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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-06-15 · Heft 16 (15.6.1897) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 16 (15.6.1897)
Date
1897-06-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 16. Gefferreichisch-ungarische Lanloren-^eitung Seite 3 aus der ״ Sfass kodesch“, dem ״Baal tefüa“ oder ״Sch’iiäch Zibur“, vorgezogen werde? Durch solche Reformen müsste die Stellung-des Vorbeters von selbst eine andere werden, das Ansehen 60 1x80 sich heben, und die Gründung von Vereinen wäre vielleicht gar überflüssig. . Schließlich bitte ich noch Herrn Obercantor Heller um Entschuldigung, wenn ich ihm vielleicht mit dem einen oder anderen Ausdrück Unrecht gethan habe; der Schmerz über seinen unüberlegten Vorgang hat mir dieselben in die Feder dictiert. Es ist führwahr ein Schmerz, wenn man sieht: ״Im baarnsim noflu schahebet", wie Bar Kipuk in seinem herzzerreißendem Necrologe auf Rab Aschi ruft, wenn die handvoll repräsentablen, wissenschaftlich gebildeten Cantoren ein derart strafwürdiges Untergraben des Standesansehens sich erlauben, wenn dieses so große Stück Arbeit des Wiener Vereines ganz leichtsinnig und ohne Gründe ignoriert wird, wenn die Cantoren selbst die besten Handlangerdienste für unsere Neider und Feinde besorgen. .*) I. A. Landau. Benennungen und Redensarten im Dialekt. Vom Landcsrabbmer Dr. B. Placzek. Feibesch wird in der Nomen clatur des Beth Sck/muel zu . 129 Schulchau Aruch Ebenhaöser, Schlagwort פייבש ווייבש folgendermaßen erklärt: Wem vor seiner Geburt der Vater und unmittelbar nach, derselben die Mutter starb, dem rief man schmerzbewegt zu .״ ,"וי בישיWehe, wie arg!" Feibesch entspricht jedoch offenbar dem Namen Phöbus; darum wird er als Beinamen für "״ "אורי שרגאLicht" gebraucht. Von rabbinischer Seite verwahrte man sich gegen einen heidnischen Namen des Lichtgottes. Aehnlich bei שבתי, das nicht שיבתאי geschrieben wird, um nicht als Saturn zu gelten. Gumpel: מרדכי המבוכה גומפל. Es mag wohl eine kühne Vermuthung sein, aber keineswegs eine unwahrscheinliche, beide Namen in eine Sinnverwandschast zu bringen. Gumpel, Gumpelmann, vom mittelhochdeutschen ״gumpen", ״Hüpfen", heißt ein possenhafter Mensch. Nun wird מרדבי von ״mardach“ abgeleiet, das int Arabischen und Altpersischen ein ״kleines, drolliges Männchen" bedeuten soll. Möglicherweise ist also מרדכי ein Spottname, den der Hofjude von Susa von den Hofbedientenerhalten hat, und darum מרדכי mit dem Beinamen ״Gumpel". Wegen des schimpflichen Nebensinnes mochte sich der Talmud ablehnend gegen den Namen Mordochai verhalten und sich mit einer etwas gewaltsamen Etymlogie bemüht haben, dem jüdischen Heros die Namen סתהיה ׳בלשן beizulegeu (Menachoth 64 b, 65 a),. oder den Namen Mordochai die aramäische Hebersetzung von ״ פר דרורMyrrhe" (Chulin 139 b) מירארבי zu unterschieben. Sollte Heine den komischen Beigeschmack des Namens Gumpel empfunden und darum eine seiner drolligsten Figuren! ״Gu mp ellino" genannt haben?! *) Der Name ״Bilschon" (Esra S, 2; Nehcmia 7, 7) wird einem Forscher beigelegt, der die Mischung und Vergleichung verschiedener Sprach- | elcmentc und räthselhafte Worte zu erklären sucht.! Raschi z. St. בולל ומערבב הלשונות ודרשן Menachoth 65a 1 1 ' דהזח בייל לישבא Karpeles ist jedenfalls ein Patrvnymicum von Karpel. Doch was bedeutet Karpel? Im Beth-Schemuel zu Sch. A. E. H. 12s Schlagwort בתן heißt es: נתץ• המכובד, קיבל (Nathan, genannt Karbel oder Korbet); beim Buchstaben heißt es Karpel, Beiname zu Nathan. Nun wird niederdeutsch 8er Karpfen die Karpe genannt. (Cypriiras, bei Cassiodor im 6. Jahrhundert schon carpa, französisch carpa, carpillon.) Der Feldkümmel heißt aber auch Karbe (Schlafgarbe). Es giebt auch ein Kerbelkraut (^uth186u8). Allein alle diese Lautähnlichkeiten lassen sich schließlich die Frage offen: Welche Beziehung besteht zwischen בתן und קרביל dass dem ersteren, als biblischen oder ritualmäßigem Namen, der andere als vulgärer Name, oder umgekehrt, entsprechen soll? Ich glaube daher, mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit annehmen zu dürfen, dass Karpel. Karbel oder Kerbel sich von dem französischen Corbeille (corbicnltts) herleitet, welche Bezeichnung nicht nur Korb bedeutet, sondern auch ein Geschenk, das der Bräutigam seiner Braut hör der Hochzeit sendet, und darum בתן המכובה קרביל Priwe als Begleitname von צפרה kann so entstanden sein: 1. Mos. 15, 9. werden Tauben erwähnt, die im nächstfolgenden Verse 10 צפר genannt find, folglich צפרה auch Taube. Nun heißt aber (pigeoit) prive die Haustaube; mithin ist Prive als Beiname die französische Uebersetzung von Zipporah — so hieß bekanntlich die Frau des Moses. Genendl — Geuenda. althochdeutsch ״Benennung oder Person", könnte zwar diesem Namen den Ursprung geben; der richtigere dürfte aber die Herleitung von ק יעדן fein, diminutiver Kosename Gan-Edendel, kontrahirt in Genendl, das also ״Paradieschen" bedeutet. . Breindl. Bräune, Braune, gemahnen an ״brünen", althochdeutsch ״schmücken, glänzen"; ״brünne" mittelhochdeutsch ״Harnisch" (aus glänzendem Erz), und bedeutet vielleicht ״Die Schmucke, Glänzende". Krassa, Krassl, Kressl, Kreßlein, Diminutive von Kresse (lepiäium), wegen ihres schnellen Wachsthums von oresoo abgeleitet, kann aber auch von dem böhmischen ,krasa“,׳ ״Schönheit", stammen, als Synonym von Schöndel, Schönlein. Gamilla wollen einige von ״ במלWohlthun" ableiten; wahrscheinlich ist darunter Camilla zu verstehen. CHamur (המור) als Bezeichnung für Aegypten. — In den Psalmen wird Ohara als poetische Bezeichnung stir Aegypten einige Male gebraucht. Psalm 78, 51: ״Und er schlug alle Erstgeborenen in Mizrajim, den Erstling der Kräfte in den Zelten Chams." Psalm 150, 23 und 27: ״Da kam Israel nach Mizrajim, und Jakob wohnte im Lande Eham . . ." ״Sie übten Wunder in Lande Cham." Psalm 106, 22:״ ׳Gott, der Großes gewirkt in Mizrajim, Wunder im Lande Cham." Jndeß nicht nur in der Bibel, sondern auch im Talmud glauben wir Cham-Mizrajim an Stellen und in einer Wortvermummung, unter der man es gar nicht vermuthet, zu entdecken. Der etttrüstungsvolle Ausspruch Ezechiels (23. 20): ״Ihr (Mizrajims) Leib ist der Esel Leib", erfährt eine weitere Anwendung und lihrrgische Deutung im Berachot 25 a und Sabbat 150 a, wo es blos symbolisch zu nehmen geboten wird. Berachot 58 a wird erzählt: R. Schila nannte eine Aegypteritt המרה mit Bezug auf jenen Vers, aus welchem Jebamoth 98 a sogar eine rituelle Konsequenz in Betreff der Leviratsehe gezogen und (אין אב למצרי). Nach Erachin 19 b soll darin eine Attspielnng gefunden werden, um das Gewicht menschlicher Gliedmaßen zu

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