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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-06-15 · Heft 16 (15.6.1897) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 16 (15.6.1897)
Date
1897-06-15
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Gesterreichisch-ungaxische Lantoren-Zeitung. Sir. 16 Ohex sind.-das;. etwa nicht ebenso ״unfe^rö Kinder" Lenen sannntHräiDUrn durch den Beschluss jüdischer Gemeinden die zukünftige Existenz untergraben und die Möglichkeit benommen wirL^ ״dWmft -M ihre Mütter oder Eltern sorgen zu können?״ Und stehk diesen ״nn s eren Kindern, denen dieser tödliche Schlag versetzt wird", nicht ebenso der energische, tapfere und erfolgreiche Kampf um die Interessen des Judenthums bevor? Jenen 19 vom Wiener Stadtrathe abgewiesenen Kindern ist ja wenigstens die Möglichkeit nicht genommen worden) in eine andere, staatliche Lehranstalt einzutreten, während den existenzlos gemachten Kindern der jüdischen Cultusbeamten durch die ihren Eltern in solcher Weife entzogene Existenzberechtigung jedeMöglichkeit für ein späteres, menschenwürdiges Dasein entzogen wird. Mögen unsere Gemeinden das wohl erwägen und rechtzeitig ein solches Verhalten gegen besitz- und wehrlose Cultusbeamten ausgeben, bevor die Hand der waltenden Allgerechtigkeit zur Abschaffung dieser Ungerechtigkeit und Härte eingreist! Aber auch an alle College::, sie seien Rabbiner, Cantoren oder Lehrer, geht die bittliche und dringende Aufforderung, sich um keine Stelle in einer Gemeinde zu,bewerben) bei der ein so grausanier Nachweis über Alter- oder Familienstand verlangt wird. Da, wo man gegen unsere Lebensjahre und die Zahl unserer Kinder arglistige Pläne schmiedet, da soll mau auch unsere Kräfte und Leistungen nicht ausnützen. Denn ist der Eine öder Andere momentan auch jünger und mit geringerer Familie gesegnet, so steht ihm doch früher öder später dasselbe Schicksal bevor. Haben wir Uber Me solidarisch zur Beseitigung dieser Rücksichtslosigkeit beigetragen, so nützen wir sowohl uns. wie der Gesammtheit. Ebenso soll niemand von uns seine Fähigkeiten und Kräfte in mehrfacher Weise für einen einfachen Spott- oder Hungerlohn ausnützen lassen. Die Gemeinden sind gesetzlich verpflichtet, bei sonstiger Auflösung, chre Religionsdiener zu erh a l t e n, nicht aber sie in Noth und Dürftigkeit zu stürzen. Wer mehrere Amts- Verrichtungen in einer Person auszuüben vermag, der soll auch den entsprechenden zwei- oder dreifachen Gehalt beziehen. Auch lasse sich niemand provisorisch, es sei auf ein oder drei Jahre, accepLiren. Einer für Alle, Alle für Einen! Zeigen wir nur den festen Willen, und Gottes Beistand wird uns nicht fehlen! I. Der Obercantor der israelitischen Cultusgemeinde in Brünn, Herr Josef Heller, gibt durch eine Correspondenz in der ״Oesterreichischen Wochenschrift" kund und zu wissen, dass das Elend der Cantoren Mährens vor ihn gekommen ist, weshalb er sich veranlasst sehe, durch die Begründung eines Vereines einen Ausweg aus diesen traurigen und trüben Verhältnißen zu schaffen. Wiewohl ich, als Cultusbeamter außerhalb Mährens, mit dieser so hochwichtigen Gründung nichts gemein habe und wiewohl ich als Jude nicht die Engherzigkeit besitze, Herrn Obercantor Heller in seinen — ״Kreuzel-Träumen" zu störenso wird er mir dennoch gestatten, dass ich an ihn folgende Fragen richte: Wenn ich nicht irre, ist vor circa 3 Jahren in Wien ein allgemeiner ״Cantorentag" abgehalten worden, an dem wahrscheinlich auch Herr Heller theilgenommen hat, woselbst der einstimmige Beschluss gefasst wurde, eine Peusionscassa für die Cultusbeamten im allgemeinen oder für die Cantoren insbesondere ins Leben zu rufen. Warum hat nun Herr Obercantor. Heller, anstatt einen Jubiläumsverein zu gründen, nicht lieber seinen ganzen Einfluss dahin geltend.gemacht, diesenlöblichen Beschluss Mit' Hilfe der mährischen Cantoren zur. Thatwerden zu lassen? Warum will Herr Heller gerade einen neuen. Verein gründen, wenn schon in Wien, im Herzen der Monarchie, ein solcher Verein mit bereits bewilligten Statuten, mit einem sehr guten Ausschüsse, mit einem hochintelligenten Präsidenten und sogar mit einem ziemlich respectablen Vermögen existiert? Herr Obercantor Heller hätte sich'ja so manche Schwierigkeit, welche die Gründung eines Vereines mit sich bringt, ersparen könne!:. Warum hat Herr Heller, anstatt seine Popularität durch eine traurige Zersetzung des Vorbeterstandes zu.begründen, nicht vielmehr den erst vor 5 Wochen in Wien abgehaltenen Cultnsgemeindetag sich zum Muster genommen, dessen Delegirte, Parlamentarier, gesuchte Rechtsgelehrte und sonst hochgestellte Persönlichkeiten, keinen wie immer gearteten Anstand nahmen, der Cultusgemeinde der Stadt Wien das Vorrecht zuzuerkennen? Warum hat ferner Herr Heller, wenn ihn schon der Kitzel eines Präsidentensitzes befallen hat, sich nicht im Wiener Vereine durch besonderen Fleiß und besondere Thätigkeit verdient zu 4 machen gesucht, dass ihm die Generalversammlung das Ehrenamt eines Präsidenten verleihe? Ich'-bin überzeugt, dass der jetzige Präsident neidlos ihm diese Würde abgetreten hätte, da es doch ganz bestimmt zum größten Stolze eines Vaters gehört, sein Kind auch von anderen geliebt und ausgezeichnet zu sehen. Herr Obercantor Heller scheint aber weder das eine noch das andere vor Augen gehabt zu haben. Herr Heller, der aus Ungarn nach Mähren kam und sofort bezüglich der ״Cantorenschule" das ungarische Vorbild nachahmte, geht jetzt noch einen Schritt weiter und will auch einen ״Cantorenverein" ins Leben rufen, damit auch wir mit der Zeit das ungarländische — Glück hätten, einen Neologen-, Status quo-, und Congreßverein zu besitzen. Da ich aber beiden! ersten Cantor den Cultusgemeinde Brünn jüdisches und allgemeines Wissen als selbstverständlich voraussetze, erlaube ich mir die weitere Anfrage: Ist es Herrn Obercantor Heller bekannt, welche unermessliche Sünde er durch einen solchen Separatismus auf sich ladet? Ist es ihm bekannt, welches Unglück er durch eine solche Zersetzung in die Reihen seiner Standesgenossen trägt? Jetzt, wo es Noth thut, dass alle Vorbeter k’isch echod den ihnen von allen Seiten drohenden Feind durch einmüthiges Vorgehen und Handeln drei schritte vom Leibe halten, wo es gilt, zu beweisen, dass wir die wahren Schliche Zibur, die Baale tefila und nicht nur die Sänger sind, wagt Herr Heller auf so leichtsinnige Weise Sepäratismus zu treiben? Warum hat sich Herr Obercantor Heller nicht lieber bestrebt, im Wiener Vereine den Antrag durchzusetzen, derselbe möge populäre Vorträge für jüdische Geschichte, synagogale Poesie, Dinim uminhagim und Perusch hatfilos, deren Kenntnis viele, sehr viele Cantoren höchst nöthig hätten, veranstalten? Vielleicht wäre er auch durch dieses Nachdenken darauf gekommen, ob es nicht an der Zeit wäre, das so unsinnig gewählte Wörtchen ״Cantor" wieder zu seinen Vätern einziehen zu lassen, da der jüdische Vorbeter im Gotteshause eine weit wichtigere Stellung als die des Sängers oder Orgelspielers einnimmt. Ich begreife überhaupt nicht, welche Notwendigkeit es verlangt, dass das Wort ״Cantor" aus der Sprache jener Mörder unseligen Andenkens, welche dem Judenthume am meisten wehe gethan haben, dem so schönen, heiligen und passendsten Worte

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