Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 15 (1.6.1897)
- Date
- 1897-06-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Vesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. dc'r. 15 Bildung, Befähigung als Lehrer, als Gemeinde-Secretär u. dgl., und kurz der Cantor muß intellectuell und moralisch als ganzer Mann dastehen. Trotzdem sei die Stellung des Cantors eine solche, die noch Vieles zu wünschen übrig lasse. Das Damoklesschwert der Entlassung schwebe fortwährend über seinem Haupte und — wie Redner an drastischen Beispielen nachweist — sei oft eine geringfügige Veranlassung hinreichend, um seines Postens verlustig zu werden und im Alter oft den Wanderstab ergreifen zu müssen. Nur einzelne Gemeinden haben in ihrem Statute die Stellung des Cantors entsprechend gewürdigt. Aus diesen Gründen sei eine Vereinigung nothwendig, welche zur Hebung des Standesbewusstseins und zur Beseitigung der angeführten Uebelstände beitragen würde. Nach diesen beifällig aufgenommenen Ausführungen entstand eine sehr angeregte Debatte, an welcher sich mehrere lebhaft betheiligten, und zwar die Herren: Türk (Mähr.-Ostrau), Steiner (Gr. - Meseritsch), Schulz (Bisenz), K o h n (Lundenburg) u. A. Ueber Antrag des Herrn Obercantor Heller wurden nun folgende Beschlüsse gefasst: 1. Die Anwesenden geben ihre Zustimmung zur Bildung eines Vereines. 2. Zweck des Vereines sei die Förderung der Interessen des Standes und die Unterstützung von Witwen und Waisen der dem Vereine angehörigen Berufsgenossen. 3. Mit Rücksicht auf das bevorstehende 50jährige Regierungs-Jubiläum Sr. Majestät des Kaisers soll der Verein den Namen führen: ״Kaiser-Jubiläums- Witwenu. Waisen-Unterstützungs-Verein der Cantoren Mährens". 4. In das Comitv zur Ausarbeitung des Vereinsstatuts wurden gewählt: Obercantor Heller (Brünn), ״ Stößler (Neu-Raußnitz), ״ Steiner (Gr.-Meseritsch), ״ Kohn (Lundenburg), ״ Schulz (Bisenz). 5. Die nächste Versammlung findet am 1. August l. I. statt. _ J. St. Die Karaim von A. Stein, Rabbiner in Sobicslau. (Fortsetzung.) Die düstere Stimmung, welche der Gottesdieust dieser Sabbate erregt, macht am Sabbat vor Purim einer heiteren Raum. Für alle Wochenabschnitte, für alle Tage und Sabbate sind Gesänge von ungleichem Werthe gedichtet. Ein Gedicht von Jehuda Gibbor schließt mit den Worten: ״Gedenke des Gesetzes des Sohnes Amram, welcher über alle erhoben wurde und durch welches wir ein bevorzugtes Volk für alle Zeiten sind". Endlich wird am Sabbat ein Gedächtnis aller derer, welche sich um die Karaim-Gemeinde verdient gemacht, gehalten. Hernach werden Segnnugen gesprochen über die ganze Gemeinde, überden Vorbeter, über den׳ Vorleser, über den Landesherrn/ über die, welche dem Heiligthume Weihgeschenke gegeben, über die Gemeinde- ׳Verweser, über Kranke, über Reisende, über Gelehrte, Schüler, über die Synägogendiener/ über einen geheilten Kranken, der Dankopser gespendet, über glücklich heimgekehrte Reisende,' über - befreite Gefangene, über Wöchnerinnen, die gespendet haben, über einen Vater, der für seiner Kinder Wohlsein gespendet hat, und immer werden schickliche Verse eingeflochten. G o t t e s d i e nst d e r F e st t a g e. Der Gottesdienst an allen Festtagen ist im Allgemeinen gleich, nur mit Einrückung von Stücken, welche dem Feste eigenthümlich sind, und mit Rücksicht auf den Sabbat, wenn dieser mit dem Feste zusammenfällt. Ein Element der drei Feste bildet die Klage über den Untergang der Wallfahrten und der Opfer und der ursprünglichen Festesfeier überhaupt. Am Abend des Peßachfestes wird zu Hause vor Tische das kleine Halle! gesprochen, dann folgt der Segen über den Wein, über das ungesäuerte Brot und über das Mazza-Gesetz mit vielen Versen, den Bibelstellen des Festes, und darauf folgt das Hallel. Das Peßachfest selbst zeichnet sich durch einige Stücke aus, insbesondere den 119. Ps. und einige dazu gesetzte Strophen Psalmen. Dies wird als das Panier der Karaim betrachtet. Es folgen noch Verse, die den Tag verherrlichen, das Lied am Meere, die Festgesetze, die Heiligungsaussprüche, das Hallel der Psalmen. Mittags wird der Tag beim Weine geheiligt und das Tischgebet bezieht sich auf das Fest. So an allen Feiertagen. Am 7. Tage — Azeret genannt — wird der 4. Abschn. des H. B. M. Vorm, das Lied am Meere aus der Gesetzesrolle vorgelesen, dazu am Schluss das Lied der Deborah und gegen Abend das Hohelied. Es wird zuerst ein Cohen, dann ein Levi, dann 7 andere Personen hervorgerufen, um einige Verse zu lesen, dann ein Knabe, die Schlussverse und das Deborahlied zu lesen. Abends, nach dem hohen Liede, wenn noch Zeit ist, wird gepredigt. 1) Am Wochensest wird außer den Feststücken und anderen ein eigenes, aus Jeremias und Ezechiel gemischtes Stück vorgetragen, welches über die Hirten klagt, die ihre Heerde verleiten und verwahrlosen. Vorgelesen wird der Abschnitt der Offenbarung auf Sinai. Man feiert das Fest als Gesetzgebungstag, obwohl der Tag wechselt. Abends wird Ruth gelesen. Der 1. Tischri hat merkwürdiger Weise den einfachsten Gottesdienst. Man rechnet diesen Tag auch nicht zu den Festen. Von den rabbinischen Betrachtungen und Gebeten mit beständigen Anspielungen auf göttliches Gericht und Feststellung des Schicksals der Menschen keine Spur. Auch das Sündenbekenntnis ist das gewöhnliche. Das Hüttenfest, der 15. zeichnet sich nur durch Beziehungen auf die Bedeutung des Tages aus. Der 8. Tag, der nicht zu den 3 Festen gehört, wird mit außerordentlicher Feierlichkeit begangen. Außer den großen Gebeten um Regen, der um diese Zeit Bedürfnis ist und woran sich Hoffnungen und Besorgniße knüpfen, werden wieder beim Verlesen des letzten Wochenabschnittes eine Menge Lieder gesungen. Am selben Tage wird der 1. Abschnitt wieder begonnen und das sogenannte Thorafest gefeiert. Im 14. Jahrh. begann man an vielen Orten die Thoraabschnitte mit dem Nissan, folglich fiel das Thorafest in den Frühling, wenn es überhaupt in solchen Gemeinden gefeiert wurde. 2) ' Der Abendgottesdienst des B ers ö h nu n g s t a g es, dem Inhalte nach dem rabbinischen gleich, ist mit einer Menge recht 1) Der Gottesdienst dieses, Festes ist ungemein, ausgestattet mit Gesängen von Ahron, Menachem Mahalla, von Ubraham dcpt Spanier u. A. Ebenso der des Wochenfestes. 2) Aron ben Elia sagt, dass in.Constantinopel mit dem Nissan be- ׳gönnen wurde. .