Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 16 (15.6.1897)
- Date
- 1897-06-15
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Gesterreichisch-ungariscke Lantoren-Zeitung. bestimmen. Bereschit-Rabba 96 legt diese Worte Jakob in den Mund: ^Jakob sprach zu Joseph: Begrabe mich nur nicht in ׳ Mizrajim! Damit׳ ich keine sühnende Auslösung sei für Mizrajim; denn ich bin dem . Lamme verglichen, Mizrajim aber dem Esel, und es heißt: Den Erstling des Esels sollst du loskausen mit einem Lamme." (Exod. 34, 20.) Bamidbar Rabba, C. 4, enthält den Satz: ״Gott sprach: im Gegensatz zu euch habe ich ausgelöst das Lamm (Israel) mit einem Esel (Mizrajim)." Bam. Rabba, C. 9 identifizirt zweimal Mizrajim mit חמור. Halten wir dieser so oft vorkommenden . Bezeichnung חמור für Mizrajim die Bemerkung Ebers' entgegen: Aegypten u. d. B. M., S. 55: ״In altägyptischen Schriften . ist mchrmals von Landschaften die Rede, welche chamor, d. i. ״sehr schwarz" genannt werden. . . die Bezeichnung findet sich in Oberwie in Unterägypten" — oder die Behauptung von Chabas in seiner Besprechung des Berliner hieratischen Papyrus I (p. 40) II y avait sans doute des Gham—uer comme chez nous des Bellevues: so wird mit der Identität -von Cham-ur und חמור, deren Lautgefüge einander vollständig decken, die. Vermuthung uns nahe gerückt: Die Hebräer haben die landschaftliche Benennung Aegyptens, nämlich Chamur, entlehnt.nm ihr den durch ein naheliegendes satyrisches Wortspiel gebotenen Sinn des gleichlautenden hebräischen Wortes חמור zu unterschieben, wofür sie in dem schneidigen Prophetensermon einen ganz willkommenen Anlass fanden. So entstand der Spottname חמור für Mizrajim. . Daraus erklärt sich ganz überraschend eine Variante der Siebziger, die sie nach Megillah 9 5, aus Rücksicht aus König Talmai (Ptolemäus Philadelphia, oder Pt. Philometor) bei der Bibelftelle Numeri 16, 15 eintreten ließen. Statt חמור lasen sie חמר und schrieben sieLpitiiyvieiua ״Begehrtes". Sie .veränderten, ja auch (Megillah a. a. O.) das Wort ארבבת, wie es dort heißt, aus Schonung für die Königin. Die Rabbinen konnten selten der Versuchung widerstehen, die Lehnwörter aus dem Aegyptischen und mehr noch aus dem Griechischen, durch gleichartigen Tonfall angeregt, äußerlich semitisch herzurichten und ihnen einen hebräischen oder aramäischen Sprachsinn zu inhaliren. Sie thaten es aber gewöhnlich in der Absicht, die entlehnten Fremdwörter dem Verständniße der Stammgenossen näher zu bringen. Sonderbar genug, dass durch gleiche Verquickung ganz ftemdartiger Sprachstämme dem G r o ß - K a n der Tartarei das Malheur passierte, von romanisch-jüdischen Schriftstellern כלב הגדול genannt zu werden. Den tartarischen Titel Lao nlit dem romanischen can, canis (Hund) verwechselnd, übersetzten sie Lao frischweg 8) .כלב. Orcliotli Olam von Abr. Farisol, Kap: 2:) (Schluss falzt.) Gingesendrt. Unter dem Schlagworte ״Einigkeit macht stark" erschien in Nr. 15 der ״Oesterreichisch-ungarischen Cantoren-Zeitung" vom 1. Juni l. I. ein Artikel, in welchem gegen die Gründung eines mährischen Cantoren-Verbandes Stellung genommen wurde. Der Schreiber obgenannten Artikels, welcher sich unter dem Pseudonym ״Ein mährischer Cantor" gezeichnet hat, wird mir nun gestatten, ihm hiermit einiges zu erwidern. Vor allem muß ich chm meinen tiefgefühlten Dank für die besondere Rücksicht aussprechen, indem er mit der Veröffentlichung seines Artikels bis nach der Versammlung gewartet hat, um ein collegiales Unternehmen nicht im Keime zu zerstören. Ich bin wirklich überrascht, auf einmal zu erfahren, dass sich in unserem engeren Heimatlande eine so einftußreiche Persönlichkeit befindet Nr. 16 die nur einen Artikel -zu schreiben braucht, um eine Vereinigung von sechzig Collegen, welche sich, einer patriotischen und .wohlthätigen Institution angeschlossen haben, zu zerstören. Nun denn, mein sehr. verehrter Herr College, wenn ,Sie. au der Cantörenversammlung in Brünn wirklich theilgenommen hätten, so wären Sie vielleicht selber von-dieser einmüthigen Begeisterung, welche vor, während und nach der Versammlung geherrscht, auch hingerissen worden. Es.ist uns nicht im entferntesten eingefallen, den ״Oesterreichisch-Ungarifchen Cantoren - Verein" zu schädigen, oder nur mit einem Worte die Verdienste desselben zu schmälern oder zu verkleinern. Im Gegentheil. ich habe an die Collegen in Mähren die Anfrage gerichtet, welche dem ״Oesterr.- Ung. Cantoren-Vereine" angehören, und haben sich nur Drei gemeldet. Ich habe als - Vorsitzender in der Versammlung erklärt, dass jeder von unserem Verbände dem Oesterr:-Ungar. Cantoren-Vereine angehören kann, nachdem unser Ziel, welches wir anstreben, ein anderes ist und wir dem schon bestehenden Vereine keine Cöncurrenz bieten können und wollen.*) Und zuletzt, verehrter Herr College, möchte ich Sie bezüglich meines persönlichen Ehrgeizes noch beruhigen, indem ich Ihnen feierlichst erkläre, wenn Sie Ihre Anonymität lüften, soll gewiss kein anderer als nur Sie an die Spitze unserer Vereinigung treten; es hat auch nichts zur Sache, wenn Sie in noch so kleiner Gemeinde wirken, nachdem unsere Vereinigung auf demokratischer Basis beruht, und wir ein aufrichtig collegiales und einträchtiges Zusammenwirken anstreben. Josef Heller Brünn, am 8. Juni 1897. Obercantor Kleine Chronik. Wien. Unter ungewöhnlich zahlreicher Betheiligüng fand Freitag, den 11. d. M. Vormittags um 11 Uhr auf dem Centralfriedhofe das Leichenbegängnis des im jugendlichen Alter verschiedenen Dr. Carl Bauer, Sohnes des Directors des Bank- Vereines״ Herrn Moriz Bauer, statt. Man bemerkte, unter den Anwesenden die Repräsentanten aller Gesellschaftsschichten der Residenz. Die Finanz-, Künstler-, Juristen- und Schriftsteller- Welt hatte ihre Vertreter gesendet, und viele Freunde - der Familie hatten sich zu dem Traueracte eingefunden. Die Leichenhalle war mit zahllosen prachtvollen Kränzen geschmückt, die von Verwandten und Freunden dem Dahingegangenen gewidmet waren. Nachdem Obercantor S ing er mit dem Chore die ergreifenden Trauergesänge gesungen, hielt Prediger Dr. Güdemann eine tiefempfundene Rede, in welcher die geistige Begabung und das warme Gemüth des dahingeschiedenen hoffnungsvollen jungen Mannes in kräftigen Zügen zum Ausdruck kamen, und als der Sarg in die Gruft gesenkt wurde, blieb wohl keine Auge trocken. * 1 Wien. Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus hielt am 3. Juni seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Freiherr v. Suttner gab in seiner Eröffnungssprache dem Bedauern Ausdruck, dass die alljährlich geäußerte Hoffnung auf eine Besserung der Verhältniße sich nicht bewährt habe. Es laste wie ein Fluch auf den Bewohnern Oesterreichs überall Hass, Hader und Zwietracht. Wir verdanken dies dem Antisemitismus, jener unmenschlichen Bewegung, von der die Parole aüsgegangen: Schmähe Deinen Nächsten, beschimpfe, verfolge ihn, Hetze ihn zu Tode! .Von dort ist die Sprache ausgegangen, die früher nur in den Spelunken vernoinien wurde und heute, wie es scheint, die Wiener Salonfähigkeit erlangt hat. (Lebhafte Zustimmung.) Alle Warnungen gegen die Duldung dieser Bewegung wurden mißachtet, mit Achselzucken und hohlen Phrasen beantwortet. Das P h a r i s ä e r t h u m sei eine Macht geworben in unserem Vaterlande, man rufe die Gottheit zu Hilfe, um unter ihrem Schutze die Juden zu erschlagen. Heute, im Zeitalter des Dampfes und der Elektricität, sehen wir, wie die Bestie im Menschen frisch anstebt und die Wildheit in erschreckendem *) Aus den bisherigen Verlautbarungen war wohl nicht zu ersehen, dass der mährische Verband andere Ziele zu verfolgen beabsichtigt,! als der österr.-ungar Cantoren-Verein, und damit die Nothwendigkeir i seines Bestandes begründen könnte. Darum müssen wir auch die Bedenken des mährischen Collegen vollkommen theilen. - (Anin. d: Red)-