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 16. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 7 Ich übergab ihm dann das mir mitgegebene Schreiben, und-nachdem er dasselbe gelesen, konnte ich aus seinen erhellten Zügen erkennen, dass ich ihm in demselben gut empfohlen wurde. א Nachdem ich mich durch Speise und Trank ein wenig gestärkt hatte, führte mir Herr Nosenheim meine Zöglinge zu. Es' wären dies 2 Knaben im Alter von 7 und 8 Jahren, und stellte Mich ihnen als ihren Erzieher-vor, wobei er ihnen einschärfte, recht brav und folgsam zu sein. ■ Während er mir noch Einiges, die Erziehung betreffend, mittheilte, trat plötzlich ein bildhübsches, etwa 17 Jahre altes Mädchen' ans dem' anstoßenden Zimmer , mit freundlichem Grüße ein. . ' .;;; 1 Ich war wie geblendet von dieser holden Erscheinung, so dass ich wie geistesabwesend sie eine Secunde anstarrte und die Fragen meines Herrn fast überhörte. . _ . _ Der Gutsherr hatte den Eindruck bemerkt, den seine schöne Tochter auf mich gemacht hatte und indem er sie sanft zu sich zog sind zärtlich küsste, sagte er: ״Sie werden auch meine Gietele täglich zwei Stunden im Deutschen unterrichten. Ich will aber", fügte er betonend bei, ״dass sie nur correct schreiben und lesen lernt, sonst-nichts. Ich bin Witwer und kann sie bei der Wirthschaft nicht entbehren; ich habe! sie daher zu einer guten.Wirthin erzogen." . Ich wunderte mich gar nicht, dass das bereits zur Jungfrau herangewachseue Mädchen noch nicht deutsch schreiben konnte, da ich die Antipathie- .vieler .Juden für alles., profane - Wissen von früherher kannte. Nachdem mir mein Zimmer angewiesen, wurde, begab ich mich in dasselbe, um von der weiten Reise auszuruhen. -Anfangslebte ich zufrieden und glücklich mit meinem Berufe. Da ich aber außer den paar täglichen Unterrichtsstunden nichts Anderes zu thun hatte, so hätte mich das ewige Einerlei und die Oede des Dorfes, ohne jeglichen geselligen Verkehr, fast verzweifelt gemacht, wenn es mir nicht gelungen wäre, einen Freund in dem Melamed des Dorfes zu finden. Reb Awrom, wie man ihn allgemein nannte, mochte un- - gefähr 45 Jahre alt gewesen sein, sah aber bereits wie ein Greis aus. Er war eigentlich nicht stabil im Dorfe, denn seine Familie wohnte in Tismenice, sondier« lediglich von dem Arendator und noch einigen anderen Juden, die in den angrenzenden Dörfern wohnten, auf beschränkte Zeit ausgenommen worden, schien aber dennoch bereits mehrere Jahre im Dorfe zu sein. Kost und Wohnung erhielt er vom Arendator, wo auch der Unterricht ertheilt wurde. Bei seiner Familie weilte er nur zweimal im Jahre und zwar: Ostern und an den hohen Feiertagen. - Reb Awrom war ein sehr sympathischer, gescheidter Mann und wohl auch ein ausgezeichneter Talmudlehrer. Trotzdem,ihm jede Profane Bildung fremd war, besaß er dennoch eine gewisse angeborene Intelligenz, die in ihm den angeborenen Melamed nicht erkennen ließ. In der That erzählte er mir bei Gelegenheit, dass er als ״choschiber Bachur", im jugendlichen Alter die Tochter eines reichen Arendators geheiratet habe, sich aber, so lange seine Schwiegereltern lebten, nur mit- ״Lernen" befasst hatte, und als diese gestorben waren, sich entschließen'musste, deren Geschäft zu übernehmen., Da er;aber keine Geschäftskenntniße besaß, und seine Frau nicht genug kräftig war, den Bauern, die wohl trinken, aber nicht zahlen wollten, , zu imponiren, so ging es immer mehr abwärts mit ihnen; sie verarmten, und da er nichts anderes als ״Lernen"׳ konnte, so sah er -sich um eine Melamedstelle um, die zwar wenig eintrug, aber dennoch leben ließ, da-er bei seiner Anspruchslosigkeit, mit allem Nöthigen versorgt war und seiner Familie seinen ganzen Gehalt zukommen lassen konnte. Kein Wunder, dass Reb Awrom in mir einen Schicksalsgenossen erblickte, und da auch ich ihn mit meinen Verhältnißen bekannt-machte, reichte er mir sichtlich gerührt die Hand, und wir wurden warme Freunde. Sein Anerbieten, jeden. Abend mit. ihm. eine Plauderstunde zu verbringen, nahm ich bereitwillig an. In. den ersten Tagen benützte ich meine freie Zeit, um mich mit den Oertlichkeiten des Dorfes vertraut zu machen. Benevice war ein ziemlich großes, von Ruthenen bewohntes Dorf und machte mit seinen bunten Wiesen und schönen Wäldern auf mich, den Naturfreund, einen angenehmen Eindruck. Als ich eines Tages durch die schmalen Gassen des Ortes schleuderte, bemerkte ich, dass ich mich vor einem großen, schloßartiger! Hause befand, welches bei näherer Betrachtung aber als ein eigentliches Hintergebäude, das nur durch einen kleinen Garten von der Hinterfront des Schlosses, und wie es schien, absichtlich getrennt worden war, angesehen werden konnte. Denn, ich erinnerte mich jetzt in diesem Garten einmal gewesen zu sein Und bemerkt zu haben, dass derselbe Spuren hatte, die mich voraussetzen ließen, dass an dieser Stelle einst ein Hofraum gewesen sein müsse. Das Gebäude׳ selbst machte mit seinen verwitterten Mauern esuen Unheimlichen Eindruck. ' _(Fortsetzung folgt.) Danksagung. Der Gefertigte sagt auf diesem Wege . seinen innigsten, tiefgefühlten Dank der löblichen Cultusgemeinde, dem löblichen Frauen-Vereine zu Tobitsehau, inbesondere den sehr geehrten Vorständen, für die ehrenvolle Aufmerksamkeit, die ihm aus Anlass der 25. Jahreswendeseiner Amtstätigkeit in dieser ehrbaren Gemeinde durch mehrere in den wärmsten Ausdrücken gehaltene Anerkennungs-Absprachen. nebst TJeberreiehung einer 200. Kronon-Bente von Seite der lybl, Cultusgemeinde und einer 100 Kronen-Bente von Seite des löbl. Frauen- Vereines zu Theil wurde. Möge es den hochgeachteten Vorständen gegönnt sein, recht lange die Geschicke der unter ihrer Führung stehenden Gemeinde und Vereine in erfolgreicher Weise vreiter zu lenken. Innigsten Dank auch jenen lieben CoHegen׳ und Bekannten, die ihn an seinem Jubeltage mit so vielen und herzlichen Gratulationen und Wünschen!bedachtem ׳ Tobitsehau, am 9 Juni 1897. J. Weiss Cantor and Religionslehrer. -> Priiniiirt Weltausstellung TAUIS 18811. *$־ xtvtmum Fabrik and Haaptdepöt; | h WM d*Hauteville mmmm M 51, Sandringham Road D ALST QM. älteste bestreuonuHirte כשר Wurst- und Sedehfleiscliwaaren-Fabrik. Wien, II., Circnsgagse 38 empfiehlt ihr Sortiment כשר Wurst-, Selchfleisch-Waareu, ungar. uml Veroneser Salami bester Qualität. 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