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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-06-01 · Heft 15 (1.6.1897) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 15 (1.6.1897)
Date
1897-06-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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15. G esterreich isch-ungarische Cantoren^ettung. Seite 5. ergreifender Sündenbekenntnislieder und entsprechender Gebete in gebundener Rede versehen. 3) Er beginnt mit einer Sammlung aller Psalmverse, die Äschre an der Spitze haben, dann folgen die Psalmen des rabbinischen täglichen Gebetes, eine Anzahl Verse zur Begrüßung des Gotteshauses, der Segen und Preis dem einzigen, ewigen Gotte, der Hodu-Psalm, die Schöpfungsgeschichte für den Tag, das Gesetz des Tagesopfers, Sündenbekenntnis im Allgemeinen, Gottes Größe aus Psalmversen; Gottes Gerechtigkeit, Prophetenermahnungen, darauf Festgesetz, Sündenbekenntnis und Gebet, angemessene Psalmen, gute Vorsätze, Gebet um Vergebung; ein Gebet über die verletzten zehn Gebote, eine Ermahnung Verse aus dem Hohenliede glossirend. Ein Gebet in Prosa, mehrere in Versen. Die 13 Niääoth und dazu gehörige Gebete, ein alphabetisches Lied in Strophen das Sündenverzeichnis umschreibend, mehrere Gebete um Verzeihung, über Sühne, dann Einzelnes; Heiligung und Schma mit Zubehör, Gebete um Wiederherstellung Jerusalems. Am Versöhnungstage mehrere Einleitungen und Versammlungen zur Auswahl, Schma mit Zubehör; Begrüßung des Tages und Preis der Allmacht, Schöpfungsgeschichte, Sündenbekenntnis, Klagelieder, Psalmenstücke, Sündenbekenntnis und Prophetenermahnungen, ein sehr langes altes Sündenbekenntnis in biblischen Versen; ein theosophisches Stück über Gottes Wesen mit wissenschaftlichen Schlüssen 4) wegen einiger Irrungen von einem Anderen berichtigt. Nach einem ausführlichen alphabetischen Gesang 5) folgen Festslücke mit Sündenbekenntnißen; auch der Priesterdienst im Tempel bildet ein wesentliches Stück, Psalmen, der ganze 119. das Lied am Meere und eine Menge Sühnlieber. Für den Fall, als der Tag noch nicht ausgefüllt ist, werden von Neueren viele Lieder dargeboten. Von einer Eintheilung des Gottesdienstes an diesem Tage in 4 Abtheilungen wissen die Karaim nichts, und von Allem, was darauf Bezug hat, findet sich in der Gebetordnung keine Spur. Ehemals war die Zahl der Gebete an diesem Tage weit größer, man hat sie — weil auch schon die Andacht ermüdete — bedeutend verkürzt. An den.7 Zwischentagen vom 1. Tischri bis zum Vorabend des Versöhnuugstages werden in der Frühe Bußgebete gehalten. Sie sind gänzlich verschieden von den rabbinischen. Gottesdienst am Purim. Am 1. Abend verbindet sich mit dem täglichen Abendgottesdienst noch eine Reihe Danklieber und des Schluss aus Esther, dann folgen Psalmen, die Vorlesung des Buches Esther durch einen jungen Menschen. Sabbatgottesdienst in der Hochzeitswoche. Diese Feier ist den Karaim eigenthümlich, scheint aber erst aus späterer Zeit herzurühren. Früh morgens versammeln sich die jungen Leute beim Neuvermählten und beten dort mit ihm das Sabbatgebet und frühstücken mit ihm. Unterdess, kommen Abgeordnete aus der Synagoge, um ihn dahin abzuholen. Ein junger Mann stimmt dann den Psalm 20 an. Hierauf zieht man unter Psalmen nach der Synagoge hin; an der Pforte wird er mit Gesängen begrüßt, dann tritt er ein; die Vorlesung des Wochenabschnittes geht vor sich, und es wird allenfalls gepredigt, was auch der junge Ehemann thun kann. Hierauf wird abermals die Thora ausgehoben und zu Schma Verse im Chore gesungen. Man 3) Die meisten von Aron, doch auch von einem Mebarech b. Nathan Lewi u. a. besonders jungen Dichtern.' YVon Jehuda Maroli. 5) Bon Elia Beschitzi, Jehuda Tischbi. Mordechai, Abraham, Mose und bes. von Jsak. beginnt eine neue Vorlesung aus dem Wochenabfchnitte unter Herbeirufung eines Cohen, eines Levi und des Neuvermählten, der mit Gesängen begrüßt wird. Dann folgen Verse, dann Begrüßungen des Neuvermählten nach den verschiedenen Vornamen verschieden. Bei der Heimkehr wiederimr Verse: zu Hause abermals, dann Lieder. Die gottesdienstliche Feier der Hochzeit selbst unterscheidet sich wenig von der rabbinischen. Die 7 Segensspräche waren schon vor Beginn des Zwiespaltes üblich und die Karaim finden dieselben in der Schrift begründet. Hieran möge sich auch die Bemerkung knüpfen, dass der Scheidebrief erstens rein hebräisch und die Zeitrechnung von Jahre der Tempel- Zerstörung (I. W. 3828) angesetzt sein muß. Gottesdienst der Fast- und Trauertage. Abends und Morgens schließen sich an den gewöhnlichen Gottesdienst angemessene Versammlungen, Erinnerungen an ehemalige Unfälle enthaltend, Klagepsalmen, Stücke aus Propheten, Gedanken an den Tod an. Der 1. Fasttag ist der 17. Tamus. Von da ab werden an den folgenden Sabbaten, eigens gedichtete Klagelieder, abends das Buch Echa und das Lied Moses mit passenden Versen gebetet. Weit ausführlicher sind die Stücke ähnlichen Inhaltes am 7. Ab, dem Tage der begonnenen Zerstörung. Man liest unter anderen die Ermahnungen Ezechiels vollständig. Mehrere Trauergesänge werden gesungen. Am 10. Ab, dem Tage der Zerstörung, wiederholen sich die bisherigen Formeln, dazu kommen noch die Ermahnungen Jeremias und Hoseas und neue Klagelieder. Man liest das ganze Buch Hiob und bis zum Schluß des Tages Trostverse. 3 * 5 6) Der 4. Fasttag am 23. oder wenn dieser ein Sabbat ist, am 24. ohne sichere Bedeutung, wird herkömmlich gefeiert. Die Auswahl an diesem und am 10. Tebet, dem 5. Fasttag, ist angemessen, ohne sich sonst anszuzeichuen. Die Gottesdienste aller Tage von diesem 10. bis zum Ende des Monates enthalten Trauerstücke, und jeden Montag und Donnerstag dieser Wochen wird wie die Zwischentage des 1. und 10, Tischri behandelt. Wir lassen hier noch die äußerst ergreifenden und trefflich zusammengestellten gottesdienstlichen Bräuche bei der Leichenbestatttmg folgen. Der Sterbende spricht ein sehr angemessenes Gebet, mit angemessenem Sündenbekenntnis. Nach seinem Hinscheiden sprechen die Anwesenden eine sogenannte Rechtfertigung des göttl. Gerichtes 7) in sehr gut gewählten Ausdrücken mit verschiedenen Formeln, betreffend einen Greis, einen Weisen, einen Jüngling, einen Knaben, eine Frau, dann weitere Verse, bes. aus Hiob und Segen dem gerechten Richter; hierauf folgen nach Gutbefinden Trauerlieder, je nach dem Alter, Geschlecht und Stand des Todten; dann wird die Bahre fortgetragen, unter Versen, nach Zuwerfung des Grabes wird gesprochen: Klein und groß ist da, und der Sklave frei von seinem Herrn, und dazu die passenden Verse aus Kohelet; außerhalb des Friedhofes wiederum Verse über Tod und Auferstehung und ein Gebet um Wieder- Herstellung Jerusalems. Jm.Trauerhause trinken die Leidtragenden nach einem Gebete der Anwesenden um Tröstung der Leidenden, den Trostbecher, und man speist und spricht den Segen. An den 7 Trauertagen können Besucher und die Trostform wird wieder- . holt. Uebrigens haben sie, wie Rabbiner, für jeden Genuß und 6) Hadossl im 12. Jahrhd. kennt diesen Fasttag nicht. Eschkol. 22. Er nennt auch ausdrücklich nur die anderen 4 Fasttage. Aber Aron b. Eliahu erwähnt auch den 10. Ab. Nach ihm bleibt man am 7. und 10. den ganzen Tag. in der Synagoge. 1) Bei Eschkol 12 sind die Vorträge in Responsen eingerichtet. Die Verse waren damals anders geordnet, als gegenwärtig.

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